Messerstecher wird in Klinik eingewiesen

Darmstadt - (ddü) Der junge Mann, der im September vergangenen Jahres einen 24-Jährigen auf dem Gelände des Theresien-Kinder- und Jugendheims auf der Rosenhöhe mit mehreren Messerstichen lebensgefährlich verletzt hatte, muss nicht ins Gefängnis. Ein Gutachter attestierte ihm eine schwere psychische Erkrankung, die verantwortlich für die Tat sei.

Richter Thomas Sagebiel verurteilte den geständigen Täter am Donnerstag im Darmstädter Landgericht zur Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus, die Vollstreckung der Strafe wird jedoch für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. In der Urteilsbegründung hieß es, der Mann sei aufgrund seiner psychischen Krankheit nur vermindert schuldfähig.

Der 19-Jährige erhält die Auflage, regelmäßig Medikamente einzunehmen und eine ambulante Psychotherapie zu machen. Außerdem darf er den Stadtteil Lauterborn, wo er sich früher regelmäßig mit seinen Freunden aufgehalten hatte, nicht mehr betreten. Die elektronische Fußfessel, mit der für einige Monate sein Bewegungsprofil überwacht wurde, darf er hingegen ablegen.

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Versöhnung vor Gericht

Der Täter hatte nachts an der Tür einer Bekannten im Theresienheim geklingelt. Ihr damaliger Freund öffnete die Tür und schickte den ungebetenen Besucher weg. Er kam jedoch wieder und forderte sein Opfer zu einem Boxkampf heraus, bei dem er ein Klappmesser zog und mehrfach zustach.

Eine Eifersuchtstat wollte der Gutachter ausschließen. Das Fehlen eines Motivs sei vielmehr typisch für eine Schizophrenie. In der Vernehmung vor der Großen Strafkammer sowie in Gesprächen mit dem Psychiater Rainer Gliemann hatte der Täter von fremden Stimmen, Angstzuständen, Ruhelosigkeit und auch Déjà-vu-Erlebnissen berichtet.

Dies seien ganz eindeutige Anzeichen für eine Schizophrenie, so der Gutachter. Aufgrund dieser Erkrankung habe der Täter seine Handlung nicht steuern können. Ohne ärztliche Betreuung und die regelmäßige Einnahme von Psychopharmaka sei zu befürchten, dass der junge Mann erneut gewalttätig werde. Sollte er gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen, werde das Gericht ihn umgehend in eine psychiatrische Klinik einweisen, kündigte Richter Thomas Sagebiel an.

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