Von Müllermittlern und Autowracks

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Zivilfahnder beispielsweise sind in den vergangenen Wochen besagten Bulgaren-Bussen bis zu den Arbeitsstätten der vermeintlich selbständigen Arbeitsimmigranten gefolgt.

Offenbach ‐ Tage, an denen ihr das neue Problem des seit jeher alles andere als problemlosen Offenbacher Mathildenviertels nicht begegnet, hat die Frau seit Wochen nicht erlebt. Von Marcus Reinsch

Wochenends, schildert sie, bestehe diese Großfamilie, die bei ihr ins Hinterhaus eingezogen ist, plötzlich aus „20 bis 60“ Personen und hantiere mit Werkzeug und Öl an ungezählten Autos und Mofas. Und montags bis freitags, wenn sie durch die Dunkelheit früher Herbstmorgen zur S-Bahn laufe, müsse sie an der Ecke Austraße und Hermann-Steinhäuser-Straße an „massenweise von diesen Arbeitnehmern“ vorbei. So ein Pulk unheimlicher Gestalten, der dann von VW-Bussen abgeholt werde, der könne schon durch seine pure Existenz Angst einjagen.

Am Abend, an dem die Dame diese Sorgen zu Protokoll gibt, klingt das sonst eher mit der Hoffnung auf Aufschwung besetzte Wort Arbeitnehmer grundsätzlich wie Schwarzarbeiter. Und angesichts der Begleiterscheinungen, die mit den mittlerweile unüberschaubar vielen Rumänen und vor allem Bulgaren in Offenbachs östlicher Innenstadt aufgetaucht sind, winkt bei diesem Verdacht auch weder Oberbürgermeister Horst Schneider noch Ordnungsamtschef Peter Weigand noch Georg Grebner als Leiter des 1. Polizeireviers am Mathildenplatz pauschal ab.

Verzwickter Immobilien annehmen

Fakt ist zwar erstmal: Gefühlslage und Gesetzeslage lassen sich nicht unbedingt auf einen gemeinsamen Nenner bringen; die Südosteuropäer dürfen hier im Zuge der EU-Freizügigkeit durchaus ein Gewerbe anmelden und ihre Dienste anbieten. Doch die Berichte, die vor allem alteingesessene Mathildenviertel-Bewohner beim jüngsten „OB vor Ort“-Termin im Mariensaal an der Krafftstraße ablieferten, empfehlen allemal Misstrauen.

Das herrscht auch. Zivilfahnder beispielsweise sind in den vergangenen Wochen besagten Bulgaren-Bussen bis zu den Arbeitsstätten der vermeintlich selbständigen Arbeitsimmigranten gefolgt. Denkbar, dass die Baustellen bald ungebetenen Besuch vom Zoll bekommen. Denkbar auch, dass künftig immer mal ein Streifenwagen an der Ecke Austraße und Hermann-Steinhäuser-Straße stehen wird, um festzustellen, welcher mutmaßliche Unternehmer ein tatsächlicher ist.

Und nicht nur denkbar, sondern vom OB vor Ort fest versprochen: Die Behörden sollen sich verstärkt einiger vom baulichen Zustand her verzwickter Immobilien annehmen, die den Neubürgern als Unterkunft dienen. Allein: „Da können wir keine schnellen Erfolge versprechen, das ist ein ganz schwieriges Ding“, sagte Schneider.

Viele illegale Autowracks

Als schärfstes Schwert dürfte sich noch die Bauaufsicht erweisen, falls etwa in der Hermann-Steinhäuser-Straße 17 auch nur annähernd die Zustände herrschen, wie sie von Nachbarn und seit Wochen auch von der Bürgerinitiative Östliche Innenstadt beklagt werden: Ein Raum, manchmal auch nur ein Bett, würde an sieben, acht Bulgaren vermietet, „alle Zimmer sind völlig überbelegt, es gibt lange Gänge zum einzigen Treppenhaus. Wenn es da brennt, können die Leute nur noch aus dem Fenster springen oder verbrennen.“

Die Rede ist also nicht alleine von „Unordnungserscheinungen“, schwer überprüfbaren, weil „ständig wechselnden Bewohnern“ (Ordnungsamtschef Weigand), fast täglich notwendigen Besuchen der städtischen Müllermittler und vielen illegalen Autowracks. Gefährlich scheint vor allem, dass es laut Quartiersmanager Marcus Schenk außer „übervölkerten Häusern und Wohnungen“ mittlerweile auch Obdachlose im Viertel gibt. Jetzt im Winter bestehe für sie „akute Lebensgefahr“.

Als ähnlich unlösbar hat sich bereits das Problem mit den Kindern der Zuwanderer herausgestellt. Sie können in der Regel kein Wort Deutsch; es gibt Berichte von Zehnjährigen, die noch nie eine Schule besucht haben. Aber in den Unterricht integriert werden sollen sie.

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