Menschenkette unter der Einflugschneise

Offenbach - Im Kampf gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens soll in Offenbach nicht mehr nur auf den Rechtsweg gesetzt werden. Von Matthias Dahmer

Mit Blick aufs anstehende Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig, das spätestens Anfang nächsten Jahres erwartet wird, bahnt sich eine Form des Widerstands an, die stärker als bisher auf Außenwirkung abzielt.

Organisierte Flughafengegner, Kirchen, ein Teil der Parteien und die Rathaus-Spitze vereinbarten gestern, in einem ersten Schritt möglichst viele Offenbacher für eine Menschenkette zu gewinnen. Die soll sich an einem Termin im August unter der Einflugschneise - vom Ostbahnhof bis zur Helene-Mayer-Straße - bilden. Zudem wird ein Katalog weiterer Maßnahmen erarbeitet.

Lesen Sie hierzu auch den Kommentar von Matthias Dahmer

Ein bisschen Revolution

Den Anstoß zu der Aktion für mehr Bürgerprotest gab das Bündnis um die Vorsitzende der Bürgerinitiative Luftverkehr, Ingrid Wagner, den Amtsgerichtspräsidenten a.D. Wilhelm Uhl und den Apotheker Dr. Hans-Rudolf Diefenbach. Die waren bereits im März an die Öffentlichkeit gegangen, um dem ihrer Ansicht nach zu laschen Offenbacher Vorgehen gegen den Ausbau mehr Schwung zu verleihen. Im April hatten sie die Politik angeschrieben und um Stellungnahme gebeten, ob und wie weit sie bereit ist, den öffentlichkeitswirksamen Widerstand zu mitzutragen.

Gestern bekennt zumindest ein Teil der Angeschriebenen Farbe: Vertreter von SPD, Grünen und FDP sowie Oberbürgermeister Horst Schneider sind der Einladung der Initiatoren in die Räume des evangelischen Dekanats gefolgt, und sie sind sich einig: Wir machen mit, unterstützen mit unseren Möglichkeiten öffentliche Aktionen.

Allein die CDU schert aus unter den etablierten Parteien. Lässt über ihren Fraktionschef und OB-Kandidaten Peter Freier schriftlich unter anderem mitteilen, dass sie für ausreichend hält, was die Stadt juristisch unternimmt. Außerdem, schreibt Freier, lasse sich das höchste deutsche Verwaltungsgericht aller bisherigen Erfahrung nach nicht von Protestveranstaltungen in seiner Urteilsfindung beeinflussen.

Wilhelm Uhl kommentiert dies mit den Worten „Freier verweigert seine Mitarbeit“, und der städtische Flughafen-Berater Dieter Faulenbach da Costa widerlegt mühelos: Richter hätten in einem Urteil zum Ausbau des Flughafens Berlin-Brandenburg dem öffentlichen Druck ab einer gewissen Stärke ausdrücklich den Rang eines öffentlichen Belangs zugebilligt. „Das heißt, öffentliche Artikulation spielt eine Rolle“, so Faulenbach.

Dass die für ihn in Offenbach zu kurz gekommen ist, macht Wilhelm Uhl klar: Er könne das Stillhalten der Stadt über Jahre nicht nachvollziehen. „Es bewegt sich nichts, wenn man sich nicht bewegt“, formuliert er. Und aus seiner Erfahrung wisse er, dass sich ein Gericht durchaus von öffentlicher Meinung beeinflussen lasse.

Der fürs städtische Vorgehen verantwortliche und von Uhl unausgesprochen kritisierte Flughafen-Dezernent Paul-Gerhard Weiß weist darauf hin, in Offenbach habe es immerhin 10 000 Einwendungen gegen den Ausbau gegeben. Gleichwohl hält Weiß den nun geplanten öffentlichen Protest nicht nur mit Blick auf Leipzigs Richter für richtig. Man müsse auch bei der demnächst anstehenden Einweihung der Nordwest-Landbahn ein wenig „die Feierlaune verderben“.

Mit im Boot werden auch die beiden Kirchen sein. Dekanin Eva Reiß verweist auf eine Resolution der Synode der Evangelischen Kirche, die sich für ein striktes Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr und eine ökologische Flugverkehrsabgabe ausspricht.

Dazu: Angemerkt

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare