Meist sind die Schuhe zu klein

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Seit 60 Jahren gibt es das Schuhhaus, das Annelie Koch (links) seit 30 Jahren leitet. Tochter Astrid hat sich fürs gleiche Metier entschieden.

Offenbach - Annelie Koch setzt auf Qualität, Beratung und eine angenehme Atmosphäre: Ihr Geschäft hat sie auf Komfort- und Einlagenschuhe spezialisiert. Die Verkaufsgespräche sind aufwendig. Meist ist umfangreiche Beratung nötig - dabei werden die Füße genau nach Länge und Weite vermessen. Von Simone Weil

Ein, zwei Stunden kann das schon dauern. „Der Schuhkauf ist schließlich Vertrauenssache“, sagt die Inhaberin, die in diesen Tagen ein doppeltes Jubiläum feiert. Seit 60 Jahren existiert das Schuhhaus, das sie seit 30 Jahren leitet. Sie hat den Betrieb von ihrer Mutter übernommen, die wiederum 1949 Karl Groh kurz nach der Gründung ablöste.

Zur intimen Atmosphäre im Geschäft gehört auch, dass manche der Kunden mal so richtig ihr Herz ausschütten: „Wir kriegen mit, dass viele Menschen einsam sind“, weiß die Chefin.

Die Kundschaft nimmt für Service und Auswahl weite Weg in Kauf. „Vergleichbare Fachgeschäfte gibt es deutschlandweit nur etwa eine Hand voll“, meint Annelie Koch. Deswegen hat sich neulich wohl ein Käufer von Wilhelmshaven aufgemacht, um fündig zu werden.

Das Familienunternehmen, in dem auch Tochter Astrid Koch arbeitet, hat 1995 seinen Sitz von der Marienstraße an die Sprendlinger Landstraße 71 verlegt. Vor gut einem Jahr zog das Geschäft noch einmal um - allerdings nur ein paar Schritte weiter in die Hausnummer 67. In den freundlichen Räumen kümmern sich außer Mutter und Tochter noch drei Verkäuferinnen um die Käufer - Gatte Armin Koch springt zweimal pro Woche ein.

Unbedingt aufräumen will die Chefin mit der weit verbreiteten Meinung, bequeme Schuhe müssten notwendigerweise hässlich oder altbacken sein. Das will die 65-Jährige für ihr Angebot nicht gelten lassen: „Der Schuh ist ein erotisches Produkt“. Die Bequemlichkeit müsse man ihm auf keinen Fall ansehen.

Richtig ärgerlich ist die Expertin darüber, dass an die 90 Prozent der Bevölkerung zu kurzes oder zu enges Schuhwerk tragen. „Meistens geschieht das aus Eitelkeit“, schimpft sie. Aber die Gefallsucht hat oft böse Konsequenzen: Nagelpilz und Fersensporn können die Folge sein. Nicht nur die Füße werden durch schlechte Passform ihrer Bekleidung geschädigt, sondern auch Fehlstellungen von Knie, Hüfte, und Wirbelsäule können entstehen. „Der Fuß ist das geduldigste und das vernachlässigste Körperteil“, wirbt Annelie Koch für mehr Sensibilität im Umgang mit den eigenen Füßen.

Und weil jeder Mensch nur ein Paar hat, haben sie besonders viel Gutes verdient. Nämlich qualitativ hochwertige Schuhe: Der überwiegende Teil der Modelle die das Haus Koch anbietet, wird in Handarbeit in kleinen Fertigungsstätten hergestellt. Dass dabei auf die Gerbstoffe geachtet wird, ist für die Fachfrau eine klare Sache. Die Lieferanten stammen aus Italien, Holland, Österreich, Schweiz, Frankreich und Deutschland. Koch: „Aus China kommt hier nichts. Da bekomme ich schon eine Allergie, wenn ich diese Schuhe nur rieche.“

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