Mehr nur als eine Arznei-Verteilstelle

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Schlüsselübergabe: Dr. Heidrun Weber-Grandke beschränkt sich mit fünf Mitarbeitern auf die Tempelsee-Apotheke, Dr. Mohammed Hayek übernimmt mit - wie bisher - sieben Mitarbeitern die Lauterborn-Apotheke.

Offenbach - Die Lauterborn-Apotheke ist mehr als die Stelle, an der sich die Lauterborner mit Medikamenten versorgen. Im kleinen Einkaufszentrum an der Richard-Wagner-Straße dient sie dem Vielvölker-Stadtteil auch als Anlaufstelle, um Rat einzuholen oder Sorgen zu übermitteln. Von Thomas Kirstein

Der Kummerkasten des Vereins „Besser leben im Lauterborn“ hängt dort und wird vom Personal betreut.

Die besondere Rolle der Apotheke verdankt sich der bisherigen Chefin. Dreizehn Jahre hat Dr. Heidrun Weber-Grandke, zuvor Krankenhaus-Apothekerin des Kreises, Wert darauf gelegt, dem Viertel mehr als eine Arznei-Verteilstelle zu bieten. Dabei dürfte die Prominenz als Ehefrau des heutigen Ex-Oberbürgermeisters Gerhard Grandke das engagierte Naturell der Pharmazeutin begleitend unterstützt haben.

Heyek übernimmt

Insofern verlässt eine Institution die kleine Lauterborner Geschäftswelt, wenn sich Heidrun Weber jetzt beruflich auf ihr zweites Standbein, die kleinere Tempelsee-Apotheke am Brunnenweg, beschränkt. Offenbach und ihrem Viertel bleiben sie und der angetraute Sparkassenpräsident allen Gerüchten zum Trotz treu: „Wir haben nicht vor wegzuziehen.“ Sie wirkt weiterhin als stellvertretende Vorsitzende des Lauterborn-Vereins, im Frauen-Club „Pfeffernüss’“ und als Vorsitzende der regionalen Alzheimer-Gesellschaft. Die Apotheke hat sie dem Kollegen Dr. Mohammed Hayek übergeben, der seit April 2009 ihre Tempelsee-Filiale leitete.

„Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt Heidrun Weber. Weinend, weil sie sich sehr wohl fühlt im Stadtteil und fast jeden Lauterborner gleich welcher Herkunft kennt. Lachend, weil die Konzentration auf den deutlich geringer frequentierten Brunnenweg auch dank täglicher Mittagsruhe ihr - auch weil die beiden Kinder jetzt studierend aus dem Haus sind - mehr sinnvoll zu füllende Freizeit beschert.

Keine Probleme mit Jugendlichen

Der im Stadtteil schon kursierenden Annahme, Probleme mit Jugendlichen könnten sie vertrieben haben, widerspricht sie energisch: „In dreizehn Jahren ist keine einzige Scheibe bei mir zu Bruch gegangen!“ Im Gegenteil: „Ich bin mit den jungen Leuten hier immer sehr gut ausgekommen, unser Verhältnis beruht auf gegenseitigem Respekt.“ Und sie nutzt die Gelegenheit, positive Entwicklungen herauszustreichen: „Ja, es gab eine Zeit, da war’s schwer im Einkaufszentrum, aber dank gemeinsamer Anstrengungen der Eigentümer und etlicher Neuvermietungen hat sich’s zum Guten gewandelt.“

Der eingearbeitete Nachfolger weiß es zu schätzen. Als Mohammed Hayek sich vor zwei Jahren in Offenbach verpflichtete, geschah das schon mit der Option künftiger Selbständigkeit. Der 41-Jährige wohnt mit Ehefrau und fünfjährigen Zwillingen in Rödermark-Urberach. Das von der Vorgängerin vorgegebene Engagement für den Stadtteil will er fortführen. Dass Heidrun Grandke schon immer Wert auf Mehrsprachigkeit in ihrer Apotheke legte, kann der neue Lauterborn-Apotheker naturgemäß nur unterstützen.

Mohammed Hayek ist am 15. Februar 1970 in Tanger geboren. Vor 20 Jahren kam er zum Studium der Pharmazie nach Marburg, bevor er dort promovierte, stand ein Gastsemester in Paris an. Der Marokkaner spricht außer seiner Muttersprache fließend Deutsch, Spanisch, Englisch und Französisch. Dass er sich freilich mit den vielen Marokkanern Lauterborns besonders gut verständigen könnte, trifft allerdings nicht zu: Er wuchs mit Arabisch auf, die meisten seiner hiesigen Landsleute mit einem Berber-Dialekt.

Seine Zwillinge wachsen übrigens dreisprachig auf - Ehefrau Fatme, Integrationsbeauftragte der Stadt Rödermark, ist Türkin. Mit Blick auf Lauterborn scherzt der freundliche Apotheker Dr. Mohammed Hayek: „Eigentlich fehlen mir noch Türkisch und Russisch, das wäre dann ideal.“

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