Mathildenplatzfest

Aus wenig Geld viel gemacht

Wer könnte dieser charmant-schmackhaften Einladung widerstehen? Bunt war das Angebot beim Mathildenplatzfest. - Foto: Georg

Offenbach - Quartiersmanager Marcus Schenk fürchtete, zum Mathildenplatzfest könnten weit weniger Leute als üblich erscheinen. Wegen paralleler Schulfeste meldeten sich keine Kindergruppen zu Vorführungen an. Folge: Eltern, Geschwister, Opas und Omas bleiben weg. Von Stefan Mangold 

Zudem stecken viele Kinder aus dem Viertel ein paar Meter weiter auf der anderen Seite der Berliner Straße. In der Mathildenschule lässt Peter Schulz vom Kinder-, Jugend- und Kulturzentrum an der Sandgasse als Teil des Festes ein Fußballturnier von 13 Mannschaften mit je fünf Kindern austragen.

Kurz nach dem Startschuss muss sich Schenk aber keine Sorgen machen. Der Platz ist voll wie immer. Das Fest kann als Sinnbild für das viel zitierte Motto der Stadt herhalten: „Aus wenig viel machen.“ Die Kosten beliefen sich auf läppische 300 Euro.

Alle Musiker treten ohne Gage auf. Für den Aufbau der Bühne wären 1000 Euro angefallen, doch fand sich ein Mäzen, der anonym bleiben will. „Sonst wäre es ohne Bühne gegangen“, betont Schenk. Dann hätten die Frauen der Folkloregruppe aus Höchst ihre Tänze in wechselnden Kleidern ebenerdig zeigen müssen. Die Mexikanerinnen erscheinen zum ersten Mal beim Mathildenplatzfest.

Abbauen von Vorurteilen

Premiere hat auch die Lotus-Initiative, die sich im Oktober 2013 gründete, eine Gruppe von im Moment neun türkisch-muslimischen Frauen. Wobei weder Geschlecht, Nation noch Glaube Kriterien für die Mitgliedschaft sind. Die Gruppe schreibt neben dem kulturellen Austausch vor allem Bildung auf ihre Fahne. Pädagogin Nida Sahin-Okur (31), die an der Leibnizschule ihr Abitur ablegte, erzählt von einem Seminar für Eltern, das sich mit Medienerziehung beschäftigte. Es sei fatal, das Kind vor den Fernseher zu setzen, um in Ruhe Kaffee trinken zu können.

Sonst trete Lotus dafür ein, Kulturen und Religionen miteinander ins Gespräch zu bringen, um Vorurteile abzubauen. So assoziierten viele seit den Anschlägen von 2001 den Islam mit Terrorismus. Umgekehrt neigten Moslems dazu, bestimmte Verhaltensweisen persönlich zu nehmen. Unhöflichkeit müsse nicht zwangsläufig daher rühren, dass jemand ein Kopftuch trägt. „Solche Leute verhalten sich meist generell daneben“, spricht Nida Sahin-Okur aus Erfahrung.

Mit Pierre Vogel, prominenter Vertreter der orthodoxen Salafiyya-Bewegung, der in Offenbach wieder predigen soll, will die Muslimin nicht in einen Topf geschmissen werden: „Wir treten für Toleranz und Empathie ein. Vogel steht fürs Gegenteil.“

Bilder vom Bieberer Markt

Bieberer Markt 2014

Seit 2003 gibt es das Mathildenplatzfest. Seitdem verkauft der bengalische Kulturverein Binodon Bangla kulinarische Spezialitäten an seinem Stand. Da war Utsho Khan als Kind dabei. Jetzt wartet der 19-Jährige auf die Übergabe des Abiturzeugnisses der Leibnizschule. Ab Oktober will er Maschinenbau studieren. Im Stadtteilbüro nahm der junge Mann über Jahre am Unterricht in Bengalisch teil. Jährlich verbringt er mehrere Wochen im Herkunftsland seiner Eltern. Utsho empfindet es als Vorteil, sich in zwei Welten zu bewegen, „die füreinander unvorstellbar sind“.

Aus den Mieten von Vereinen und Initiativen für das Stadtteilbüro finanziert sich das Fest, das die bulgarische Gruppe in ihren Landestrachten optisch dominiert. Vor der Tanzeinlage, die über den ganzen Platz führt, kann sich Felix Schwenke nicht drücken. Und siehe da: Der Dezernent für Ordnung und Bildung hält sich wacker.

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