Mein Leben als Boss

Gerade mal 17 Jahre jung, Jugendleiter bei der katholischen Kirche, Klassensprecher mit einen Notendurchschnitt von 1,8 - der gestrige Chef auf Probe beim Polizeipräsidium Südosthessen hatte keine schlechten Voraussetzungen für diesen Job. Für einen Tag übernahm der Elftklässler Adrian Olschok vom Dreieichgymnasium in Langen den Platz von Polizeipräsident Heinrich Bernhardt. +++ Fotostrecke +++ Von Anuschka Ross

Damit trug er im Spielmodell „Boss für einen Tag“ einen ganzen Tag lang die Verantwortung für eine Fläche von 1709 Quadratkilometern, 870 000 Einwohner und 1400 Polizisten.

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Über viele Fakten und Aufgabenbereiche der verschiedenen Führungspersonen hatte sich Adrian Olschok vorweg informiert, aber die Position und vor allem die genaue Arbeit des Polizeipräsidenten waren ihm bis zu dem Treffen nicht klar. „Ich dachte, er wäre eher bei den Einsätzen involviert. Sein Pensum war mir bisher nicht klar.“ 75 Minuten nahm sich der Polizeipräsident Heinrich Bernhardt für den Schüler Zeit und beantwortete zahlreiche Fragen über seinen Werdegang und wie er dazu kam, zur Polizei zu gehen. „Der Präsident war sehr nett. Er hat sich Zeit genommen und auch viel von seinen Erlebnissen in seinem Beruf und besonders in seiner Position erzählt.“

Den ganzen Tag verbrachte Adrian nicht mit Bernhardt. Denn manches bei der Polizeiarbeit an der Spitze besteht aus trockener Routine, und manches muss unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt werden. Stattdessen führte Polizeihauptkommissar Michael Schmitter Adrian durch die Polizeizentrale. Er zeigte ihm die wichtigsten Standorte, zum Beispiel die Befehlsstelle, von wo aus große Einsätze zum Beispiel bei Geiselnahmen oder Flugzeugabstürzen geregelt werden. Darüber hinaus traf der Gymnasiast Führungskräfte wie den Dienststellenleiter Jürgen Preuß von der Polizeistation Langen und Kripo-Chef Hans Kraushaar. Auch sie durfte er nach Lust und Laune ausfragen und sich einen Einblick in ihr Berufsleben verschaffen.

Auch wenn er schon vorher eine gute Meinung über die Polizei gehabt habe und diese Einrichtung seiner Meinung nach dringend gebraucht werde, habe sich sein Bild über den Tag hinweg eher noch verbessert, berichtet Adrian. Persönlich kann er sich gut eine Karriere bei der Polizei vorstellen. Dies war auch einer der Gründe, warum er an der Aktion teilgenommen hat. Genau genommen interessiert er sich für die höheren Positionen wie Dienststellenleiter oder sogar Polizeipräsident. „Geld spielt für mich aber keine große Rolle. Ich habe andere Prioritäten. Mein Beruf soll mir Spaß machen. Ich kann nicht nur am Schreibtisch sitzen. Mir macht es am meisten Freude, Dinge nicht nur zu planen, sondern auch bei ihrer praktischen Ausführung zu helfen.“

Nicht alle in seinem Freundeskreis haben schon solche konkreten Vorstellungen, auch wenn sich bei den meisten schon klare Tendenzen abzeichnen. Adrian ist jedoch voll informiert. Er weiß, dass nicht nur ein Abitur von Nöten ist, um bei der Polizei anzufangen, sondern auch körperliche Fitness. Dafür sorgt der Schüler in seiner eher spärlichen Freizeit: Er fährt viel Fahrrad, geht Tauchen und macht Judo.
Zu seinem eintägigen Erlebnis ist er durch Entschlossenheit gekommen. Gehört von der Aktion hat er von einem Klassenkameraden und dann nicht lange gefackelt, um sich als einziger seiner Klasse zu bewerben. „Ich nutze gerne Chancen, um mich besser aufs Berufsleben vorzubereiten.“

Aktion der Wirtschaftsjunioren

Gestern war es wieder soweit: 44 Schülerinnen und Schüler durften einen Tag lang Chef sein. Organisiert von den Wirtschaftsjunioren Offenbach sowie der IHK und unter der Schirmherrschaft von Landrat Peter Walter gaben rund 30 Unternehmen der Jugend bei „Schüler als Bosse“ die Chance, Abteilungsleiterbesprechungen, Einstellungsgespräche, Kundentermine - ja den gesamten Alltag einer Führungskraft hautnah mitzuerleben und ihre eigenen Vorstellungen über das Leben als Entscheidungsträger auf die Probe zu stellen. Bisweilen werde auf diese Weise sogar Nachwuchs rekrutiert, so die Wirtschaftsjunioren.

Unter den Firmen waren Allen & Overy, Autohaus Nix (Toyota), diverse BMW-Niederlassunen, Bodo Möller Chemie, das Büro des Landrats, Bundesagentur für Arbeit, Clou, Decoma Exterior Systeme, Deutsche Flugsicherung, Giegerich & Partner, Holiday Inn, IHK Offenbach, Imtradex Hör-/Sprechsysteme, Kreis Offenbach, Ketteler Krankenhaus, Klinikum Offenbach, LUT Luft- und Umwelttechnik, der Magistrat von Obertshausen, ManRoland, Opel, das Polizeipräsidium Südhessen, Reimelt, Securitas Sicherheitsdienste, TNT Express, Treml & Sturm, v. Knorre & Stützer Rechtsanwälte und die Volksbank Dreieich.

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