Ehemaliger Fabrikstandort

Mato-Gelände: Abriss für Eigenheime

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Das denkmalgeschützte Gebäude am Eingang der ehemaligen Mato-Fabrik an der Bieberer Straße bleibt stehen. Auf dem Rest dieses großen Gelände entstehen 30 Reihen- beziehungsweise Doppelhäuser und 35 Wohnungen.

Offenbach - Fast 70 Jahre wurde dort Offenbacher Industriegeschichte geschrieben. Danach fanden auf dem Areal für zwei Jahrzehnte Künstler eine Heimat. Jetzt blickt das Mato-Gelände an der Bieberer Straße einer neuen Bestimmung entgegen. Von Matthias Dahmer 

Unübersehbare Abrissarbeiten auf der 11.500 Quadratmeter großen Fläche künden von Veränderung: Das Wiesbadener Unternehmen Traumhaus investiert insgesamt fast 20 Millionen Euro und will dort 30 Reihen- beziehungsweise Doppelhäuser sowie 35 Wohnungen in zwei Mehrfamilienhäusern bauen. Der Bauantrag ist gestellt, Start soll im Frühjahr 2016 sein, als Bauzeit sind zwölf Monate geplant, sagt Wolfgang Fuchs, bei Traumhaus für Projektentwicklung und Vertrieb zuständig. Die Vermarktung beginnt bereits im nächsten Monat.

Dem Lageplan ist zu entnehmen, dass im Innern des Areals sowie entlang der ehemaligen Industriebahntrasse und an der Leibnizstraße Reihen- und Doppelhäuser entstehen. An der Bieberer Straße bleibt das denkmalgeschützte Eingangsgebäude stehen. Mehrfamilienhäuser sind zum einen ebenfalls an der Bieberer und zum anderen um die Ecke an der Leibnizstraße geplant. Offenbach ist für den Investor kein unbekanntes Terrain. „Traumhäuser“ stehen bereits am Ortseingang Biebers (Am Aussichtsturm), an der Marienstraße am Bahndamm sowie an der Richard-Wagner-Straße im Lauterborn. Offenbach habe sich als attraktiver Wohnstandort mit guter Infrastruktur entwickelt, findet Fuchs.

Erworben haben die Wiesbadener die Parzellen von dem Ende der 80er-Jahre nach Mühlheim umgezogenen Metallwarenunternehmen Mato, das dem Gelände seinen Namen gab. Die Geschichte des Industrieareals reicht indes noch länger zurück: In den Jahren 1922/23 errichtete die Zelluloidwarenfabrik Schmetzer zusammen mit dem Architekten Philipp Hufnagel an der Kreuzung von Bieberer Straße und Industriebahn einen neuen Firmenkomplex. Realisiert wurde allerdings nur ein erster Bauabschnitt mit kleinem Verwaltungs- und Wohngebäude, in welchem sich über der Durchfahrt das Musterzimmer befand, sowie ein rückwärtiger Fabrikbau mit Nebengebäude.

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

In den Jahren der Weltwirtschaftskrise erwarb die Firma Curt Matthaei (Markenname: Mato) die Anlage und passte sie ihrer Produktion von gestanzten Metallriemenverbindungen an. Dazu kam bald die Herstellung von Förderanlagen, Transportgeräten und Apparaten wie zum Beispiel Knipszangen für Schaffner oder Fettpressen.

Ab 1994 entdeckten nach und nach Künstler den Charme der Industriebauten an der Bieberer Straße 215-217 für sich und bezogen Ateliers. Es entstand eine Art Künstlerkolonie. 20 Jahre lang wurden die Mietverträge Jahr um Jahr verlängert. 2002 präsentierten sich erstmals 23 bildende Künstler, 2003 gründeten 17 von ihnen die Galerie Kunst-Raum Mato deren Ausstellungsraum im Zentrum der Fabrik lag. Im Frühjahr 2014 mussten die Kunstschaffenden das Gelände dann wegen des geplanten Verkaufs räumen.

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