Für mehr Selbstsicherheit

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Mit der richtigen Technik soll sich das weibliche Geschlecht effektiv gegen Angreifer zur Wehr setzen können.

Offenbach - Nachts auf dem Nachhauseweg – ganz allein, und die Straßen sind wie leergefegt. Doch auf einmal fremde Schritte, die einem zu folgen scheinen. Von Sabrina Kristen

Wer kennt nicht ein vergleichbares Szenario? Vor allem bei Frauen entsteht oft ein mulmiges Gefühl, wenn sie ohne Begleitung sind.

Genau diese Angst zu bekämpfen ist ein erklärtes Ziel des Wing Tsun. Die Kampfkunst stammt aus China und bedeutet übersetzt soviel wie „Schöner Frühling“. Eine Schule für diese spezielle Selbstverteidigungstechnik gibt es bereits seit 1998 in Offenbach. „Im Gegensatz zu anderen Kampfsportarten stehen Prinzipien und nicht die starre Ausführung von Techniken im Vordergrund“, erzählt der Leiter Mike Fischer.

So ist die Vorgehensweise dieser Technik auch eine ganz andere. Denn Wing Tsun fängt schon in der Analyse und Wahrnehmung von alltäglichen Situationen an. Ob ungefragter Körperkontakt oder unangenehmes Anstarren – die Verteidigungstechnik soll ansetzen, sobald die Betroffene sich unwohl fühlt.

Veränderung der Ausstrahlung

„Je intensiver das Training, umso weniger gerät man überhaupt in solche Schwierigkeiten“, sagt Fischer. Eine Erklärung dafür ist, dass Wing Tsun das Selbstbewusstsein stärken soll. „Auf diese Weise verändert sich die Ausstrahlung – man wirkt ganz anders auf seine Mitmenschen“, fügt der Trainer begeistert hinzu.

Die Schule an der Domstraße ist aber darauf bedacht, Teilnehmer nicht mit unnötig viel Theorie zu konfrontieren. Praktische Übungen seien wirkungsvoller, sowohl gegen körperliche als auch gegen psychische Gewalt.

Eine weitere Besonderheit des Wing Tsun ist, dass es nicht wie andere Kampfsportarten mit der Kraft des Gegeners mitgehalten werden soll. Vielmehr nutzt man die Kraft des Angreifers und lenkt sie strategisch gegen ihn.

Dieser Grundsatz macht sich in vielen Übungen deutlich. So werden Anfänger trainiert, wie sie sich gegen ungefragtes Festhalten wehren können. Die meisten Opfer würden instinktiv an dem fremden Arm rütteln und versuchen, ihn von sich zu reißen. Dieser Versuch ist aber meist zwecklos und zerrt nur unnötig an der eigenen Kraft. Besser ist es, mit einer geschickten Drehung und einem gezielten Gegenschlag, die Umklammerung des Kontrahenten zu lösen.

Auch für Schwache und Alte geeignet

Nach diesem Schema arbeitet Wing Tsun. „Das Tolle dabei ist, dass Muskeln eine Nebensache spielen. Da muss man mit Köpfchen vorgehen“, betont Fischer. Deshalb sei diese Verteidigungstechnik auch für ältere und schwächere Menschen geeignet. „Mit dem richtigen Training kann sich eine kleine und zierliche Frau definitiv gegen einen großen Mann durchsetzen“, findet der Kampfsportlehrer.

In Rollenspielen soll möglichst realitätsnah gezeigt werden, wie man sich am klügsten zu Wehr setzen kann. Fischer sieht es gern, wenn seine Schüler ihm von Erlebnissen erzählen, so dass diese geschickt miteinbezogen werden. „Oft bekomme ich unvorstellbare Sachen zu hören. Da denke ich schon: Das gibt es doch gar nicht, was manche Männer sich im Umgang mit Frauen erlauben“, erzählt der Selbstverteidigungsspezialist.

Die persönliche Ebene ist im Kurs auch deshalb so entscheidend, da Männer und Frauen in der Regel anderen Konflikten ausgesetzt sind. Beim weiblichen Geschlecht sind sexuelle Anzüglichkeiten und Belästigungen häufig ein Problem. Von einem Betrunkenen in einer Kneipe angegriffen zu werden, ist dagegen eher eine Konfliktsituation für Männer.

Mithilfe von Wing Tsun soll die Persönlichkeit gestärkt werden. Unangenehmen Situationen soll komplett aus dem Weg gegangen werden. Aber falls es doch soweit kommt, sollen sich die Schüler sicher und zur angemessenen Verteidigung fähig fühlen. „Wir wollen schließlich echtes Selbstbewusstsein bei unseren Schülerinnen entwickeln, nicht nur eine Seifenblase“, sagt der engagierte Trainer.

Weitere Informationen auf der Internetseite.

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