Stadt ist skeptisch

Mehrsprachige Erasmus-Krabbelstube wünscht sich eine Kita

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Vorlesestunde mit Leiterin Catalina Beltran unter dem Pilzhaus: In der Erasmus-Krabbelstunde an der Rumpenheimer Straße ist Platz für 36 Kinder.

Bürgel - Der Elternbeirat der Erasmus-Krabbelstube in der Hans-Böckler-Siedlung würde gern eine weitere Kitagruppe des freien Trägers einrichten. Von Julia Radgen 

Gegenwärtige Krabbelkinder sollen an das mehrsprachige Konzept anknüpfen können. Die Stadt wiegelt in Hinblick auf aktuelle Bauvorhaben ab: Ausschlaggebender als das Konzept sei der Bedarf. In den Räumen, in denen früher eine Eisdiele untergebracht war, tollen seit gut 18 Monaten Jahren Kleinkinder. Im Juni 2014 wurde die Erasmus-Krabbelstube an der Rumpenheimer Straße gegründet. Nach dem Haupthaus am Dreieichring, das neben der Krabbelstube eine Kita und eine Grundschule beherbergt, und der Krabbelstube am Friedrichsring ist es die dritte Offenbach-Dependance des freien Trägers.

Unterrichtet wird jeweils mehrsprachig nach der Immersionsmethode: Die Kinder lernen Deutsch, Englisch und Spanisch von muttersprachlichen Pädagogen. Aus den Erfahrungen am Dreieichring weiß Krabbelstuben-Leiterin Catalina Beltran: „Die Kinder können dann in der Kita schon richtig gut mit Sprache umgehen.“ In der Bürgeler ErasmusKrabbelstube ist Platz für 36 Kinder, in drei Gruppen aufgeteilt.

Für Eltern und Kinder naht der Wechsel in eine Tagesstätte. Aber: Es gibt nicht für alle Erasmus-Krabbelkinder einen Platz in der Kita des Trägers. „Die Sprachkenntnisse verkümmern, wenn wir keine Möglichkeit haben, sie fortzuführen“, befürchtet Magdalena Lange vom Elternbeirat. Es gebe kein vergleichbares Angebot in Offenbach. Bei den Eltern jedenfalls scheint das mehrsprachige Konzept gut anzukommen: Der Trägerverein spricht von 1000 Anmeldungen in der Warteschleife.

Krabbelstubenleitung, Elternbeirat und Erasmus-Geschäftsführer Rolf Schmidt wünschen sich deshalb, dass die Stadt ihnen genehmigt, eine neue Kitagruppe nach dem bewährten Rezept zu gründen. Am liebsten wollen sie diese ebenfalls an der Rumpenheimer Straße unterbringen. Mit mehreren Angeboten unter einem Dach haben sie am Dreieichring gute Erfahrungen gemacht.

Schul- und Jugenddezernent Peter Schneider kann diesen Wunsch zwar prinzipiell verstehen – „dass die Eltern gern ein Anschlussangebot hätten, ist völlig klar“. Er verweist aber aufs große Ganze. „Wir dürfen keine Überkapazitäten schaffen“, gibt der Grünen-Politiker zu bedenken. Der Bedarf an Kita-Plätzen müsse genau geprüft werden, sagt der Bürgermeister und verweist an den Eigenbetrieb Kindertagesstätten Offenbach (EKO).

Dessen Leiter Hermann Dorenburg erklärt, dass das Erasmus-Konzept allein kein Argument für die Bewilligung einer Kita-Gruppe sei. „Ich hätte das Immersionssystem auch gern in allen städtischen Einrichtungen“, betont Dorenburg. Aber der EKO-Leiter verweist auf das Risiko unbesetzter Kitaplätze in freier Trrägerschaft. „Die Stadt muss schließlich das alles bezahlen“.

52 Millionen Euro für Elementarbildung einkalkuliert

Laut Haushaltssicherungskonzept sind für die Elementarbildung im kommenden Jahr nahezu 52 Millionen Euro einkalkuliert. Die wollen mit Bedacht ausgegeben sein. Für die Eltern sind die Gebühren eines Platzes in der Erasmuskita übrigens genauso hoch wie die einer städtischen Einrichtung.

Mit den Neubauten an der Hafenschule und auf dem ehemaligen MAN-Roland-Gelände habe man, so Dorenburg, den städtischen Kita-Entwicklungsplan „vollständig erfüllt oder sogar übererfüllt“. Für Bürgel und Rumpenheim kommt der Neubau der Kindertagesstätte 11 in den Lachwiesen hinzu – allerdings voraussichtlich erst ab 2018. Das ist zu spät für die Eltern derzeitiger Krabbelkinder, wie der Erasmus-Elternbeirat bemängelt.

Kommunen ächzen unter drastisch gestiegenen Sozialausgaben

Der EKO-Leiter hält dagegen: „Das war absehbar und wurde entsprechend kommuniziert.“ Kinder aus Krabbelgruppen freier Träger müssen mit neunzigprozentiger Sicherheit die Einrichtung wechseln. Und die Erasmus-Kinder sind keine Einzelfälle. Denn die Stadt habe als „strategische Entscheidung“ viele Krabbelgruppen an freie Träger übertragen.

Der EKO muss sich an der Bedarfslage orientieren. Ob in Bürgel und Rumpenheim bis zur Einweihung der neuen Kita 11 mehr Plätze benötigt werden, gelte es genau zu prüfen. „Sollte es in der Interimsphase Bedarf geben, würde ich dem Vorschlag auch zustimmen“, versichert Dorenburg, betont aber: „Wir müssen Zahlen herausfinden.“ Mit Erasmus-Geschäftsführer Rolf Schmidt will er sich dafür zusammensetzen. „Fürs nächste Kitajahr fällt eine Entscheidung“, verspricht der Amtsleiter.

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