Mehr als nur Unternehmer

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Dicker als das Telefonbuch für Frankfurt und Offenbach ist allein einer von fünf Katalogen, in denen Dieter Jahn seine Produktpalette vorstellt.

Offenbach - Drei gerahmte Poster an der Wand des Chefbüros senden ein Signal aus. Eines davon warb einst für das Musical „Tommy“ im Capitol-Theater an der Goethestraße, das zweite für die Lederstadt Offenbach, das jüngste für die „Classic Lounge“ im Capitol. Von Lothar R. Braun

Wem sie auffallen, dem erklärt der in Frankfurt geborene Hausherr Dieter Jahn, was sie sagen sollen: „Ich bin ,militanter’ Offenbacher!“ Und das Rock-Musical „Tommy“, fügt er hinzu, habe er fünf Mal besucht. Jahn ist Inhaber der Firma „Jahn vormals A. Schoenhals“. Heute feiert sie ihr 75-jähriges Bestehen.

Zu berichten ist von einem Großhandels-Unternehmen, das Industrie, Handwerk und Private mit Werkzeugen beliefert, mit Maschinen, Werkstatt- und Fahrzeugeinrichtungen, aber auch mit Utensilien zum Arbeitsschutz bis hin zur Arbeitskleidung.

Fünf Kataloge beschreiben dieses Angebot. Davon ist einer dicker als das Frankfurt-Offenbacher Telefonbuch. Da stehen Reinigungstechnik und Messtechnik neben Teilen für Stromerzeuger, Holzbearbeitung und Schweißarbeiten, Pumpen- und Drucklufttechnik, der Handbohrer neben Drehteile-Fertigern. Die Kataloge umfassen die Vielfalt der Technik, die uns umgibt und von der wir gewöhnlich wenig wissen.

Seit 1984 ist er Alleininhaber

Als „Großhandel für Industrie-, Eisenbahn- und Flugzeugbedarf“ hatten Albert und Emmy Schoenhals das Unternehmen 1936 in Frankfurt gegründet. Wenig mehr als sechs Jahre später verschlang in Stalingrad der Krieg den Gründer. Seine Witwe und das unter Materialmangel dahinsiechende Unternehmen vertrieb der Krieg aus dem zerbombten Frankfurt in den Kreis Offenbach. Erst 1948 fand man es wieder unter der Frankfurter Adresse. Bald darauf gewann die Witwe Schoenhals eine branchenkundige Stütze. 1951 heiratete sie den gleichfalls verwitweten Kaufmann Eugen Jahn. Mit ihm kam sein 1944 geborener Sohn Dieter zunächst in die Familie und 1978 auch in die Firma.

Seit 1984 ist er Alleininhaber. Als er in die Firma eintrat, hatte die Stiefmutter bereits eine Niederlassung in Offenbach eröffnet. Es war die Stadt ihrer Geburt und ihrer Kindheit. Der Wilhelmsplatz, die Kaiserstraße, dann zwei Jahrzehnte lang die Mühlheimer Straße waren die Stationen, bevor der Betrieb sich vor 17 Jahren an der Heinrich-Krumm-Straße in Bieber-Waldhof ansiedelte.

Lange vorher war aus der Niederlassung Offenbach bereits die Zentrale geworden, die am Gründungs-Standort Frankfurt eine Niederlassung unterhält. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen 25 Mitarbeiter. Bei Dieter Jahn kann man lernen, dass eine Schraube nicht einfach ein Ding zum Drehen und Halten ist. In der chemischen Industrie etwa muss die Schraube säurebeständig sein, in der Kesseltechnik hitzebeständig, also dehnbar. Schrauben, die starken Witterungseinflüssen oder aggressiver Luft ausgesetzt sind, müssen anders beschaffen sein als Schrauben für medizinische Geräte.

Sammlung von Postern im Schrank

In Offenbach kennt man Dieter Jahn indes nicht nur als Unternehmer. Seit 1981 dient er Offenbach, das der gebürtige Frankfurter „meine Heimatstadt“ nennt, als Stadtverordneter, ursprünglich in den Reihen der FDP, seit 1989 in der Freien Wählergemeinschaft. Im Haupt- und Finanzausschuss hat seine Stimme Gewicht. Aufmerksamkeit findet er auch mit Beiträgen zur städtischen Verkehrspolitik.

In einem Schrank verwahrt er eine Sammlung von Postern, die etwas aussagen über die letzten Jahrzehnte in dieser Stadt. Irgendwann wird er sie dem Haus der Stadtgeschichte überlassen. Doch zunächst hat Jahn ein Festzelt bestellt. Für den Jubiläumsempfang lassen die Schrauben und Bohrer im Haus keinen Platz.

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