Nächster Akt für Waldkulisse

Masterplan: Gewerbliche Bebauung an der S-Bahn-Trasse

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Das umstrittene Areal liegt zwischen S-Bahn-Station und Seligenstädter Straße.

Waldhof - Seit Mitte der 1990er Jahre war der schmale Baumstreifen zwischen S-Bahn und Gewerbegebiet Waldhof ein heiß umstrittenes Politikum. Auf Betreiben des damaligen Oberbürgermeisters Gerhard Grandke wurde die Waldkulisse als Gewerbegebiet auf Vorrat ausgewiesen. Von Sarah Neder

Eine engagierte Allianz aus Anwohnern und Umweltschützern begehrte erfolgreich auf. Der Masterplan schlägt nun die Kehrtwende vor. Vom Namensgeber trennen den Bieberer Stadtteil Waldhof die Bundesstraße 448 und die S-Bahn. Direkt dran liegt nur ein Zwischendrin: ein bescheidener Streifen Bäume und Gestrüpp, der die Seligenstädter Straße von der Bahntrasse trennt. Das wohl umstrittenste Stückchen Forst in Offenbach trägt einen anspruchsvollen Namen Waldkulisse.

Rückblick: 1995 beschließen die Stadtverordneten – CDU und SPD bilden eine Großkoalition –, das bewachsene, schlauchförmige Gelände in Waldhof im Flächennutzungsplan als Gewerbegebiet auszuweisen. Interessenten gibt es noch nicht, aber OB Grandke will als oberster Wirtschaftsförderer eine Reserve haben und signalisieren, dass sich die Stadt zwecks Schuldenabbau auch von Grund und Boden trennen würde. Im Stadtteil erhebt sich Widerstand. Anwohner, unter ihnen Kommunalpolitiker diverser Farben, bilden die Bürgerinitiative „Rettet den Wald am Waldhof“, lassen Gutachten erstellen, sammeln Unterschriften. Ein zäher Kampf. Doch die Argumente der Bestandsschützer haben nach 15 Jahren planerische Konsequenzen. Im Dezember 2010, kurz vor der Kommunalwahl, beschließt das Parlament, die Umwidmung in Grünfläche zu beantragen. Gerhard Grandke ist da schon vier Jahre nicht mehr OB.

Die rot markierte Fläche zeigt, wo sich heute der schmale, baumbewachsene Streifen namens „Waldkulisse“ befindet. Wenn es nach dem Masterplan geht, könnte dort eine Gewerbefläche entstehen. Das gleiche Vorhaben war schon einmal in den 1990er Jahren geplant, scheiterte aber am Widerstand der Nachbarn.

Doch der Vorhang des Theaters um die Baumreihe ist nicht endgültig gefallen. Der von der IHK angeregte Masterplan, den das Stadtparlament am 25. Februar beschließen soll, kann einen neuen Akt um die Waldkulisse eröffnen. Auf der Karte ist das Grundstück hellblau eingefärbt: potenzielles Gewerbegebiet. Anruf bei Erich Herrmann, einst Anführer der Waldretter-Initiative. Der Altgenosse ist überrascht. Bislang hat er nichts von aktuellen Überlegungen gewusst, die Natur am Bahnhof doch gegebenenfalls wieder opfern zu wollen. „Es wundert mich, dass diese alte Klamotte nach diesem ganzen Hick-Hack wieder hochgeholt wird“, sagt Herrmann.

Masterplan: Zehn Maßnahmenpakete

Er ging davon aus, dass die Bürgerinitiative solchen Absichten ein Ende gesetzt hätte. Das Thema sei abgehakt, meint er und gibt noch einmal die wichtigsten Argumente der Waldhofer wieder: „Die Bäume sind ein wichtiger Lärmschutz zur S-Bahn-Strecke, und die Waldkulisse ist ein Naturschutzgebiet mit Sümpfen.“ Außerdem sei die schmale Fläche für Firmen ungeeignet. „Da passt kein Lkw drauf, und von der anderen Seite hat man den Lärm der S-Bahn.“ Angesichts dieser Punkte ist es dem ehemaligen Gewerkschafts-Bundesvorsitzenden ein Rätsel, wieso das Gebiet im Masterplan wieder als Gewerbefläche ins Spiel gebracht wird: „Ich weiß, wie schwer es war, das Rad nach vorn zu drehen. Wie wollen die es wieder zurück drehen?“

Die Stadtverordneten halten sich bislang zur Waldkulisse weitgehend zurück. Lediglich FDP-Fraktionschef Oliver Stirböck fordert Konsequenz bei der Masterplan-Umsetzung: Die Erweiterungsflächen für Gewerbe in Waldhof dürften nicht politischen Einzelinteressen zum Opfer fallen, sondern müssten von der politischen Führung nach einem Parlamentsbeschluss mit Nachdruck verfolgt werden. Eine Forderung, die sicher so manchen Widerstandswillen aus alten Zeiten wecken wird.

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