Mehr Hilfe für Jugendliche

Offenbach - Ein millionenschweres Geschenk hat die Bundesregierung der Offenbacher Sozialdezernentin Birgit Simon für die kommenden zwei Jahre in Aussicht gestellt – freilich zweckgebunden: für die Mittagsverpflegung von Hort- und Grundschulkindern sowie für zusätzliche Schulsozialarbeiter. Von Alexander Kroh

Hierfür wird die Stadt über Umwege an anderer Stelle mit 1,22 Millionen Euro entlastet.

Mit dieser Summe will der Magistrat unter anderem fünf neue Stellen schaffen. Über eine entsprechende Nachtragsvorlage müssen die Stadtverordneten Anfang des kommenden Jahres abstimmen.

Mit dieser Finanzspritze reagiert Berlin letztlich auf eigene Vorgaben. So müssen die Kommunen nach einer Gesetzesänderung im Sozialgesetzbuch II in punkto Mittagsverpflegung zusätzliche monatliche Kosten von rund 10,50 Euro pro Kind stemmen. Diese „häusliche Ersparnis“ kommt den Eltern zugute, belastet aber den kommunalen Haushalt. Die Mehrkosten sollen mit Bundesmitteln gedeckt werden, hierfür übernimmt der Bund künftig 2,8 Prozent mehr an den Kosten für Unterkunft und Heizung (KdU). Im Ergebnis bedeutet dies eine Ersparnis für die Stadt Offenbach in Höhe des genannten Betrages.

Gespräche mit dem Staatlichen Schulamt laufen bereits

Die fünf neuen Sozialarbeiter sollen zunächst für zwei Jahre eingestellt werden. Ihre Aufgaben sind so vielfältig wie wichtig. „Sie helfen Schülern, ihre Persönlichkeit zu entwickeln, machen freizeit- und kulturpädagogische Angebote und arbeiten eng mit Eltern zusammen“, zählt Roberto Priore, Leiter der Fachstelle Bildung/Kooperation des Jugendamtes auf. An der Geschwister-Scholl-Schule etwa unterstützen sie die Jugendlichen auch beim Übergang von der Schule in die Arbeitswelt. An der Fröbelschule wiederum wirken sie Nachteilen für behinderte Kinder entgegen.

Wo und wie genau die neuen Sozialarbeiter eingesetzt werden sollen, ist noch nicht entschieden. Priore: „Die Gespräche mit dem Staatlichen Schulamt laufen bereits.“ Ein möglicher Schwerpunkt: Die Arbeit mit Hauptschulklassen, namentlich in der Mathilden-, Ernst-Reuter- und Bachschule. Dringenden Bedarf für zusätzliche Kräfte sieht Priore unter anderem in den siebten Jahrgangsstufen der drei Schulen. „In den höheren Stufen sind bereits viele weitere Akteure tätig“, sagt Priore und benennt im Einzelnen Patenschaftsmodelle, JUMINA (Junge Migranten in Ausbildung) und die Berufseinstiegsbegleiter. „Hauptzielgruppe sind die Jugendlichen und Schulverweigerer, die aus dem System herauszufallen drohen.“

Arbeit trägt Früchte

Bereits seit 25 Jahren gibt es an Eichendorff- und Mathildenschule je zwei Stellen für Schulsozialarbeiter, die beim Jugendamt angesiedelt und durch die Stadt finanziert werden. Das Land Hessen bezuschusst diese Arbeit mit rund 50.000 Euro im Jahr. Weitere 1,6 Stellen existieren an der Geschwister-Scholl-Schule seit 2002. Getragen werden sie in Teilen vom städtischen Schulamt und vom Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM). Träger der übrigen halben Stelle an der Fröbelschule ist der Verein Behindertenhilfe Stadt und Kreis Offenbach.

Die Arbeit, unterstreicht Priore, trage Früchte, „auch wenn das nicht von heute auf morgen zu sehen ist“. Die Schüler zeigten jedoch mehr Einsatz und Fortschritte bei der Persönlichkeitsentwicklung. „Wichtig ist, dass wir keine Feuerwehrfunktion einnehmen, sondern von Beginn an mit Schülern und Eltern eng zusammenarbeiten. Dadurch können wir aufdecken, welchen Bedarf für Unterstützung es konkret gibt.“

Die 1,22 Millionen Euro werden helfen, diese gerade für Offenbach sehr zentrale Aufgabe weiter auszubauen, zeigte sich Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Birgit Simon erfreut. Zumal sich das Land aus der Schulsozialarbeit mehr und mehr zurückziehe. Weil der Gesetzgeber aber seine Beteiligung an der KdU ständig verändere, könne nur bis zum Haushaltsjahr 2014 geplant werden. Für den Zeitraum danach wird die Stadt weitere Unterstützung einfordern müssen.

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