Künftig öfter nach weiblichen Persönlichkeiten benannt

Straßen und Plätze in Offenbach: Mehr Gleichberechtigung

Offenbach - Unerwartet lebhaft diskutierten die Parlamentarier einen Antrag von Grünen, SPD und Freien Wählern. Mit einem am Ende gefassten Beschluss möchte die Koalition, dass mehr Straßen nach Frauen benannt werden. Von Rebecca Röhrich

Von den 644 Straßen und Plätzen in Offenbach tragen 185 männliche und nur 28 weibliche Namen. Der Rest ist neutral benannt, also nicht nach Personen. Laut Beschluss soll die kommunale Frauenbeauftragte Karin Dörr eine Vorschlagsliste mit weiblichen Persönlichkeiten erstellen, die etwas für Offenbach und dessen Bürger geleistet haben. Die Liste soll in der Arbeitsgemeinschaft (AG) Straßenbenennung, bestehend aus Vertretern jeder Fraktion, fortan Beratungsgrundlage für künftige Neu- und Umbenennungen von Straßen, Wegen und Plätzen sein. Vertreter der Opposition reagierten abweisend auf den Vorschlag. „Der Antrag unterstellt, dass es ein Netzwerk des Patriarchats gibt, das mutwillig weibliche Vorschläge verhindert“, so Oliver Stirböck von den Liberalen. „Wir entscheiden nach Leistung und nicht nach Geschlecht“, äußerte sich Gregory Engels von den Piraten.

Roland Walter von der CDU brachte formale Gründe gegen den Antrag der Koalition ein. Die Stadtverordneten könnten die Frauenbeauftragte nicht mit etwas beauftragen, das nicht zu ihrem gesetzlichen Aufgabenkreis gehöre, sagte Walter in seiner Rede. Außerdem sei die Gleichberechtigung bereits im Hessischen Gesetz geregelt. Zudem würden in der AG Straßenbenennung bereits Frauennamen geprüft. „Sie arbeitet mit Sorgfalt und überparteilich“, so Walter. Den Antrag nannte er „eine aufgeblasene Formalie“. Ursula Richter, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, widersprach Walter am Rande der Parlamentssitzung. „Gäbe es ein formelles Problem, wäre dieses im Haupt- und Finanzausschuss aufgefallen“, so Richter. Sie zeigte sich erstaunt über die aufgebrachte Debatte. „So etwas habe ich noch nie erlebt.“

„Machen wir es doch einfach“, versuchte Marianne Herrmann (SPD), Mitglied des ehrenamtlichen Magistrats, die Diskussion abzukürzen. Und bekam prompt Gegenwind von ihrem CDU-Kollegen Günther Hammann. „Ich bin kein Frauengegner, aber wir sollten Vertrauen in unsere Kommissionen haben.“ Dass es sich bei der angestrebten Liste lediglich um „einen Impuls“ handele, wie die SPD-Stadtverordnete Grete Steiner anmerkte, schien in der Diskussion indes unterzugehen. Das Frauenbüro der Stadt freut sich über die politische Initiative: „Das ist absolut sinnvoll“, sagt Frauenbeauftragte Karin Dörr. „Je weiter man historisch zurückgeht, desto schwieriger ist es, Quellen über bedeutsame Frauen zu finden.“ Eine sorgfältig vorbereitete Liste erspare der AG letztlich Arbeit.

Leserbilder: Die schönsten Plätze in Offenbach Teil 1

Gemeinsam mit dem Haus der Stadtgeschichte arbeitet Dörr gerade an einem Buch, das sich mit Frauen beschäftigt, die Spuren in Offenbach hinterlassen haben. In 45 Porträts sollen bereits verstorbene Persönlichkeiten der letzten 250 Jahre vorgestellt werden. Eine Offenbacherin habe die Idee bereits vor einem Jahr im Frauenbüro vorgebracht. Die gewünschte Liste sei also schon vorhanden und bald fertig gestellt. Ganz konkret wurde es dann, als die Parlamentarier auf die Straßenbenennung im nördlichen Teil des Neubaugebiets An den Eichen zu sprechen kamen. Diesbezüglich hat sich die AG noch nicht einigen können. Straßennamen sind jedoch Voraussetzung für eine möglichst gute Vermarktung der Grundstücke, hieß es. Nach Angaben der Offenbacher Projektentwicklungs-Gesellschaft, die das neue Wohngebiet federführend betreut, sollten die Namen von der AG bis spätestens November beschlossen worden sein. Wie zu erfahren war, hat man sich aber inoffiziell bereits darauf geeinigt, die Straßen – ebenso wie im südlichen Abschnitt – nach Blumen zu benennen.

Ein Plan B liegt auch schon bereit: Falls sich die Kommission nicht einigen könne, werde der Magistrat die Namen festlegen, sagte Oberbürgermeister Horst Schneider und setzte damit der ganzen Debatte ein Ende. „Wir werden dann einfach drei Frauen und drei Männer auswählen.“

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