Wohnungen im Mathildenviertel

Mit Studenten Wandel schaffen

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In den ziegelroten Neubau an der Arthur-Zitscher-Straße, zu dem ein Hinterhaus gehört, ziehen HfG-Studenten ein.

Offenbach - Im Mathildenviertel ist weiterer Wohnraum für Studenten geschaffen worden. Gestern weihte die Gemeinnützige Baugesellschaft Offenbach (GBO) einen Neubau an der Arthur-Zitscher-Straße 6 ein. Von Matthias Dahmer

In das Gebäude mit insgesamt 21 Zimmern in sieben Wohnungen sollen Studenten der Hochschule für Gestaltung einziehen. Die Immobilie, bestehend aus Vorder- und Hinterhaus, wurde für insgesamt 1,85 Millionen Euro in eine 576 Quadratmeter große Baulücke zwischen Zitscher-Straße und Schulhof der Mathildenschule gesetzt. Es ist nach zwei Objekten an der Hermann-Steinhäuser-Straße das dritte Studentenhaus, das die GBO im Auftrag der Stadt errichtet hat.

GBO-Chef Winfried Männche und Oberbürgermeister Horst Schneider hoben denn gestern auch die Bedeutung des Neubaus für den Wandel im Problemquartier Mathilviertel hervor, das „in den letzten Jahren eine deutliche Aufwertung hinsichtlich der Bewohner- und Angebotsstruktur erfahren hat“, wie Schneider sagte.

Finanziell gefördert

Finanziell gefördert wurde das Bauprojekt mit 300.000 Euro aus der mittlerweile weggefallenen städtischen Fehlbelegungsabgabe sowie mit 578.000 Euro vom Land Hessen. GBO-Geschäftsführer Männche wies auf den Modellcharakter der Landesförderung hin: Das Geld stamme aus dem Topf für den sozialen Wohnungsbau, sei aber zweckgebunden für Studentenwohnungen nach Offenbach geflossen.

Zugreifen im neuen Objekt dürfen zuerst Studenten der Hochschule für Gestaltung. Für eine Monatsmiete von 300 Euro inklusive Betriebskosten und Internet gibt es ein etwa 15 Quadratmeter großes, mit Bett, Arbeitsplatz, Schrank und Regal möbliertes Zimmer in einer der sieben Wohnungen.

Die sind zwischen 74 und 81 Quadratmeter groß und verfügen über insgesamt drei Zimmer sowie Wohnküche, Duschbad, zusätzliches WC und Balkon. Im Vorderhaus gibt es auf vier Etagen vier Wohnungen, im Hinterhaus, einem zweigeschossigen Flachbau, liegen drei Maisonette-Wohnungen mit Pkw- und Fahrradstellplätzen im Erdgeschoss.

Seit 2006 wurden zirka 200 Wohnungen für Studenten im Mathildenviertel geschaffen, ein Großteil davon unter Federführung oder auf Vermittlung der GBO. Darunter sind zwei sogenannte Boardinghäuser an der Hermann-Steinhäuser-Straße für Studenten der Frankfurt School of Finance & Management.

Bewohnerstruktur im Viertel

Um die Bewohnerstruktur im Viertel zu verändern, setzt die GBO nicht nur auf Studentenwohnungen. Im Hochhaus Hermann-Steinhäuser-Straße 17, einer Problemimmobilie, hat die städtische Gesellschaft mittlerweile vier Wohnungen gekauft; eine davon, berichtet Männche, sei nach Modernisierung bereits vermietet. Mit den Zukäufen will die GBO unter anderem Einblicke in das komplizierte Geflecht aus Eigentums- und Besitzverhältnissen in dem Hochhaus bekommen. Das Konzept des schrittweisen Einstiegs in sozial auffällige Wohnobjekte zwecks Änderung der Bewohnerstruktur verfolgt die GBO seit längerem schon erfolgreich im Hochhaus an der Neusalzer Straße.

Peter Ambros, seit Jahren Motor der Bürgerinitiative östliche Innenstadt, der sich wie kaum ein anderer im Viertel auskennt, kann bestätigen, dass es – wenn auch langsam – voran geht. Es gebe keine Baulücken mehr, die Ansiedlung von Studenten sei ein Schritt in die richtige Richtung.

Mit Sorge blickt der heimliche Bürgermeister des Mathildenviertels nach wie vor auf den Zuzug von Wirtschaftsmigranten aus Südosteuropa. Die Männer, oft in völlig überbelegten Wohnungen hausend, prägten an so manchen Tagen immer noch das Straßenbild. Das werde bestimmt nicht besser, befürchtet Ambros, wenn am 1. Januar 2014 die Zugangsbeschränkungen für Rumänen und Bulgaren zum EU-weiten Arbeitsmarkt fallen.

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