Mathildenschule

Es klemmt an allen Ecken

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Etwas beengt, aber auf den ersten Blick ein normales Klassenzimmer. Tatsächlich können im Raum der Klasse 3b zwei der drei Fenster nicht geöffnet werden. Teils wurden sie mit dem Rahmen verschraubt (rechts), oder es klafft ein Spalt zwischen Fenster und Wand (mittleres Fenster, rechts oben)

Offenbach - Oliver Schröder öffnet eine Tür des Haupteingangs. Mit einem grässlichen Quietschen verkeilt sie sich im Fußboden. Von Matthias Dahmer

Schon zur Begrüßung kann der Leiter der Mathildenschule unfreiwillig eindrucksvoll demonstrieren, worum es in der nächsten Stunde gehen wird. Um den Zustand einer Offenbacher Bildungseinrichtung, in der eigentlich längst die fälligen Sanierungsarbeiten laufen sollten. In der Mathildenschule ist gestern Vormittag Auftakt zu einer bislang beispiellosen Aktion der Interessengemeinschaft Offenbacher Schulleiter und des Stadtelternbeirats: Weil die zum Sparen gezwungene Pleitestadt Offenbach ihr Schulsanierungsprogramm nicht mehr wie geplant fortführen kann, haben sich die Pädagogen mit einem Appell direkt an die Entscheidungsträger auf Landesebene gewandt. Die öffentlichkeitswirksame Beschreibung der unhaltbaren Zustände in einzelnen Schulen wird noch bis Donnerstag fortgesetzt.

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Eine brenzlige Situation

Gestern also die Mathildenschule. Die Immobilie in der östlichen Innenstadt ist zwar erst 1978 eingeweiht worden, für die Ewigkeit hat man sie aber offenbar nicht errichtet. Sie steht an gleicher Stelle wie der 1976 abgerissene Altbau. Und wie diesem macht dem neuen Gebäude mittlerweile auch der sich setzende Untergrund aus Rupelton zu schaffen. Was Rektor Schröder beschreibt und wenig später beim Rundgang zeigen kann, kommt einer glatten Fünf für die Bildungspolitik gleich: Weil sich das Fundament verschoben hat, lassen sich zahlreiche Fenster des Gebäudes nicht mehr öffnen. „Sie mussten vernagelt oder verschraubt werden, damit sie nicht samt Rahmen herausfallen“, sagt Schröder. Einige Fenster bestehen zwecks Gewichtsersparnis aus kaum durchsichtigem Plexiglas, an anderen klaffen große Spalten zwischen Rahmen und Fassade, der Blick durch diese Risse nach draußen gelingt mühelos. Hinzu kommen als weitere Beispiele für den maroden Zustand, dass ein nur unzureichendes Lüftungssystem verbaut wurde und die Dämmung zu wünschen übrig lässt.

Weil sich der Boden gesenkt hat, sind überall Risse im Mauerwerk entstanden.

Was das für den täglichen Unterricht bedeutet, liegt auf der Hand: Es zieht permanent, im Winter ist es zu kalt, im Sommer zu heiß. Mehr als 28 Grad hat Hausmeisterin Grazyna Urbanski in diesem Jahr mehrfach schon vor Schulbeginn in einigen der unterm Dach liegenden Klassenräume gemessen. Zum Sanierungsbedarf kommt die Platznot. „Uns fehlen 700 Quadratmeter Nettofläche“, rechnet Schulleiter Schröder vor. Das seien mindestens drei Klassenzimmer sowie acht weitere Räume, um die erforderlichen Förderkurse oder inklusives Arbeiten zu ermöglichen. Wie alle Innenstadtschulen hat die Mathildenschule einen erhöhten Förderbedarf. Weil’s so beengt ist, finden manche Kurse ebenso wie Elterngespräche zum Teil in der Pausenhalle statt.

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Auch die Lehrer leiden unter dem Raummangel. Das Lehrerzimmer ist eigentlich ein Klassenzimmer, bietet Platz für 25 Leute. Tatsächlich zählt das Kollegium 65 Köpfe, mit Erzieherinnen und Sonderpädagogen kommt man auf 90 Personen. „Unsere Konferenzen halten wir in der Cafeteria ab“, berichtet der Rektor. Wie eine Erweiterung der von dichter Wohnbebauung umgebenenen Mathildenschule gelingen soll, ist unklar. Sicher ist: Es wird eine Herausforderung für den Architekten. Auf 8,9 Millionen Euro wurden die Sanierungskosten zu Beginn der Planungen vor einigen Jahren beziffert. Derzeit rechnet man aufgrund gestiegener Preise schon mit elf Millionen. „Aber wahrscheinlich ist das noch zu wenig“, befürchtet Schulleiter Schröder.

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