Mehr Hechte für den See

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Die Masse der Blaualgen hat im Schultheis deutlich abgenommen.

Offenbach - Das Wasser des Schultheisweihers ist eigentlich unbedenklich für Badegäste. Eigentlich. Das Blöde an der Situation: Blaualgen, die Schleimhäute reizen und Magen- und Darm-Probleme verursachen können, konzentrieren sich genau an der Stelle, wo die Erholungssuchenden in den See wollen - am Badestrand. Von Martin Kuhn

Schuld daran ist der Wind, der meist aus östlicher Richtung bläst und die Bakterien dorthin treibt. Daran können die Experten wenig ändern. An anderen Faktoren schon, die den Schultheis gesunden lassen.

So gab’s in der Sitzung des Umweltausschusses vielköpfiges Nicken, als die internen und externen Fachleuten berichteten. Die Kommunalpolitiker wollten am Donnerstag aus erster Hand wissen, wie’s um den Schultheis steht. Sie haben schließlich viel Geld in die Hände gelegt, um den See bis 2011 zu gesunden - in den ersten vier Jahren annähernd 160 000 Euro.

Der Teufelskreis, den es zu durchbrechen gilt: Verbreitung falscher Fischarten; Absterben von Wasserpflanzen; Dominanz der Blaualgen. Die Stadt versucht es mit verschiedenen behutsamen Mitteln. Radikale Eingriffe verbieten sich, da der Schultheis in einem Naturschutzgebiet liegt. Hartmut Luckner vom Umweltamt: „Wir wollen, dass sich der See selbst gesundet.“ Daher war auch 2009 erneut ein Berufsfischer aktiv. Seine Beute: 43 Graskarpfen mit einem Gesamtgewicht von 620 Kilogramm. Zudem wurden Blaualgen abgesaugt.

Die Erfolge in diesem Jahr: Das Seewasser ist klar, Wasserpflanzen gedeihen massiv auf dem gesamten Grund, der pH-Wert ist stabiler, die Blaualgen gehen zurück. Indikator dafür ist der so genannte Chlorophyll-Gehalt des Wassers. Und der liegt im Schnitt weit unter den Ausgangswerten des Jahres 2005. Luckner: „Im August hatten wir Blaualgen nur noch an der Oberfläche; das restliche Wasser war nahezu unbelastet.“

Um den Weiher nach dem Projektende zu stabilisieren, schlägt der Gewässer-Ökologe Christian Schuller zwei Maßnahmen vor: Behandlung mit Kalium, Aussetzen von weiteren Hechten. Die Raubfische sollen verhindern, dass sich Karpfen und Co. wieder vermehren. Über das Gewässer in seiner Funktion als Badesee wacht letztlich Dr. Michael Maiwald. Sein subjektiver Eindruck, den der Leiter des Gesundheitsamtes mit Messwerten belegt: „Der See sieht besser aus.“ Am Schultheis gibt es übrigens nur eine Messstelle. Und die liegt nicht irgendwo, sondern in Nähe des Badebereichs. Die einzige schlechte Nachricht. Der See bleibt zu. Und mit weiteren Prognosen ist man vorsichtig.

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