Offenbach und Frankfurt gemeinsam auf Rekordkurs

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So könnte es gehen... Die Metall-Innung Frankfurt-Offenbach hat eifrig geplant und konstruiert. Das Ergebnis begutachten die Metallbauer im Betrieb von John Lohrmann in Waldhof bei einem herzhaften Schluck (rechts).

Offenbach - Ständig prima Klima? Aber nicht am Main! Doch vielleicht wird’s ja noch was mit einem gutnachbarschaftlichen Verhältnis abseits der städtebaulichen Annäherung im Hafen und auf dem ehemaligen MAN-Gelände, wo die Frankfurter Baugesellschaft ABG Wohnungen hochzieht. Von Martin Kuhn

Die Hoffnung ruht (nicht allein) auf der Metall-Innung Frankfurt-Offenbach, an deren Spitze der Offenbacher Obermeister John Lohrmann steht. Aber schön der Reihe nach. Frankfurter Wirte und Kelterer hatten die Idee, den größten Bembel der Welt fürs heimische Stöffsche herstellen zu lassen. Gesagt, getan. Der Auftrag geht nach Höhr-Grenzhausen im Westerwald, das berühmt ist für seine Tonwaren. Herausgekommen ist ein etwa 1,70 Meter hoher, 300 Kilogramm schwerer Bembel, der 690 Liter fasst, die wiederum in 2760 Gerippte, das traditionelle Apfelweinglas, ausgeschenkt werden können. Natürlich kann kein Mensch einen solchen Riesen-Bembel heben, geschweige denn daraus ausschenken.

Da braucht’s Hilfe: ln heimischen Ebbelwoiwirtschaften hängen größere Bembel in einem „Faulenzer“, mit dessen Hilfe die Zecher wohldosiert ausschenken können. Also sind die Metallbauermeister aus dem Vorstand der Innung Frankfurt-Offenbach, an der Spitze der Offenbacher Obermeister John Lohrmann, gar nicht faul: „Dann fertigen wir eben den weltgrößten Faulenzer“, gab der Offenbacher die Devise an seine Vorstandskollegen aus.

Wer Lohrmann kennt, ahnt bereits: Dem Vorhaben konnte und wollte sich keiner entziehen. Das vorläufige Ergebnis begutachteten die Schlossermeister unlängst in Lohrmanns Werkstatt in Waldhof. Beim ordentlichen Schluck des Nationalgetränks, ebbes Worscht und Brot ergab die Inaugenscheinnahme: „Das wird alles wunderbar passen.“ Dafür wurde die imposante Schwenkvorrichtung in Lohrmanns Werkstatt behutsam gebogen und geformt – was bei diesen Dimensionen nur schwer vorstellbar ist.

„Hochzeit“ zwischen Bembel und Faulenzer

Erleichtert dürfte auch der Initiator des Rekordversuchs, Donato Romanazzi, sein. Sein Apfelwein Centrum Hessen, gemeinnütziger Verein zur Förderung regionaler Apfelweinkultur, gab den Bembel in Auftrag, finanziert wurde das Gefäß, aus ungefähr 500 Kilogramm Tonmasse geformt, mit Hilfe privater Sponsoren. „Ich finde das eine Klasse-Idee“, war der überzeugte Hesse Lohrmann schnell angetan. Man darf’s ja mal verraten: Ursprünglich war daran gedacht worden, den Ebbelwoi per Tauchpumpe aus dem Bembel zu ziehen. Das stößt nicht nur Puristen sauer auf, die allenfalls einen Schuss kohlensäurehaltiges Wasser in ihr liebstes Getränk erlauben. So kommt der hessische Fruchtwein demnächst ordentlich daher.

So weit ist es noch nicht: In einer großen Aktion wird der Bembel am Sonntag, 4. August, zunächst aus Höhr-Grenzhausen mit einem historischen Zug, der Brexbachtalbahn, an den Main geholt. Motto: „De Bembel kimmt haam.“ ln den Räumen der Volksbank Frankfurt wird dann die „Hochzeit“ zwischen Bembel und Faulenzer gefeiert. Der geneigte Schoppepetzer freut sich derweil aufs Apfelweinfestival auf dem Rossmarkt. Dort feiern Frankfurter und deren Besucher ihr Nationalgetränk vom 9. bis 18. August mit einem bunten Bühnenprogramm und vielen Köstlichkeiten rund um Sorten wie Goldparmäne, Berlepsch, Boskop oder Prinz Albrecht von Preußen. Beim Festival soll selbstverständlich fleißig aus dem Rekord-Bembel ausgeschenkt werden.

Abfahrt zur Bembeltour: Sonntag, 4. August, 8.30 Uhr, Hauptbahnhof Frankfurt; Preis: 69,50 Euro; Karten: Kelterei Stier (06109/65099); Olaf Hof (02734/652732); Info im Internet

Jetzt muss das Keramikgefäß, das bei Temperaturen bis zu 1260 Grad Celsius gebrannt wurde, nur noch in den Faulenzer. „Am besten mit einem Gabelstapler“, haben die Metallbauer schon festgelegt. „Und jetzt stell’ dir mal vor, uns fällt das Ding hin...“ Vernimmt der Offenbacher Obermeister etwa bereits lästernde Zungen? Na, hoffentlich nicht.

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