Mehr Parks, mehr Grün

Offenbach - (vs) Kürzere Sonnenscheindauer, höhere Wärmespeicherung, geringere Verdunstung: Das sind typische Merkmale einer Stadt. „Das Stadtklima unterscheidet sich massiv vom Klima auf dem Freiland“, weiß Marita Roos vom Deutschen Wetterdienst.

Die Diplom-Meteorologin erforscht den Klimawandel in Städten, erstellt Gutachten für die Stadt-, Regional- und Landesplanung. Und stellt dabei eher Unerfreuliches fest: Die Zukunft der Städte wird heiß und regnerisch.

Auf Einladung des Amts für Umwelt, Energie und Mobilität hat die erste lokale Klimaschutzkonferenz in Offenbach stattgefunden. Rund 80 Teilnehmer diskutierten nach Impulsvorträgen in Workshops Ideen und Maßnahmen für Offenbach.

Treibhauseffekt und Klimaerwärmung sind bekannte Phänomene. Doch kaum jemand wird von Zukunftsängsten erschüttert, wenn er hört, dass das Klima im Vergleich zu den 50er Jahren weltweit um etwa zwei Grad angestiegen ist. „Mit solchen abstrakten Werten können die meisten Menschen herzlich wenig anfangen“, sagt auch der Diplom-Ingenieur und Unternehmensberater Jörg Probst. „Erst bei konkreten Empfindungen aus der eigenen Erfahrungswelt werden Dinge nachvollziehbar.“ Wie etwa bei dem Unwetter, das Offenbach Mitte August heimsuchte. „An solche Wetterextreme werden wir uns gewöhnen müssen“, prognostiziert Roos. Vor allem die Stadtmenschen. Denn hier herrscht nun mal ein anderes Klima, und somit zeigt sich hier auch die Klimaänderung anders. Verantwortlich dafür ist der „Wärme-Insel-Effekt“. Dieser resultiert aus der deutlich höheren Versiegelung als auf dem Land und den weitgehend dunklen Farben der Gebäude. Außerdem sind die Windgeschwindigkeiten innerhalb der Stadt geringer. Das alles führt zu einer höheren Wärmespeicherung und somit zum genannten Effekt. „Der wird sich den Messungen nach weiter verstärken, die Ozonkonzentration wird steigen, und es wird heftigere Regenfälle geben“, so Roos. Die verschiedenen Systeme berechneten eine Zunahme von sechs bis 30 heißen Tagen (über 30 Grad Celsius) ab dem Jahr 2021. Der Wärme in den Häusern mit Klimaanlagen entgegenzuwirken, wäre genau die falsche Herangehensweise. „Sekundäre Wärmequellen müssen unbedingt vermieden werden, denn sie belasten das Klima zusätzlich“, warnt die Expertin.

Planungen im Hinblick auf den Klimawandel

Stattdessen muss sich das Stadtbild ändern. Bestehendes muss nach und nach saniert, Neues im Hinblick auf den Klimawandel geplant werden. So gilt laut Roos auch für Offenbach: „Mehr Parks, Grün- und Wasserflächen, weniger Versiegelung, mehr Dachbegrünung, hellere Farben. Um die Wassermassen aufzufangen, bedarf es mehr Rückhaltebecken, gegebenenfalls muss die Kanalisation angepasst werden. Gebäude müssen besser isoliert und geschützt werden gegen Hitze, Sturm, Niederschlag und Hagel.“

So ist sehr viel zu tun in den nächsten Jahren. Roland Stulz sagt, dass der Klimawandel Deutschland etwa 800 Milliarden Euro kosten wird. Der Geschäftsführer von „novatlantis“ weiß, wovon er spricht. Nachhaltigkeit und moderne Umwelttechnik im Gebäudebau sind seine Firmenphilosophie.

Das langfristige Ziel ist die 2000-Watt-Gesellschaft. „Im Jahr 1960 waren wir eine solche Gesellschaft, nun sind wir eine 6000-Watt-Gesellschaft geworden, was so nicht bleiben darf“, so Stulz. Die Rückkehr zur 2000-Watt-Gesellschaft heiße aber nicht, dass man wieder so leben solle wie vor 50 Jahren, im Gegenteil. Die Lebensqualität solle steigen. Moderne Technik mache Stromersparnis möglich. Gebäude nach dem Passivhausprinzip, Leichtfahrzeuge und Elektromobile, geschlossener Müllkreislauf (Mehrwegverpackungen) sowie erneuerbare statt fossile Energien sind die Stützpfeiler.

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