Mathildenviertel: Ruhestörung überall

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Keine gute Adresse? Gäste des Württemberger Hofs sorgen wohl öfter für Ärger.

Offenbach - Es geht um den „Württemberger Hof“ an der Hermann-Steinhäuser-Straße. Ein Name, der ambitionierte Küche verspricht. Anwohnern fällt die Gastwirtschaft jedoch vielmehr als Quell von Ruhestörung auf denn als Gourmetrestaurant. Von Stefan Mangold

Um drei Uhr morgens hätten vor kurzem Gäste das Lokal verlassen, um sich einen lautstarken Faustkampf zu liefern. „Ich bekomme manchmal finstere Fantasien“, gesteht ein Besucher im Gründerzentrum Ostpol am anderen Ende der Hermann-Steinhäuser-Straße. Von diesen erfährt Oberbürgermeister Horst Schneider auf seiner Tour durch die Stadtviertel mit dem Titel „Der OB vor Ort“. Diesmal macht er im Mathildenviertel Station. Die Sitzplätze reichen nicht. Manche müssen stehen.

Schneider lässt Peter Weigand sprechen, den Chef des Ordnungsamtes. Weigand bedauert, dem Wirt nicht mehr mit dem Entzug der Konzession drohen zu können. Ein neues Gesetz der hessischen Landesregierung binde der Stadt die Hände. Sowie sich die Gäste „draußen in den fließenden Verkehr begeben“, liege deren Benehmen außerhalb der Verantwortung des Pächters. Falls die Stadtpolizei jedoch zum zweiten Mal wegen Lärms aus der Wirtschaft selbst vorbeischaue, „können wir den Einsatz in Rechnung stellen“.

Finanzielle Situation Offenbachs ist finster

Den Abend beginnt der OB mit dem Negativen: Die finanzielle Situation Offenbachs ist finster. Ein Zuhörer will wissen, „ob Sie einen Plan haben, wie sich das ändern soll“. Schneider antwortet: „Wer behauptet, einen solchen in der Schublade zu haben, redet unseriös.“ Es könne keinen Plan geben, was man noch einsparen könne. „Eine Stadt wie Darmstadt hat noch nicht mal angefangen zu sanieren.“ Offenbach hingegen habe „99 Prozent seiner Sparmöglichkeiten ausgeschöpft“.

Der OB kritisiert die „institutionelle Verfasstheit“ in Hessen. Durch ihre niedrige Gewerbesteuer habe eine Kommune wie Eschborn unvergleichlich höhere Einnahmen als Offenbach. „Wir müssen aber für die Infrastruktur von 120.000 Einwohnern sorgen, Eschborn ist ein Kaff.“ Dessen Einnahmen gehörten nach Frankfurt und Offenbach. Was die Entwicklung der eigenen Stadt betrifft, sei er sehr zufrieden. Hyundai Deutschland zieht von Neckarsulm nach Offenbach (wir berichteten). Trotz des Fluglärms steige die Nachfrage an Wohnungen und Häusern. Der Krach der Flieger ist ebenfalls Thema. Die Nordwestbahn werde man nicht mehr wegbekommen. „Den Millionären am Frankfurter Lerchesberg fehlte im vergangenen Jahrzehnt die Fantasie“, sagt Schneider. „Hätten sie sich wie Offenbach gegen den Ausbau gewehrt, gäbe es keine neue Bahn. Da bin ich sicher.“ Es ginge nun vor allem darum, das Nachtflugverbot von 22 Uhr auf 6 Uhr auszubauen.

„Die wollen Maut sparen“

Ein weiteres Thema ist der Schwerlastverkehr, der nachts von Hanau aus durch Offenbach in Richtung Frankfurt donnert. „Die wollen Maut sparen“, sagt Schneider. Am besten wäre es, Hanau sperre den Durchgang. „Wir sind in Verhandlungen.“ Ein Bürger schlägt vor, auch auf der Mainstraße Tempo 30 in der Nacht einzuführen, „damit die wenigstens 50 statt 80 fahren“. Darmstadt habe in einer Studie an der dicht befahrenen Heinrichstraße festgestellt, dass die Lautstärke von 68 auf 42 Dezibel runter ging. Anfangs ist Schneider skeptisch, verspricht aber nach der Nennung der Zahlen, sich der Sache zu widmen.

Andere beschweren sich über Südosteuropäer vor der Gaststätte Joker an der Bieberer Straße. Der Gehweg sei oft „dermaßen von Gruppen gefüllt, dass niemand vorbeikommt“. Der OB erhofft natürliche Abhilfe, „wenn die Brache gegenüber bebaut ist“. Die Stadt verhandle „mit einem seriösen Investor“.

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