Nach Überfall auf Juwelier und dessen Tochter

Messer an Hals gehalten: Angeklagte verurteilt 

Offenbach - Glimpfliche Urteile im Prozess um den Überfall auf ein Juwelier in der Innenstadt im Juli des vergangenen Jahres: Anstifter Panagiotis K. (23) kommt mit fünfeinhalb Jahren, Türöffner Rytis Z. (26) mit zweieinhalb Jahren Gefängnis davon. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

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Damit liegt das Ergebnis der Ersten Strafkammer des Landgerichts Darmstadt deutlich unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Diese hatte sieben beziehungsweise viereinhalb Jahre verlangt, weil sie die Fakten auf der Positivseite nicht so hoch wertete wie die Kammer. Allem voran standen für das Gericht dabei die sofort nach der Verhaftung gemachten Geständnisse sowie die ehrlich wirkenden Entschuldigungen an Überfallopfer R. Der Juwelier hatte am 25. Juli mit viel Zivilcourage selbst dafür gesorgt, dass die Täter gefasst wurden. Er zögerte keine Sekunde, als die Täter aus seinem Geschäft flohen, rannte beherzt hinterher – und konnte K. kurze Zeit später mithilfe eines Kellners aus dem benachbarten Café dingfest machen.

Ein ganz genaues Bild des Überfalls konnten sich die Verfahrensbeteiligten am gestrigen dritten Verhandlungstag bei der Sichtung dreiminütiger Videosequenzen machen. Alle drei Überwachungskameras vor der Eingangstür, im Laden sowie im Büro- und Lagerraum leuchten die kleinen Räumlichkeiten sehr gut aus und zeigen fast den kompletten Ablauf.

Tochter im Schwitzkasten

Um 14.20 Uhr klingelt Z. am Eingang. Als im Viertel unbekannter Litauer verschafft er so den beiden in der Nachbarschaft wohnenden Komplizen Eintritt – den beiden Maskierten hätte R. ja nicht geöffnet. Sofort stürmen K. und der gesondert vor dem Jugendschöffengericht angeklagte C. (sein Prozess soll am Montag in Offenbach verhandelt werden) den Laden, springen über den gläsernen Verkaufstresen. K. bringt im Büro den 39-jährigen Inhaber zu Fall, hält ihm, während er auf ihm sitzt, eine Messerklinge an den Hals. Währenddessen nimmt C. die siebenjährige Tochter von R. in den Schwitzkasten, so dass sie Nasenbluten bekommt. Dann lässt er das Mädchen wieder los und stopft sich und dem unschlüssig vor dem Tresen stehenden Z. die Taschen voll: Armbänder, Goldbarren, Fingerring, Goldketten und Ohrringe im Gesamtwert von 71.550 Euro.

Die Beute ist bis heute verschwunden: So weit ging die Aufklärungshilfe der Angeklagten doch nicht... R. bekam von der Versicherung nur 60.000 Euro erstattet, auf dem Rest bleibt er sitzen. K. in seinem Geständnis: „Ich wusste nicht, dass ein Kind da drin ist. Dann wäre ich da nicht rein.“ Für den Staatsanwalt ist das jedoch nur eine faule Ausrede, denn K. wohnte in unmittelbarer Nähe des Geschäfts und kannte die Familie zumindest vom Sehen her. „Sie hätten leicht herausfinden können, ob eins von R.s Kindern anwesend ist“, so der Ankläger. Die brutale Vorgehensweise gegen R. und seine Tochter wertete er als strafverschärfend.

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Als Motiv für den Überfall gab K. Drogenschulden und eine Prügelattacke seiner Gläubiger an. Sein Drogenkonsum wirkte indes nicht schuldmindernd: Gutachter Peter Haag bescheinigt zwar beim Alkohol eine Grenze zur Abhängigkeit, bei anderen Drogen jedoch trotz jahrelangen Konsums keine Sucht. Trotzdem rät er zu zweijähriger Unterbringung in einer Entziehungsanstalt..

Dem folgte die Vorsitzende Richterin Ingrid Schroff. Z. ist in Deutschland nicht vorbestraft, seine beiden Verteidiger sehen ihn als „Beihelfer“ und hatten eine Bewährungsstrafe gefordert. Bei K. ist es die erste Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht. Er hat insgesamt zwölf Einträge ins Bundeszentralregister und bereits drei Jugendstrafen abgesessen. Beide Verteidiger kündigten Revision an.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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