Menschlichkeit bis zuletzt

+
Das stationäre Hospiz entsteht auf einem 1500-Quadratmeter-Grundstück, das von Lichtenplattenweg und Industriebahntrasse begrenzt ist. Links sind fünf der acht Zimmer erkennbar.

Offenbach   ‐ „Hospiz“ bedeutet übersetzt Herberge. Bereits im Mittelalter gewährte es als Stätte der Fürsorge Unterkunft, Verpflegung und andere Hilfen – für Waisen, Kranke, Sterbende. Die heutigen Hospizbewegungen greifen diesen Gedanken neu auf, begleiten Schwerstkranke auf ihrem letzten Lebensweg. Von Martin Kuhn

Inzwischen ist in Offenbach der Weg geebnet für ein stationäres Hospiz, das neben dem Ketteler-Krankenhaus entsteht. Kosten: 1,7 Millionen Euro. Baubeginn: Mitte 2010.

Kurz gefasst: Es geht um menschenwürdiges Sterben. Hilfe erfahren Menschen aus Stadt und Kreis, die nicht mehr zu Hause betreut werden können – unabhängig von Nationalität und Konfession. „Es ist ein kirchliches Haus“, sagen die Verantwortlichen. Und: „Es geht nicht um Sterbehilfe.

Rechtsträger des Fanny-de-la-Roche-Hospizes, so der Name des geplanten Baus, ist die Stiftung Heilig-Geist-Hospital Bensheim. Sie ist gleichzeitig Gesellschafter des Katholischen Klinikverbunds Südhessen, zu dem das Ketteler gehört. Verbund-Geschäftsführer Bernhard Franzreb verbreitet viel Optimismus. Dieser gründet unter anderem darauf, dass ein solches stationäres Hospiz in Mainz-Drais inzwischen etabliert ist, „mit einer großen Nachfrage“. Und er räumt auch gleich mit der weit verbreiteten Annahme auf, dass Hospize vornehmlich Ältere aufnehmen.

Möglich, dass Menschen nicht bettlägerig sind

Im Gegenteil. Ein „Leben bis zuletzt“ wird Menschen ermöglicht, die im fortgeschrittenen Stadium etwa an Multipler Sklerose, Aids oder Krebs leiden. Es ist durchaus möglich, dass diese Menschen nicht unbedingt bettlägrig sind. Daher gehören zum Hospiz unter anderem Wohnküche, Clubraum und Wintergarten. Das Haus verfügt über acht Hospizzimmer, die mit Bad und Zugang zur Terrasse ausgestattet sind. Moderne Möbel und mitgebrachte persönliche Gegenstände wie Bilder sollen dazu beitragen, eine angenehme und vertraute Umgebung zu schaffen.

Für Angehörige und Freunde, die den Sterbenden nahe sein wollen, steht ein separater Raum bereit. Die Verweildauer kann unterschiedlich sein: von zwei Tagen bis zu mehreren Monaten. Wer letztlich ins Hospiz aufgenommen wird, entscheidet eine unabhängige Kommission und nicht – darauf legen alle Wert – der Träger des Hospizes. Bewusst wird Abstand genommen von wirtschaftlichen Faktoren; entscheidend seien allein Krankheitsbild und persönliche Lebenssituation.

Durch finanzielle Gaben sowie die Hilfsbereitschaft von mehr als 60 Paten sind bereits 192.000 Euro zusammengekommen, Zuschüsse von der Diözese oder der Aktion Mensch in Aussicht gestellt. Wer ebenfalls helfen möchte: Sparkasse Offenbach, BLZ 505 500 20, Konto 70 20 481, Stichwort: Spende Hospiz Offenbach.

Das ist ein Grund, dass die Zahl der Zimmer nicht wesentlich größer sein sollte: „Da verliert es schnell an Persönlichkeit.“ Dennoch bleibt die Frage, wie sich das Hospiz finanziert. Laut Franzreb wird über Kranken- oder Pflegekasse abgerechnet. Seine Erfahrung: „Die Kassen sind sehr hilfsbereit.“ Beim Christophorus-Hospiz in Mainz heißt es: „Darüber hinaus verbleibt ein Eigenanteil des Gastes, der gegebenenfalls vom zuständigen Sozialhilfeträger übernommen wird. Leider kann kein allgemein gültiger Eigenanteil je Tag genannt werden, da dieser je nach Dauer des Aufenthalts ... und der Krankenkasse differiert.“ Dieser liege zwischen 0 und 70,90 Euro je Tag. Für die Ausstattung kommt die Stiftung auf. Für das Anliegen engagieren sich bereits viele Offenbacher. Denn nicht allein der ambulante Hospizdienst wird mit Spenden gefördert, sondern auch der Bau des Hospizes.

Kommentare