Mehr als ein paar Beulen

Offenbach ‐ Die recht lange harmonisch agierenden Offenbacher Koalitionäre stecken in der Zwickmühle. Egal, für was sich ihre Stadträte morgen entscheiden, sie verderben es sich mit dem einen oder den anderen Sozialdemokraten. Von Thomas Kirstein

Seit Wochen wird gestritten, wer Joachim Böger als Chef der Stadtwerke Holding (SOH) folgen soll: Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD), FDP und Grüne favorisieren eine Doppelspitze mit SOH-Prokurist Dieter Lindauer und ESO-Chef Peter Walther. Die SPD-Fraktion hingegen will ihren Parteichef Stephan Wildhirt als Geschäftsführer installieren.

Der OB geht fest davon aus, dass der Magistrat, so wie Ende September in einer Erklärung angekündigt, am 4. November eine Entscheidung über die Böger-Nachfolge treffen wird. Dass er seine Genossen vor den Kopf stößt, dürfte ihm klar sein. Die Bildzeitung zitiert Schneider mit der Aussage, zwischen ihm und seinen Parteifreunden werde es „Beulen geben“, nachher gehe es aber „ans Wundenlecken“. Dabei blieb er gestern; ein Aus für die Koalition, wie sowohl von FDP als auch SPD angedroht, mag sich Schneider nicht vorstellen: „Ich gehe davon aus, dass auch nach der Abstimmung am Mittwoch alle wichtigen Projekte im Parlament wie von der Koalition verabredet verabschiedet werden.“

Wenn´s sein muss, wird bis zum Morgengrauen verhandelt

SPD-Fraktionschef Stephan Färber will vorm Schwurtermin noch mit den Partnern verhandeln - wenn es sein müsse, bis ins Morgengrauen. Es könne nicht sein, dass etwas vom Magistrat beschlossen werde, worüber die Koalition nicht befunden habe, sagt er: „Es gibt kein Verfahren, bei dem man sich vorher nicht einigt.“

In der SPD erwartet man, dass auch FDP und Grüne ihre Stadträte dazu bringen, eine Abstimmung über die Schneider-Vorlage zu verweigern. Dann könnte es eine temporäre Geschäftsführung und eine öffentliche Ausschreibung geben. Genossen betonen immer wieder, dass es ihnen nicht nur um Wildhirt, sondern um die künftige Ausrichtung der Stadtwerke gehe. Eine eigenständig agierende SOH, wie sie Schneiders Favorit Lindauer vorschwebt, ist der SPD zuwider.

Die Konfrontation mit OB und Partnern will Fraktionschef Stephan Färber jedenfalls nicht scheuen: „Wenn die Abstimmung am Mittwoch läuft, geht es nicht mit ein paar Beulen ab.“

Rubriklistenbild: © Georg

Kommentare