Manroland

Mehr Einwände als Ideen

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Im mittleren Teil des ehemaligen MAN-Geländes soll der Quartierspark entstehen, mit einer neuen Kita am nördlichen Abschluss. Für die grüne Fläche werden Gestaltungsvorschläge gesammelt und in eine Konzeptplanung übertragen.

Offenbach - Vor ihrer neuen Kita spielen die Kleinsten im Sand, gleich daneben haben die Drei- bis Sechsjährigen von Geräten Besitz ergriffen. Auch für andere Altersgruppen gibt es kindgerechte Angebote. Anziehungspunkt ist eine Fontäne in der Mitte des Areals. Von Harald H. Richter

Von der nahen Picknickwiese aus beobachten Eltern und Großeltern das fröhliche Treiben. Daneben probieren sich ein paar Jungs an einer Kletterwand aus.

Das Szenario beschreibt keinen Ist-Zustand, wohl aber eine mögliche Zukunft auf dem ehemaligen MAN-Gelände. Aber werden solche Vorschläge von den Anwohnern zwischen Christian-Pleß- im Norden und Gustav-Adolf-Straße im Süden angenommen oder haben sie ganz andere Vorstellungen?

Wegen dieser Frage hat das städtische Amt für Stadtplanung in die Turnhalle der Humboldtschule eingeladen. Im Beteiligungsverfahren will man Meinungen zur Vorplanung einholen und Anregungen mitnehmen.

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Beim MAN-Roland-Werk an der Senefelder waren 2004 die Lichter ausgegangen. Seitdem wurden Überlegungen angestellt, die teilweise unter Denkmalschutz gestellte Liegenschaft einer neuen Nutzung zuzuführen.

Die kommt nun. Östlich entlang der Waldstraße will die ABG Frankfurt 170 Wohnungen nebst Tiefgaragenparkplätzen errichten lassen, während im erhaltungswürdigen Industriebaukörper an der Senefelderstraße ein Nahversorgungszentrum entstehen soll. Der Kern des Quartiers soll der Bevölkerung Raum zu Begegnung, Spiel und Erholung geben und einer neuen Kindertagesstätte Platz bieten. Dafür kann die Stadt aus diversen Fördertöpfen Mittel anfordern.

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Rund 40 Bürger treiben jedoch ganz andere Sorgen um. Wer keine Garage hat, findet schon jetzt keinen Parkplatz. Noch schlimmer wird’s, wenn für die Bauzeit an der Gustav-Adolf-Straße rund 50 Plätze wegfallen. Angrenzend gibt es Parkverbote oder Kurzzeitzonen.

Norbert und Annegret Herrmann haben zwar einen Anwohnerparkausweis, aber dennoch schlechte Karten, denn er gilt nicht für die Nachbarstraßen. Und so laufen nicht nur sie Gefahr, Knöllchen zu kassieren. Das Problem lässt sich an diesem Abend nicht lösen, wird aber an die Verkehrsbehörde weitergegeben, verspricht Stadtplaner Michael Sperber.

Als Zugeständnis an den Denkmalschutz soll entlang der Gustav-Adolf-Straße auf über 100 Metern eine etwa zehn Meter hohe Pergola „die Kubatur des alten MAN-Gebäudes nachempfinden“ (Sperber). Sie wird zwar nicht Teil des Quartiersparks und des Gestaltungsplans sein, ist den meisten erschienenen Anwohnern aber schon auf dem Papier ein Dorn im Auge. Unter anderem fürchten sie, dass dort Tauben zur Plage werden könnten.

Roländer 2012 noch einmal auf der Straße

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Bedenken rufen auch die jeden Tag erwarteten rund 5000 Fahrzeuge von und zum Nahversorgungszentrum hervor. Obwohl solche Vorbehalte nichts mit der eigentlichen Quartiersplanung zu tun haben, auf die seitens der Bevölkerung Einfluss genommen werden kann, hören sich Vertreter der Stadt und der Planungsbüros die Einwände geduldig an. Sie drängen aber dazu, in vier Gruppen Vorschläge zu entwickeln, wie sich auf 7000 Quadratmetern Größe der Quartierspark Senefelder Straße mit urbanem Leben erfüllen lässt. Denn aus diesem Grund hat man schließlich eingeladen.

Nach rund zweistündiger Workshop-Arbeit tragen die Teams ihre Ergebnisse vor. Doch es scheint, dass überwiegend zusammengefasst wird, was nicht gewünscht wird. Dem Vorschlag eines Jugendspielplatzes wird eine klare Absage erteilt, ein Alkoholverbot verlangt, eine ausreichende Wegebeleuchtung gefordert, um erst gar keine dunklen Ecken mit Urin und wildem Müll entstehen zu lassen. Hundefrei soll der Park sein und nicht mit Sträuchern, sondern überwiegend mit ausreichend hoch gewachsenen Bäumen begrünt werden. Sollte eine Wasserfläche geschaffen werden, dann ohne Brunneneinfassung, sondern in offener Bauweise mit aus dem Boden schießenden Fontänen.

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Aus dem Kreis der Erschienenen wird aber auch ein Vorschlag in den Entscheidungsprozess eingebracht, den zuvor noch niemand im Blick hatte: Ähnlich wie am Hafen möge auch im Quartierspark Senefelder Straße urbaner Gartenbau möglich gemacht werden, mit nachhaltiger Bewirtschaftung gärtnerischer Kulturen und als Mehrwert insbesondere für die Bewohner des neu entstehenden Gebäudekomplexes an der Ostseite des künftigen Parks.

Die Ergebnisse fließen nun in die weitere Entwurfsplanung des Neu-Isenburger Büros Ipach ein. Am 10. Oktober, 17.30 Uhr, soll die Fortschreibung bei einer zweiten Veranstaltung, dann aber in der Albert-Schweitzer-Schule, der Öffentlichkeit präsentiert und danach beschlussreif den städtischen Gremien zur Entscheidung vorgelegt werden.

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