Mehrkosten durch Überraschungen im Untergrund

Offenbach - Zwei laufende Schulbauprojekte kosten die Stadt mehr als geplant. Mindestens 1,2 Millionen Euro muss die Stadt mehr zur Verfügung stellen. Von Matthias Dahmer

Weil im Untergrund von Beethoven- und Käthe-Kollwitz-Schule unvorhergesehene, kostenmäßig teilweise noch nicht bezifferbare Belastungen schlummern, und die Arbeiten der im Wege des ÖPP-Verfahrens beauftragten Baufirma Hochtief nur wenig Aufschub dulden, muss die Stadtregierung annähernd 1,2 Millionen Euro bereitstellen. 1,048 Millionen davon entfallen auf den Neubau der Beethovenschule, 133.300 Euro auf die Sanierung und Erweiterung des Schulzentrums am Buchhügel.

Kompliziert ist’s bei der Beethovenschule. Weil dort derzeit noch nicht feststeht, wie teuer es tatsächlich wird, hat der Magistrat einen sogenannten Vorratsbeschluss gefasst. Die den Kämmerer Michael Beseler (SPD) schmerzende runde Million ist der Maximalbetrag, der erforderlich werden könnte. Am Buchhügel ist indes schon sicher, dass 133.300 Euro locker zu machen sind.

Teurer wird der Neubau der Beethovenschule auf jeden Fall dadurch, dass unter der Bodenplatte des alten Schulgebäudes ein 12 mal 8 Meter großes und vier Meter tiefes Stahlbeton-Becken entdeckt wurde, wie Anna Heep, Leiterin der Abteilung Hochbau beim Amt für Stadtplanung und Baumanagement berichtet.

Schulleiter: Mehrkosten schwer zu vermitteln

Während die massiven Funde zunächst für die Reste eines Bunkers gehalten wurden, geht man im Rathaus nun davon aus, dass es sich um ein Feuerlöschbecken in dem einstigen Teich unterhalb der Beethovenschule handele. Der Teich und auch die Verfüllungen des Geländes mit Trümmerschutt seien aus den Unterlagen bekannt gewesen, das Betonbecken nicht, sagt Anna Heep. Selbst mit punktuellen Probebohrungen durch die Bodenplatte, ein ohnehin nicht übliches Vorgehen, sei das Beton-Bauwerk wohl kaum zu entdecken gewesen.

Gerd Beitler, ehemaliger Leiter der Beethovenschule, der es sich gestern nicht nehmen lässt, in einer Art spontan praktizierter Bürgerbeteiligung der städtischen Pressekonferenz zu dem Thema beizuwohnen, gibt zu bedenken: Alle Chroniken zur Beethovenschule enthielten Hinweise zu den Verfüllungen und zu dem Teich. Im übrigen habe er als Schulleiter zweimal gebeten, auch in Klasserräumen Bohrungen unter der Bodenplatte vorzunehmen und von dort Proben zu entnehmen. „Dem Bürger ist nur schwer zu vermitteln, dass jetzt Mehrkosten auf die Stadt zukommen“, meint Beitler.

Unterschiedliche Einschätzungen

Kämmerer Michael Beseler schlägt künftig ein „Brainstorming“ mit Nachbarschaft vor Noch unklar ist, in welchem Umfang der verfüllte Untergrund - es handelt sich um Trümmer des von Bomben zerstörten Pirazzi-Firmengebäudes in der Senfelderstraße - entsorgt werden muss. Während die von der Stadt beauftragten Bodengutachter davon ausgehen, dass nur 30 Prozent des Erdreichs auf der Fläche des Neubaus ausgehoben werden müssen und der Rest verfestigt werden kann, kommen die Fachleute von Hochtief nach eigenen Probebohrungen zu dem Schluss, dass der ganze vorhandene Untergrund instabil ist und komplett weg muss.

Von der Menge des Aushubs und von seiner Klassifizierung - auch hier kommt Hochtief zu einem anderen Ergebnis - hängt es ab, wie teuer es am Ende für die Stadt wird. Ein von der Stadt ausgewähltes unabhängiges Institut untersucht nun nochmal die Bodenproben. Ein Ergebnis soll in etwa einer Woche vorliegen.

Solche unterschiedlichen Einschätzungen zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer seien leider nichts Ungewöhnliches, betont Gutachter Thomas Voß, Geschäftsführer des Bereichs Geotechnik bei der von der Stadt beauftragten Firma Dr. Hug Geoconsult GmbH aus Oberursel. „Es handelt sich nicht um Altlasten, sondern um Beeinträchtigungen durch Auffüllungen“, ordnet Jürgen Hoos, Diplom-Geologe bei dem beauftragten Gutachter-Unternehmen, die Dinge ein. Sowohl nach oben als auch nach unten Richtung Grundwasser stelle die etwa 1,50 Meter dicke Schutt-Schicht keine Gefahr dar.

Bauarbeiten dauern mindestens sechs Wochen länger

Wegen der zusätzlichen Arbeiten verlängert sich die Bauzeit der neuen Beethovenschule um sechs Wochen. Gleiches gilt für die Arbeiten am Schulzentrum auf dem Buchhügel. Dort hat man im Zuge der Aushubarbeiten asbesthaltige Kanalrohre unter einer Bodenplatte gefunden. Sie müssen, das ist in diesem Fall unstreitig, zusammen mit dem umliegenden Erdreich nun teurer entsorgt werden.

Die in beiden Fällen unvorhersehbaren Risiken, sagt Anna Heep, könnten nicht dem Vertragspartner aufgebürdet werden. Wenn man den Vorratsbeschluss zur Beethovenschule nicht gefasst und bis zur endgültigen Klärung gewartet hätte, wäre Hochtief zudem berechtigt, einen Bauverzug zu Lasten der Stadt geltend zu machen.

Kämmerer Michael Beseler erläutert, die zusätzlichen Arbeiten seien nicht Bestandteil des Vertrags mit Hochtief. So etwas gehöre aber zum üblichen Geschäft bei Bauprojekten und sei keine Besonderheit des ÖPP-Verfahrens. Angesichts der Tatsache, dass sich bei der Beethovenschule ältere Anwohner gemeldet und davon berichtet haben, wie das Gelände früher ausgesehen hat, hält Beseler in künftig Fällen ein „Brainstorming mit der Nachbarschaft“ für überlegenswert.

Rubriklistenbild: © Harald Reiss/pixelio.de

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