Akteure loben konstruktiven Prozess

Masterplan mit Beteiligung auf Augenhöhe

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Jana Hertelt vom beauftragten Planungsbüro erläuterte Inhalte des Masterplans.

Offenbach - Im passenden Ambiente der zur Veranstaltungshalle umgebauten alten Schlosserei der EVO präsentierten und lobten am Mittwochabend alle Beteiligten den Masterplan. Von Matthias Dahmer

Fast ein Jahr haben verschieden Gremien an den „Leitplanken“ zur Stadtentwicklung gearbeitet. Darunter auch die sogenannte Detailgruppe, besetzt mit engagierten Bürgern. Einige von ihnen bekamen auf der Bühne vor mehr als 300 Gästen die Gelegenheit zurückzublicken. Angelika Spichal und Barbara Levi-Wach, beide auch in der Lokalen Agenda tätig, waren sich einig: Dies sei erstmals eine systematische Bürgerbeteiligung gewesen, man habe stets auf Augenhöhe diskutiert und niemand sei mit seinen Ideen abgebügelt worden.

Stefan Becker, im Berufsleben Chef des Modehauses M. Schneider, sagte, ihn habe überrascht, wie eingehend sich alle Beteiligten mit der Materie befasst hätten. „Offenbach muss sich nun mit einem solchen Plan positiv verkaufen“, lautete seine Forderung. Für Harry Neß, vielfältig im städtischen Leben aktiv, war der Masterplan-Prozess „ein Labor für lokales Handeln“. Das Verfahren habe sich den Potenzialen und bewusst nicht den Problemen Offenbachs gewidmet. Neß hält es für erforderlich, dass ein neutrales Gremium eine Art Controlling vornimmt und jährlich einen Zwischenbericht liefert, wie der Prozess umgesetzt wird.

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Stefan Kornmann und Jana Hertelt vom beauftragten Planungsbüro Albert Speer und Partner stellten im Anschluss – wie schon am Vormittag im Rathaus (wir berichteten) – die Inhalte des Masterplans in Grundzügen vor. Ergänzend erläuterten sie etwa die Pläne für das Areal rund um die Daimlerstraße, wo das Mischgebiet neu geordnet werden soll, betonten, dass auf dem MAN-Gelände Süd an der Mühlheimer Straße sowie auf einem benachbarten Areal insgesamt 16 Hektar Gewerbefläche zur Verfügung stehen.

Für den Mainuferparkplatz schlägt der Masterplan einen Kompromiss vor: Ein teilweiser Rückbau mit gleichzeitiger Begrünung Richtung Fluss sowie mit überbauten Stellflächen unmittelbar an der Carl-Ulrich-Brücke so dass dort als Entrée zur Kaiserstraße eine große, ebene und anders nutzbare Fläche entsteht. Die Areale rund um den Hauptbahnhof sollen ebenfalls neu geordnet werden. Dazu gehören entlang der Bismarckstraße Richtung Osten unter anderem ein Quartiersparkhaus sowie ein kleiner Park. Was den Bahnhof selbst angeht, deutete Kornmann an, dass sich die Bahn als Eigentümerin nach Jahren des Stillstands künftig wohl etwas bewegen werde. Als Sahnehäubchen in Sachen Nahverkehr können sich die Planer einen Rad-Schnellweg auf dem Bahndamm von Mühlheim nach Frankfurt vorstellen.

In die Innenstadt, wo „eine handvoll Gebäude störend prägen“, so Kornmann, sollten die vorhandenen Plätze verkleinert werden. Zu den Schlüsselprojekten zählen Markplatz-Umbau und City-Passage, wo nur im Erdgeschoss und im ersten Stock Einzelhandel favorisiert wird. Darüber müssten Wohnungen entstehen, sagte Kornmann.

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Eine kabarettistische Sicht auf den Masterplan lieferten in einen etwas zu lang geratenen Einlage Ulrike Happel und Sabine Scholz vom Theateratelier Bleichstraße 14 H. Getrübt wurde die Stimmung durch etwa ein Dutzend jugendliche Störer, die sich augenscheinlich der linken Szene zugehörig fühlten. Tauchten in den Vorträgen bestimmte Schlüsselwörter auf, johlten und klatschen sie lautstark. Weder die Bitte dies abzustellen noch der Unmut der Mehrheit der Besucher hielt sie von ihrem Vorgehen ab. Ebenso lehnten sie das mehrfache Angebot ab, Stellung zu nehmen. Nach etwas mehr einer Stunde verließen die uneinsichtigen Störer zum Glück die Veranstaltung.

Eine erste Reaktion aus der Politik auf den Masterplan kommt von der CDU: Die Fraktion um ihre Spitze Peter Freier und Roland Walter appelliert in einer Mitteilung an die Geschlossenheit bei der Umsetzung. „Wir gehen davon aus, dass die anderen Fraktionen in ähnlicher Eintracht wie bei der Beschlussfassung im Oktober 2012 die Ergebnisse des Masterplan-Prozesses mittragen“, so die Union. Alles andere sei nicht vermittelbar. „Einen anderen oder zweiten Masterplan wird es nicht geben.“

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