Rot ist die Hoffnung

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Mehr als nur Studentenwohnungen. Die neue Nutzung der ehemaligen Hartnackschule in der Hermann-Steinhäuser-Straße wurde gestern von den zahlreichen Gästen auch als weiterer Schritt zur Aufwertung des Mathildenviertels gefeiert.

Offenbach ‐ Von wegen Studentenbude. Helle, nagelneue Zimmer mit kabellosem Internetanschluss, dazu eine voll ausgestattete Gemeinschaftsküche mit Mikrowelle, Staubsauger, Spül- und Waschmaschine sowie eine begrünte Dachterrasse. Von Matthias Dahmer

Die Herberge für Studierende der Frankfurt School of Finance, die gestern mit großem Bahnhof im Offenbacher Mathildenviertel ihrer Bestimmung übergeben wurde, gehört zu den Logiermöglichkeiten der gehobenen Kategorie.

Im Gebäude der ehemaligen Hartnackschule an der Ecke Hermann-Steinhäuser- Straße/Karlstraße sind unter der Regie der Gemeinnützigen Baugesellschaft Offenbach (GBO) in sechsmonatiger Bauzeit auf drei Stockwerken zwölf Wohnungen für 66 Studenten entstanden. Die Frankfurter Eliteschule der Finanzwirtschaft hat die Immobilie mit ihren 1 614 Quadratmetern Wohnfläche für die nächsten fünf Jahre als so genanntes Boardinghouse gemietet und organisiert auch die Belegung.

Wirtschaftsakademiker sollen Viertel aufwerten

Bereits im Oktober des vergangenen Jahres waren Studenten der Finanzhochschule ins Haus gegenüber (Hermann-Steinhäuser-Straße 1) eingezogen. Die GBO hatte dort acht Wohnungen mit 27 Zimmern eingerichtet. Insgesamt wohnen nun 120 Studenten und damit zehn Prozent der Studierenden an der School of Finance im Mathildenviertel.

Der gesteuerte Zuzug der künftigen Wirtschaftsakademiker ist mit der Hoffnung befrachtet, dass sie das Problemquartier Östliche Innenstadt weiter aufwerten. So erkennt Oberbürgermeister Horst Schneider denn auch in seiner Rede zur Eröffnung vor mehr als 100 Gästen „unübersehbare Fortschritte“ im Bemühen um eine Änderung der Bevölkerungsstruktur.

Dazu gehört auch, so Schneider, dass Private wieder an das Viertel glauben und investieren. Das Stadtoberhaupt erinnert daran, dass über das Programm Hessische Gemeinschaftsinitiative Soziale Stadt (Hegiss) seit dem Jahr 2000 rund acht Millionen Euro ins Mathildenviertel gepumpt wurden.

Bäckerei Cavus in ehemaliger Kneipe

GBO-Geschäftsführer Winfried Männche beziffert die Investitionskosten auf insgesamt knapp 5,4 Millionen Euro. Vom Land gab’s einen Zuschuss von 1,6 Millionen, über das Hegiss-Programm kamen nochmal 750 000 Euro dazu. Die Fassade, in einem auffälligen, aber durchaus ansehnlichen warmen Rot gehalten, wird nach Anbruch der Dunkelheit illuminiert.

Umgebaut wird auch ein angrenzender Flachbau, in dem sich einst eine Kneipe befand. Dort zieht im Januar auf 450 Quadratmetern die Bäckerei Cavus ein, die als Nachtbäckerei in der benachbarten Sandgasse in der Szene um die Hochschule für Gestaltung fast schon Kultstatus erlangt hat.

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