Offenbacher Chefarzt kritisiert aktuelle Debatte

Mediziner lehnt aktive Sterbehilfe ab

+

Offenbach - Dr. Stephan Sahm, Chefarzt am Ketteler Krankenhaus in Offenbach, kritisiert die Diskussion um eine gesetzliche Regelung zur Suizidbeihilfe. Von Peter Schulte-Holtey

Lesen Sie zu diesem Thema auch:

Kommentar zur Sterbehilfe

Interview mit Dr. Stephan Sahm

„Derzeit sind diejenigen in den Medien präsent, die den Lebensschutz aufweichen wollen“, sagt er im Interview mit unserer Zeitung. „Wer Suizidhilfe anbietet, treibt Menschen in der Krise zum dann nur fälschlich als Freitod bezeichneten Suizid“, sagt er mit Blick auf Vorschläge aus den Reihen der Politik. So will SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach einen Gesetzentwurf auf den Weg bringen, der Ärzten in Deutschland die Beihilfe zum Suizid erlaubt. Er hält ein striktes Verbot der Sterbehilfe für nicht zeitgemäß. Der Mediziner Sahm wünscht sich bei der für Herbst geplanten Reform eine offene Diskussion im Bundestag: „Sie wird hoffentlich auch die Erkenntnisse der Suizidforschung berücksichtigen. Die sind bisher überhaupt nicht bekannt.“

Der Vorstand der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, warnt unterdessen davor, „Suizidbeihilfe zum Regelangebot des Arztes“ zu machen: „Damit hätten wir den zertifizierten Mediziner für Selbsttötung. Das kann nicht die Vision der Ärzte in Deutschland sein.“ Brysch meint, dass trotz bester Erfahrung in der Palliativmedizin, der „allergrößte Teil der jährlich 870.000 Sterbenden von einer umfassenden Versorgung ausgeschlossen ist“. Die Diskussion wird jetzt durch einen Vorstoß von Hochschulprofessoren befeuert. Sie haben vorgeschlagen, die Straffreiheit für ärztliche Beihilfe zum Suizid bei schwerstkranken Patienten gesetzlich zu verankern. Die Mediziner und Ethiker legten einen entsprechenden Gesetzentwurf vor.

Gesundheitstage am Klinikum

Gesundheitstage am Klinikum

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare