Kooperationsvertrag zwischen Stadt und IHK

Masterplan: Der Entwurf fürs große Ganze

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Wohnen oder Gewerbe? Das freie Areal an der Siemensstraße, wo einst der Schuhhändler Tack beheimatet war, steht unter anderem exemplarisch dafür, was man mit dem Masterplan in Grundsätzen festlegen will.

Offenbach - Der Kooperationsvertrag zwischen Stadt und IHK zum Masterplan ist so gut wie fertig. Im März soll er von den jeweiligen Gremien abgesegnet werden. Mit 400.000 Euro Startkapital kann dann losgelegt werden. Von Matthias Dahmer 

Sie nannten sich Stadtleitbilder oder Stadtentwicklungskonzepte. Und sie haben eins gemein: Sie verstauben mittlerweile in den Schubladen so manchen Rathauses. Dieses Schicksal, das haben sich Frank Achenbach und Markus Eichberger fest vorgenommen, soll dem in den Anfängen steckenden Offenbacher Masterplan erspart bleiben. Zu diesem Zweck haben der umtriebige IHK-Geschäftsführer und der neue Stadtplanungsamtschef eine Allianz geschmiedet, die bundesweit bislang ihresgleichen sucht: Bei der Erarbeitung eines Entwurfs für das große Ganze, einer umsetzbaren Vision für ein überlebensfähiges und lebenswertes Offenbach, machen die IHK als Stimme der Wirtschaft und die Stadtverwaltung von Anfang an gemeinsame Sache.

„Wir sind nicht gleicher Meinung, haben aber ein gemeinsames Ziel“, fasst Achenbach die Ausgangssituation zusammen. Das Ziel definiert er so: „Handlungsfähigkeit und wirtschaftliche Substanz der Stadt stärken.“ Das ist angesichts der Schutzschirmvorgaben für die Pleitestadt Offenbach – man träumt von Schuldenfreiheit bis 2022 – das Gebot der nächsten Jahre.

40 mitmachende Unternehmen

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Masterplan gedeckelt

IHK-Mann Achenbach ist Sprecher und ehrenamtlicher Geschäftsführer des eigens zum Zwecke der Masterplan-Umsetzung von der Kammer gegründeten Vereins „Offenbach offensiv“. Mit 15 Mitgliedern im Juli vergangenen Jahres gestartet, zählt Offenbach offensiv mittlerweile mehr als 40 mitmachende Unternehmen. „Und das ohne große Werbung“, bemerkt Achenbach nicht ohne Stolz. Das Bedürfnis der wirtschaftlichen Akteure in Offenbach, bei der Stadtenwicklung das Feld nicht nur den üblichen Verdächtigen etwa aus Lokaler Agenda 21 oder sonstigen Initiativen zu überlassen, ist offenbar groß.

„Masterplaner“ für die IHK: Frank Achenbach

Wenig überraschend: Es geht auch ums Geld. 400.000 Euro sollen im großen Topf liegen, wenn es richtig losgeht mit dem Masterplan. Die Stadt hat via Parlamentsbeschluss schon mal 200.000 Euro als Maximalbetrag zugesagt. Mindestens die andere Hälfte, da ist Achenbach optimistisch, sammelt der Verein bei Sponsoren. Denen werden zu diesem Zweck verschiedene, zwischen 1000 und 25.000 Euro teure Pakete angeboten, die in abgestufter Intensität Werbung für die Firmen im zunehmend breiter kommunizierten Masterplan-Prozess garantieren. „Im Zuge des Prozesses sollen die Unternehmen zu Botschaftern der Stadt Offenbach werden“, erläutert Frank Achenbach.

2016 soll es an die Umsetzung gehen

Federführend auf Stadt-Seite: Markus Eichberger

Im Team geben „Offenbach offensiv“ und Stadtplaner derzeit einem Kooperationsvertrag den letzten Feinschliff. Im März sollen die laut Achenbach „Leitplanken der Stadtentwicklung“ von Stadtparlament und Vereinsvorstand abgesegnet werden. Das wird unter anderem der Startschuss für die Vergabe von Aufträgen an externen Sachverstand sein, berichtet Eichberger. So sollen sich zunächst unabhängige Planer die Stadt anschauen. Sollen zum Beispiel ausdeuten, welche der noch freien Flächen zur Wohnbebauung, welche für Gewerbezwecke geeignet sind. Ein Kommunikationsbüro erhält den Auftrag, die herausgearbeiteten positiven Seiten der Stadt Offenbach möglichst kreativ zu vermarkten. Und zur Moderation dieses vermutlich nicht ganz konfliktfrei ablaufenden Prozesses sollen ebenfalls Fachleute eingekauft werden.

Der Zeitplan ist dabei trotz selbstverständlicher Bürgerbeteiligung nicht auf Endlos-Diskussionen ausgelegt. Der finale Masterplan soll nach etwa einem Jahr stehen, so dass 2016 an die Umsetzung gegangen werden kann. Der Plan wird im Idealfall eine Art Handlungsanleitung zur Stadtentwicklung bis ins Jahr 2030 sein, nennt Eichberger den Zeithorizont.

Weil das Werk mindestens zur Hälfte die Handschrift von Unternehmen trägt, ist „Wirtschaft“ neben „Wohnen“ als Haupthandlungsfeld definiert. Unter diesen beiden Säulen, zählt Eichberger auf, finden sich unter anderem die abzuarbeitenden Themen Umwelt/Klima, Bildung/Kultur, Flächenpotenziale/wirtschaftliche Entwicklung sowie Image/Alleinstellungsmerkmale. Was schon jetzt für Achenbach und Eichberger positiv festgehalten werden kann: Das Arbeiten am Masterplan hat IHK und Stadt wieder näher zusammenrücken lassen.

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