Stern-Zeichen mit Signalkraft

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Auf dem Waldstück im oberen Bildabschnitt wird Mercedes-Benz in den nächsten Jahren seine neue Pkw-Niederlassung Frankfurt/Offenbach errichten. Das Gelände in direkter Nachbarschaft der Europa-Zentrale des koreanischen Autobauers Hyundai liegt auf Frankfurter Gebiet.

Offenbach/Frankfurt - Bei so viel automobiler Schönheit hätte man die Symbolik fast übersehen können: Der Mercedes SLS AMG, Neuauflage des legendären Flügeltürers, der da gestern am Kaiserlei-Kreisel in der Mittagssonne blitzte und funkelte, trug nämlich das amtliche Kennzeichen „F-OF 2011“. Von Christian Riethmüller

Und damit den Hinweis auf das Jahr, in dem die gemeinsame Geschichte von Mercedes-Benz, Frankfurt und Offenbach eine neue Wendung nimmt. Der Stuttgarter Autobauer wird in seine hiesige Niederlassung rund 85 Millionen Euro investieren und in Frankfurt sowohl ein neues Pkw- als auch ein neues Nutzfahrzeugzentrum (siehe Bericht unten) bauen, allerdings seine Offenbacher Dependance in der Daimlerstraße aufgeben. Der Lederstadt wird der Automobilkonzern dann nurmehr über den Namen „Mercedes-Benz Niederlassung Frankfurt/Offenbach“ verbunden sein. Dieser Name wird nach Angaben von Niederlassungsleiter Burkhard Wagner auch beibehalten werden.

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Das Sinken des Sterns über Offenbach dürfte zwar manchen Nostalgiker betrüben, doch Pragmatiker sehen in dem Umzug des Unternehmens an den Kaiserlei-Kreisel, wo auf Frankfurter Gemarkung die zentrale Niederlassung gebaut wird, große Chancen für beide Städte wie auch die Region. Zu diesen Pragmatikern gehört verständlicherweise Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU), weil Mercedes-Benz schließlich in ihrem Verantwortungsbereich investiert und Steuern zahlt. Aber auch Offenbachs Bürgermeister Horst Schneider (SPD) zeigte sich gestern optimistisch, obwohl die Stuttgarter Autobauer nach jahrelangen Verhandlungen doch keines der Offenbacher Flächenangebote angenommen hatten.

Ansiedlung ein Impuls, die Verkehrsführung endlich zu optimieren

Schneiders Optimismus gründete sich dabei nicht auf einige Beschwerdeanrufe weniger, die bisher von durch knallige Luftdruckbremsentests verschreckten Anwohnern vorgebracht wurden, sondern auf die Signalwirkung der Benz-Ansiedlung für den Standort Kaiserlei. Zum einen muss das direkt neben der Hyundai-Zentrale gelegene, etwa 50.000 Quadratmeter große Grundstück, auf dem der Neubau entsteht, über zu Offenbach gehörende Straßen erschlossen werden, zum anderen dürfte die Ansiedlung der wesentliche Impuls sein, die Verkehrsführung am Kaiserlei endlich zu optimieren. Dort werden nicht nur das Autohaus, sondern auch die geplante Brücke über den Main in Höhe des Neubaus der Europäischen Zentralbank für ein ungemein stärkeres Verkehrsaufkommen sorgen, dem nach Schneiders Worten mit zwei Doppelkreuzungen anstatt des Kreisels begegnet werden soll. Der Rückbau des Kreisels würde es Offenbach ermöglichen, neue Grundstücke dort zu erschließen, die dank der vorzüglichen Anbindung des Areals an Straßenverkehr und öffentlichen Nahverkehr interessante Standorte für hochwertige Dienstleistungen wären, meint der Oberbürgermeister.

Anfang 2014 sollen Bauarbeiten abgeschlossen sein

Sind solche Überlegungen, auch hinsichtlich der Finanzierung durch das Land, noch Zukunftsmusik, weiß man bei Mercedes-Benz schon genau, welche Partitur gespielt wird. Wie Burkhard Wagner gestern bei Vorstellung der Pläne sagte, werden die Arbeiten für das neue Pkw-Zentrum vorbehaltlich der Genehmigung des Bebauungsplans durch die Stadt Frankfurt Ende 2012 beginnen. Ende 2013, Anfang 2014 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein.

Dann werden der bisherige Standort in Offenbach sowie die beiden Niederlassungen in Frankfurt auf der Hanauer Landstraße aufgegeben, und das Neu- und Gebrauchtwagengeschäft wird fortan am Kaiserlei betrieben. Etwa 54 Millionen Euro wird Mercedes- Benz hier investieren. Von insgesamt 750 Mitarbeitern der Niederlassung Frankfurt/Offenbach werden 350 dann an dem neuen Standort tätig sein, sagte Wagner.

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