Islamisches Gräberfeld

Mehr Pflege für Allahs Kinder

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Gabriele Schreiber, Leiterin der städtischen Friedhöfe, auf dem muslimischen Gräberfeld des Neuen Friedhofs. Sie wünscht sich, dass die islamischen Gemeinden sich an der Pflege der Gräber beteiligen, da viele verwahrlosen und zuwuchern, wie die vorn auf dem Bild. 

Offenbach - Das islamische Gräberfeld gibt es auf dem Neuen Friedhof bereits seit dem Jahr 2000, doch nicht mal alle Muslime wissen davon. Im Ausländerbeirat sprach Friedhofschefin Gabriele Schreiber einige Probleme an. Von Veronika Schade

Auf den ersten Blick wirkt es wie ein ganz normaler Friedhofsteil. Erst auf den zweiten Blick offenbaren sich die muslimischen Namen, teils in arabischer Schrift, und viele lediglich mit einfachen Holzplanken versehene Gräber. Es handelt sich um das muslimische Gräberfeld auf dem Neuen Friedhof, auf dem seit dem Jahr 2000 Angehörige islamischen Glaubens bestattet werden. Schon 1992 beantragte der Ausländerbeirat der Stadtverordnetenversammlung die Errichtung eines solchen Gräberfelds, scheiterte jedoch damit. Fünf Jahre später wurde der Antrag erneut gestellt und 1998 beschlossen, obwohl selbst nicht alle Muslime von dessen Notwendigkeit überzeugt waren. „Einige Fraktionen fanden, wir brauchen das nicht“, erinnert sich Ausländerbeiratsvorsitzender Abdelkader Rafoud. „Die meisten Muslime lassen sich in ihr Heimatland überführen, haben dafür Sterbegeld-Versicherungen abgeschlossen.“ Ihnen sei es wichtig, in einem islamischen Land beigesetzt zu werden. Doch es gebe auch diejenigen, die in dem Land beerdigt werden möchten, in dem sie gelebt haben, als dessen Teil sie sich sehen, in dem ihre Nachfahren leben. Andere haben mangels Angehöriger oder Geld keine andere Wahl. Deren Bestattung übernimmt das Sozialamt. Um die religiösen Vorgaben zu erfüllen, haben Imame das Feld so ausgerichtet, dass die Verstorbenen mit Blickrichtung nach Mekka liegen. Mittlerweile sind dort ungefähr 200 Muslime bestattet. Laut der städtischen Friedhofsleiterin Gabriele Schreiber ist die Zahl der Anfragen in den vergangenen Jahren gewachsen. Die Trauerhalle sei aber noch nie für Zeremonien genutzt worden. „Dabei ist es kein Problem, das Kreuz zu verdecken.“

Viele der Gräber sind ungepflegt, scheinen sich selbst überlassen. Bei anderen wurden eigenständig Steine oder Einfriedungen hinzugefügt, ohne dies mit der Friedhofsverwaltung abzusprechen. „Wir sind sehr tolerant“, sagt Schreiber. Zumal der Zustand sicherlich zum Teil beabsichtigt sei, da Grabfelder nach islamischem Glauben sich selbst überlassen werden – ohne Grabpflege. „Jeder trauert anders“, weiß sie. Dennoch wünscht sich die Friedhofschefin wie auch viele Besucher ein gepflegteres Erscheinungsbild. Aus diesem Grund war sie vergangene Woche in der Sitzung des Ausländerbeirats zu Gast. Nicht alle Mitglieder wussten überhaupt von der Existenz des Friedhofs, geschweige von der vor 2013 beschlossenen hessischen Gesetzänderung, die es Muslimen ermöglicht, traditionell nach ihrem Glauben ohne Sarg bestattet zu werden, nur in Leichentücher gehüllt. „In Offenbach sahen wir da bisher keinen Handlungsbedarf, da noch kein Imam deshalb auf uns zugekommen ist“, sagt Schreiber. In Rüsselsheim, wo das Gesetz bereits in die Friedhofssatzung Einzug gehalten habe, seien seit einer Musterbestattung, an der sie teilgenommen habe, erst zwei bis drei solcher Beisetzungen gewünscht gewesen. „Wir werden uns dagegen aber nicht wehren, wenn das Ihr Ritus ist“, sagt Schreiber zu den Beiratsmitgliedern. Sie einigen sich darauf, zur nächsten Sitzung den Runden Tisch Islam, Vertreter der Gemeinden und den zuständigen Dezernenten Felix Schwenke einzuladen, um gemeinsam über eine mögliche Satzungsänderung zu sprechen. Die Grabpflege soll ebenfalls Thema sein. „Die 15 islamischen Gemeinden in Offenbach sind willkommen, sich einzubringen“, plädiert die Friedhofschefin. „Wir sind für jede helfende Hand dankbar.“ Auch Patenschaften finanzieller Art seien möglich. Verlange der Islam doch „ewiges Ruherecht“, während in Deutschland Gräber nach gewisser Zeit abgeräumt werden, sofern nicht weiter dafür gezahlt wird.

Der für den Ausländerbeirat zuständige ehrenamtliche SPD-Stadtrat Stephan Färber hält es gar für denkbar, ein Gräberfeld ohne einzeln abgetrennte Grabstätten anzubieten – also „Rasengräber“ mit Erdbestattung, die den muslimischen Regeln entsprechen. Die Fläche für ein zweites islamisches Gräberfeld ist übrigens bereits auserkoren. Es liegt zentral auf dem Neuen Friedhof unter stolzen, alten Bäumen.

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