Mein Freund, der Baum...

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Eine Scheibe Zierkirschenstamm aus dem Westend: Dass es unverantwortlich gewesen wäre, einen derartig hohlen Baum noch länger stehen zu lassen, konnte Baumkolonnenleiter Horst Limberger den meisten Nachbarn vermitteln, die zunächst über die Fällaktion entsetzt waren.

Offenbach (tk) ‐ Vor kurzem beeindruckten die Zierkirschenbäume im Westend noch mit überbordender Blüte. Jetzt sind elf von ihnen nicht mehr. Die rosa Pracht rund um die Wetterdienstzentrale wird im kommenden Jahr deutliche Lücken haben.

Anwohner trauern nicht nur still. Als die Männer des Stadtdienstleisters ESO ihr Sägewerk beginnen, müssen sie sich Klagen von entsetzten Baumfreunden anhören. Der Protest wirkt jedoch nicht, die Baumkolonne um Chef Horst Limberger führt ihren Auftrag aus: In Kant-, Klingspor- und Löwenstraße fallen elf von 36 Zierkirschen.

Mit gutem Grund, sagt ESO-Sprecher Oliver Gaksch: Bei ihren regelmäßigen Kontrollen haben städtische Fachleute schwere Schäden an einigen der 50 Jahre alten Japanischen Nelkenkirschen festgestellt. Bohrproben ergaben eine zu geringe „Restwandstärke“. Dass Stämme förmlich hohl waren, manche bis zur Wurzel, machte sie zum Risiko. Die „Verkehrssicherungspflicht“ gebot die Fällung - ohne Rücksicht auf Vogelbrutzeit schnellstmöglich auszuführen, bevor ein morscher Baum jemandem aufs Haupt oder das Auto kippt. Aus diesem Grund werden jedes Jahr rund hundert Bäume vorsichtshalber gefällt.

Als die Stämme im Westend umgelegt sind, zeigt sich, dass die Untersuchungsergebnisse korrekt waren. Alter und Pilze - der Lackporling - hatten die Bäume zu einer Gefahr werden lassen.

Kleiner Trost: Elf Jungbäume kommen an exakt jene Stellen, an denen die bis zu acht Meter hohen Vorgänger wurzelten. Um deren Pracht zu erreichen, müssen die Exemplare der Art Prunus serrulata allerdings noch wachsen, bei der Pflanzung sind sie erst 2,50 Meter hoch.

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