Noch nicht alle Details entwickelt

Masterplan: Was geschieht in den Stadtteilen im Mainbogen?

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Bürgel/Rumpenheim - Was bringt der Masterplan für die Stadtteile im Mainbogen? Gut 100 Gäste wollten es wissen und folgten der Einladung des SPD-Ortsvereins. Während der Oberbürgermeister das große Ganze sieht, schauten viele Bürger bereits auf nicht entwickelte Details. Von Martin Kuhn 

Kurz gesagt: Man redete sich an diesem Abend eher in gegenseitiges Unverständnis. Da sich viele Bürgeler und Rumpenheimer angesagt haben, wechselt der Ortsverein kurzfristig in den großen Bürgerhaus-Saal – eine gute Entscheidung, auch wenn eine Tonanlage fehlt. „Wenn der Oberbürgermeister aufs Gehöft kommt, ist man persönlich dabei“, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Es sind indes rot markierte Areale des Masterplans, die viele Gemüter erhitzen. Neben dem bereits beschlossenen Baugebiet Bürgel-Ost, in absehbarer Zeit zu erschließen, sind das vier weitere Flächen für Wohnungsbau an Alice- und Lammertstraße, entlang der Gärtnerei Conrad, am Kleinen Gässchen. Horst Schneider hebt die perspektivische Entwicklung bis 2030 hervor: „In den nächsten fünf Jahren können wir die Nachfrage noch decken. Beim Wohnen sind wir dem Masterplan sogar voraus.“

Die genannten Flächen seien lediglich aufgezeigte Potenziale. Das sollte aktuell für die Stadtteile nicht überbewertet werden. „Es bleibt die Frage, ob wir überhaupt an diese Areale ranmüssen. Wir sollten heute nicht darüber streiten“, empfiehlt der Verwaltungschef. Das sehen die Bürgeler und Rumpenheimer im Bürgerhaus anders. Sie sorgen sich um die künftige Verkehrsentwicklung. „Zumal der Plan die Kappung der Mainstraße am verlängerten Kuhmühlgraben vorsieht“, stellt ein Mann fest, der offenbar öfter mit dem Auto unterwegs ist. Schneiders Erwiderung, dass es sich dabei lediglich um eine von mehreren Varianten handele, perlt nicht nur an ihm ab. Für den OB gibt’s ordentlich Gegenwind: „Was ist mit den Berufspendlern?“ „Wie kommt mein Mann dann nach Bad Homburg?“ „Neubaugebiete in Rumpenheim und parallel Kappung der Mainstraße – das entbehrt jeder Logik.“ „So ist das völlig falsch geplant.“

Da raunt der Nachbar im Saal dem Autor dieser Zeilen zu: „Darauf würde ich gar nicht antworten.“ Tja, ganz so einfach kann es sich der Oberbürgermeister nicht machen, der zum wiederholten Mal auf den Planungshorizont 2030 verweist und bekundet: „Da folgen völlig offene Diskussionen. Wir sollten uns heute nicht die Köpfe heiß reden über kleinteilige Verkehrsfragen.“ Aber genau das wollen einige und blicken beispielsweise aufs Baugebiet Rumpenheim Süd-West, wo nach Abriss der alten Ernst-Reuter-Schule eine verdichtete Bebauung mit Ein- und Mehrfamilienhäuser entstanden ist und mitunter Nerven blank liegen: „An der Kurhessenstraße ist das Aggressionspotenzial der Autofahrer erheblich gewachsen“, resümiert einer.

Masterplan: Zehn Maßnahmenpakete

Beruhigen kann Schneider indes jene, die sich um das viele Grün rund um Bürgel und Rumpenheim sorgen – auch auf der Masterplan-Internetseite: „Bitte hören sie auf, die Natur zuzubauen oder verplanen zu wollen. Wenn diese Naherholungsgebiete – besonders der Mainbogen – wegfallen, sähe ich auch keinen Grund mehr, weiter in Offenbach zu wohnen.“ Sowohl der Mainbogen als auch der Stadtwald werden als wertvolle Pfründe betrachtet. „Da gehen wir nicht ran“, versichert der OB. Ein positives Fazit zieht die lokale SPD-Vorsitzende Maria Böttcher: „Ich bin überrascht und erfreut über den großen Andrang.“ Für sie bleibt festzuhalten, dass einige Punkte angesprochen wurden, „die der sorgfältigen Betreuung in den kommenden Jahren bedürfen“. Zufrieden zeigt sich der Rumpenheimer Hans-Jürgen Burmeister, auch mit Blick aufs 40 Hektar große und überwiegend geräumte Allessa-Gelände, das mittlerweile unter dem Schlagwort „Innovationscampus Main“ firmiert: „Wir leben für morgen, nicht für vorgestern.“

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