Städtische Wirtschaftsförderung legt Jahresbericht vor

Masterplan zeigt Wirkung: Interesse der Investoren wächst

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Offenbach - Neue Ansiedlungen, neue Jobs, wachsendes Interesse am Standort Offenbach – die Jahresbilanz der städtischen Wirtschaftsförderung würde rundum positiv ausfallen, wäre da nicht die Entwicklung bei Siemens. Von Matthias Dahmer 

Felix Schwenke, der gestern im Vorgriff auf sein künftiges Aufgabenfeld Oberbürgermeister Horst Schneider vertritt, beschreibt die positive Entwicklung wie folgt: Erstmals sei zu beobachten, dass um angebotene Gewerbeflächen konkurriert werde. Aus der Tatsache, dass es für manche Areale mehr Interessenten gebe, könne man Qualität generieren. Erheblichen Anteil an dieser Entwicklung habe der Masterplan, der einer seiner Arbeitsschwerpunkte als zuständiger Dezernent sein werde, erklärte Schwenke.

Jürgen Amberger, Leiter der Wirtschaftsförderung, kann da nur zustimmen. 2600 Exemplare des Masterplans hat sein Amt Ende 2016 an Makler, Investoren und Projektentwickler verschickt. Bei den Immobilien-Messen, auf denen Offenbach vertreten war, habe man sich vor Gesprächen mit Interessenten kaum retten können. Besonders hervorheben kann Amberger dabei das künftige „Quartier 4.0“ auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs. Eine mit einem Luftbild des Areals unterlegte Werbung ziert denn auch die Frontseite des Jahresberichts.

Infolge der Werbe-Offensive für den Standort Offenbach haben fünf Investoren angebissen und Grundstücke erworben. Zwei davon kann Amberger schon öffentlich nennen: So baut der Projektentwickler Becken aus Hamburg ab Frühjahr 2018 an der Berliner Straße gegenüber der ehemaligen KWU-Hochhäusern ein Verwaltungsgebäude für die Axa-Versicherung. Die residiert derzeit mit 200 Mitarbeitern im Haus der Wirtschaft, nach dem Umzug sollen am Kaiserlei rund 500 Axa-Leute arbeiten. Der zweite dicke Fisch ist eine Standortsicherung: Die Helaba baut – wie bereits berichtet – ebenfalls am Kaiserlei ein von ihr erworbenes Verwaltungsgebäude hochwertig um. Auch hier soll es 2018 losgehen.

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Bei den Neuansiedlungen hebt Amberger Evonik hervor. Das Unternehmen der Spezialchemie hat sein Rechnungswesen und damit rund 300 Arbeitsplätze an den Offenbacher Kaiserlei verlegt. Als weitere wichtige Ansiedlungen nennt der Chef der Wirtschaftsförderung die Deutschlandzentrale von Levi’s in der Heynefabrik (60 Mitarbeiter), TK Maxx in der Fußgängerzone (65), die EW Medien und Kongress GmbH die mit dem VDE-Verlag an den Kaiserlei zieht (50), Decathlon im Ringcenter (20) und Alnatura im Hafen (10).

Mit Blick auf die Innenstadt ist Amberger froh, dass die City-Passage endlich abgerissen wird, unter deren Leerstand insbesondere die Qualität der umliegenden Geschäfte gelitten habe. Durch das neue Rathaus-Center verspricht sich Amberger eine Anhebung des Niveaus und mehr Aufenthaltsqualität. Angesichts der zunehmenden Konkurrenz durch den Internethandel hält es der Wirtschaftsförderer für erforderlich, dass der stationäre Handel mehr das „Erlebnis des Einkaufs“ in den Vordergrund stellt.

Masterplan: Zehn Maßnahmenpakete

Zur Bewältigung des Strukturwandels im Einzelhandel soll angelehnt an den Masterplan ab 2018 zusammen mit dem IHK-Verein Offenbach offensiv ein „Zukunftskonzept Innenstadt“ erstellt werden. Dieses Konzept gehört neben den genannten fünf großen Projekten von Investoren sowie den Planungen für das Clariantgelände zu den drei Schwerpunkten der wirtschaftlichen Entwicklung Offenbachs 2018. Wermutstropfen ist für die Wirtschaftsförderung der drohende Verlust von rund 700 Arbeitsplätzen bei Siemens. Daher könne der Ausblick nicht ausschließlich positiv ausfallen, so Amberger. Zumal es bislang keine Signale gebe, ob der Protest gegen die Standortschließung Wirkung zeige, ergänzt Felix Schwenke.

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