Künftig nur noch zwei Zentralen im Kreis?

Medizinische Notdienste ausgedünnt

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Offenbach - Pläne der Kassenärztlichen Vereinigung zur Umstrukturierung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes in Hessen beunruhigen die Mediziner im Kreis Offenbach. Nach Informationen unserer Zeitung sollen ab 2015 nur noch zwei Notdienstzentralen erhalten bleiben. Von Fabian El Cheikh 

Erneut sorgen Pläne der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen, den ärztlichen Bereitschaftsdienst räumlich zu konzentrieren, für Ärger unter Patienten und Medizinern im Kreis Offenbach. Wie berichtet, plant die KV landesweit eine Reform des Angebots niedergelassener Ärzte, Patienten abends und am Wochenende wohnortnah zu versorgen. Ziel sei es, durch die Schließung von Einrichtungen künftig mehr Hausbesuche anbieten zu können, teilte KV-Sprecherin Petra Bendrich gestern auf Anfrage mit. Für mobile Patienten bedeutet dies allerdings, dass sie mitunter deutlich längere Wege zu einem Arzt in Kauf nehmen müssen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Peter Schulte-Holtey.

Dass ab 1. Oktober nur noch die bereits bestehenden Zentralen an den Asklepioskliniken in Langen und Seligenstadt erhalten bleiben, wollte die Sprecherin nicht bestätigen. „Die finale Struktur steht noch nicht fest. Wir müssen zunächst die Mitgliederversammlungen der Ärzteschaft abwarten“, sagte sie mit Blick auf den zu erwartenden Widerstand in der Region. Der Obmann der Dietzenbacher Ärzte, Reinhold Jerwan, bestätigte jedoch, dass auf einer an die Ärzte verteilten Informationsbroschüre nur noch die beiden Zentralen in Langen und Seligenstadt aufgeführt seien. Demnach würden die Standorte Mühlheim, Neu-Isenburg, Rodgau und Dietzenbach komplett gestrichen. In Hanau sowie in der Stadt Offenbach wird es nach bisherigen Erkenntnissen keine Änderungen geben.

Sparen zulasten der Menschen

Mit scharfen Worten kritisierte Jerwan die Pläne: „Hier wird zulasten der Menschen an der empfindlichsten Stelle des Gesundheitssystems gespart. Und das in einem der am besten entwickelten Staaten der Welt.“ Nach Ansicht von Dr. Jürgen Ries, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Kreis und in Mühlheim, kalkuliere die KV durch die verlängerten Wege mit weniger Patienten und dadurch weniger Kosten. Die Organisation selbst spricht von einer „kostenneutralen“ Reform. Klar ist aber auch, dass durch die Schließung Miet- und Nebenkosten sowie Honorare eingespart werden.

Vor einem Jahr war es zur Fusion der früheren Zentralen in Dietzenbach, Heusenstamm und Obertshausen gekommen. Schließungspläne der Einrichtung in Rodgau-Dudenhofen konnten vor einigen Jahren erst nach einer Unterschriftenkampagne und einem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung verhindert werden. Dessen ungeachtet war ein Umzug nach Seligenstadt immer wieder auch unter den Rodgauer Ärzten im Gespräch.

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