Medizin als Verbrechen

Offenbach - (ddü) „Ärztliche Verordnungen werde ich treffen zum Nutzen der Kranken, hüten aber werde ich mich davor, sie zum Schaden und in unrechter Weise anzuwenden.“ Der hippokratische Eid - die ethische Grundregel für alle Mediziner - haben im Dritten Reich viele Ärzte mit Füßen getreten.

Sie ließen sich missbrauchen für eine menschenverachtende Ideologie der Volksgesundheit, für die wahnwitzige Idee einer Gesellschaft, in der Behinderte und Kranke keinen Platz haben. Auch in Offenbach fielen zahlreiche Menschen, die als schwachsinnig oder erbkrank bezeichnet wurden, der Euthanasie zum Opfer.

Mindestens 80 Offenbacher wurden in Hadamar ermordet. Außerdem ordnete ein „Erbgesundheitsgericht“ mehr als 1 000 Zwangssterilisationen an, 120 der Urteile wurden im Stadtkrankenhaus vollstreckt. Die Offenbacher Geschichtswerkstatt will an das Unrecht mit einer Gedenkstele in der Lobby des Rebentisch-Zentrums erinnern. Bildhauer Michael Schneider hat einen Entwurf gefertigt. Im Original soll das Denkmal knapp zwei Meter hoch und 60 Zentimeter breit werden. Der mattschwarze Granitblock wird auf der einen Seite glatt geschliffen, auf der anderen Seite aufgeraut. Der Text der Inschrift reißt jeweils an der diagonal verlaufenden Bruchkante jäh ab und wird in der Zeile darunter fortgeführt. „Das zentrale Motiv ist für mich der Riss im Leben - die gewaltsame Unterbrechung“, sagt Schneider, der bereits den Gedenkstein für die Zwangsarbeiter auf dem Neuen Friedhof gefertigt hat.

Damit die Idee nun umgesetzt werden kann, wirbt die Geschichtswerkstatt um Spenden - insgesamt kostet die Gedenkstele rund 7 500 Euro. Die Stiftung Psychiatrie und das Klinikum haben bereits jeweils 1500 Euro zur Verfügung gestellt, der Rest soll jetzt bei Unternehmen, Vereinen und Privatleuten eingesammelt werden.

„Wir freuen uns über jede Spende und sei sie noch so gering“, sagt Barbara Leissing von der Geschichtswerkstatt. „Je mehr Leute sich beteiligen, desto mehr wird die Stele zum Statement aller Offenbacher.“

Ein Spendenkonto wurde eingerichtet bei der Städtische Sparkasse Offenbach, BLZ 505 500 20, Konto-Nr: 390 1661, Stichwort: Gedenkstein

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