„Keine große Beachtung“

„Mein Kampf“ bei vielen Buchhandlungen nur auf Bestellung

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Heiß umstritten: Heute erscheint Hitlers „Mein Kampf“ als kommentierte Neuauflage. Doch längst nicht in allen Buchhandlungen liegt es auch aus

Offenbach - Jahrzehntelang wurde Adolf Hitlers „Mein Kampf“ unter Verschluss gehalten. Heute erscheint die umstrittene Hetzschrift in einer kommentierten Ausgabe. Amazon spendet die Erlöse, Thalia bestellt es nur auf Wunsch. Wie gehen Buchhandlungen in der Region damit um?. Von Konstanze Löw 

Vor 91 Jahren schrieb Adolf Hitler „Mein Kampf“, um seine politischen Ansichten und Pläne darzustellen. Heute erlischt das Urheberrecht, das bislang der Freistaat Bayern innehatte. Die neue, kommentierte Fassung für 59 Euro erstreckt sich über 2000 Seiten. Und sorgt für viele Diskussionen.

Der Buchhandel hat unterschiedliche Wege gefunden, mit dem Verkauf der Neuauflage umzugehen. Bettina Haenitsch vom Seligenstädter Buchladen hat sich dazu entschieden, den Titel nicht im Laden auszulegen. Drei Vorbestellungen gab es in den Tagen vor dem Erscheinungstermin, was die Buchhändlerin tatsächlich überraschte. „Ich bestelle es auf Kundenwunsch, ins Sortiment werde ich es aber sicher nicht aufnehmen. Ich belasse es lieber bei Publikationen und Bildbänden über das Dritte Reich“, so Haenitsch. Hitlers Schrift stehe sie trotz kommentierter Fassung kritisch gegenüber.

Die Sprendlinger Bücherstube in Dreieich geht ähnlich wie die Seligenstädter Kollegin mit der Hetzschrift um. Es gebe keine Vorbestellungen. Aber jeder, der das Buch haben möchte, werde es bekommen, sagt Bücherstuben-Inhaberin Brigitte Menke. „Ins Sortiment nehmen wir es nicht auf“, so Menke weiter. Damit vertreten die beiden Buchhandlungen das selbe Prinzip wie die Handelskette Thalia, die das Buch nur „auf expliziten Kundenwunsch“ bestellt, aber nicht in den Läden auslegt.

Auch in der Steinmetz’schen Buchhandlung in Offenbach ist das umstrittene Werk zwar nicht vor Ort, aber auf Bestellung zu haben. „Bei uns ist business as usual, auch wenn ,Mein Kampf’ erscheint“, berichtet Helma Fischer. Die Buchhändlerin wolle dem Werk keine große Beachtung schenken. Denn je mehr Aufmerksamkeit es bekomme, desto mehr schaukle sich das Thema hoch, so die Einschätzung der Expertin. „Ich finde es in Ordnung, dass es erscheint. Es steckt eine wahnsinnige Recherche dahinter. Eine Zensur darf nicht stattfinden“, resümiert Fischer. Vorbestellungen gab es in der Offenbacher Buchhandlung keine, lediglich von ein paar Leuten sei Fischer aufgrund der Medienberichte zum Thema angesprochen worden. „Die hatten aber kein Interesse am Kauf des Buches, sondern wollten nur die Meinung und Einschätzung von einer Buchhändlerin wissen.“

Anders sieht das Interesse in Hanau aus. Der Buchladen am Freiheitsplatz kann schon an den Tagen vor dem Erscheinungstermin nicht über mangelndes Interesse klagen. Zehn Vorbestellungen sind dort bereits eingegangen – „ein Grund dafür, das Buch ins Sortiment aufzunehmen“, sagt Buchhändlerin Jenny Koloska. Sie wisse, dass die Kunden die Neuauflage nicht zu üblen Zwecken missbrauchen. Es liege vielmehr ein zeitgeschichtliches Interesse vor.

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Gestern wurde die kommentierte Ausgabe für den Unterricht in rheinland-pfälzischen Schulen freigegeben. „Zur Prävention gegen Rechtsextremismus und zur Entlarvung der NS-Ideologie wäre eine Berücksichtigung von Auszügen geeignet“, teilte der Sprecher des Mainzer Bildungsministeriums, Wolf-Jürgen Karle, mit.

Für Thomas Abbenhaus von der Jügesheimer Bücherstube steht hingegen fest: „Dieses Buch möchte ich nicht bewerben.“

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