Oliver Banke hat für die Rettung eines Prügelopfers Hessens Medaille für Zivilcourage bekommen

Mehr als der Durchschnittsheld

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Von der offiziellen Medaillenübergabe ruckzuck in eine Diskussion: Retter Oliver Banke (2. von links) mit Polizeioberrat Wolfgang Bommer (von links), Hessens Sozialminister Stefan Grüttner, OB Horst Schneider und Ordnungsamts-Vize Frank Weber.

Offenbach ‐ Natürlich wimmelt es in Offenbach nur so von Helden. Ein Held, wer das Bäumchen an der Straße wässert, obwohl‘s der Stadt gehört. Ein Held, wer im Altenheim ein Ständchen bringt, obwohl es keiner bezahlt. Und für manchen schon ein Held, wer nicht bei Rot über die Ampel geht, obwohl das ja sonst jeder tut. Von Marcus Reinsch

Solch vereinfachter Zugang zum Helden-Status ist erstmal gut für Offenbach. Für Oliver Banke einen angemessen höheren Titel zu finden, macht es allerdings zur Herausforderung. Gelungen ist es gestern trotzdem. Seit Banke im Rathaus unter herzlichstem Schulterklopfen von Oberbürgermeister Horst Schneider die Hessische Medaille für Zivilcourage aus den Händen des Sozialministers Stefan Grüttner bekam, ist er Vorbild, Retter, Mutmacher.

Stimmt auch alles. Immerhin hat der junge Offenbacher nicht weg- sondern hingesehen, als fünf Jugendliche ein Mädchen furchtbar verprügelten. Er hat sich, wie es im Bedingungskatalog für die Medaille staatstragend heißt, „unter Inkaufnahme erheblicher persönlicher Nachteile oder Gefahren“ eingemischt. Und er hat dadurch nicht nur die Landesverfassung geschützt, sondern vor allem Schlimmeres verhindert oder sogar Schlimmstes - mehrfach.

Die Geschichte ist haarsträubend: An einem Abend im September 2009 sieht Oliver Banke am S-Bahnhof Offenbach-Ost, wie vier betrunkene Halbstarke und eine, wie sich herausstellt, ganz und gar nicht zimperliche 14-Jährige auf eine 15-Jährige einschlagen. Das Opfer liegt auf dem Betonboden, bekommt Tritte gegen den Kopf, immer wieder. Passanten schauen hin, dann wieder weg. Banke nicht. Der hat „ein bisschen Bammel, weil du verloren hast, wenn da einer ein Messer dabei hat“, greift aber ein. Nur mit Worten, aber das verschafft erstmal Luft, um sich mit dem panischen Mädchen in die S-Bahn nach Mühlheim zu setzen.

Da kennt Banke sich nicht aus, und als er und sein Schützling aussteigen, sind die Prügler plötzlich wieder da, diesmal nicht fünf, sondern ein Dutzend, und verfolgen sie in ein unbelebtes Gewerbegebiet. Der Offenbacher greift zum Handy, täuscht laut einen Anruf bei der Polizei vor, bestellt bei vermeintlichen Kollegen „zwei Mannschaftswagen.“ Die Verfolger sind verunsichert, glauben, an einen Polizisten geraten zu sein, trollen sich endlich, als in der Nähe ein Martinshorn lärmt. Es ist das eines Krankenwagens. Aber das wissen die Jugendlichen nicht, die später von der dann doch noch real alarmierten Polizei geschnappt werden und jetzt auf Strafe warten.

Ein Glücksfall, auch das, aber wohl keiner, auf den Banke angewiesen war. Wie er, immer vor dem Prügelopfer stehend, mit den Verfolgern gesprochen hat, „das war eine Sprache, die die verstanden haben. Die haben gesehen: Der hat schon mit sowas wie uns zu tun gehabt“, analysierte gestern Polizeioberrat Wolfgang Bommer von der Polizeidirektion Offenbach. Er warb, wie Grüttner, Schneider und Offenbachs stellvertretender Ordnungsamtsleiter Frank Weber, für Seminare, in denen Wege zur Zivilcourage beispielsweise per Rollenspiel gewiesen werden.

Oliver Banke, Vorbild, Retter, Mutmacher aus Offenbach, wird in so einem Kurs nicht als Teilnehmer, aber vielleicht mal als gutes Beispiel auftauchen. Er ist in Berlin-Neukölln aufgewachsen. Und wer die dortigen Gepflogenheiten der Konfliktbewältigung durchgestanden hat, kann Offenbachern gute Tipps geben.

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