Branchenzuschläge gelten jetzt

Zeitarbeitern steht mehr Geld zu

Offenbach - Leiharbeiter in der Metall- und Elektroindustrie in der Region sollten sich die Gehaltsabrechnungen genau anschauen. Ihre Arbeigeber, die Zeitarbeitsfirmen, müssen ihnen seit November mehr zahlen. Von Marc Kuhn

Die IG Metall hatte für sie sogenannte Branchenzuschläge erstritten - diese können je nach Verleihdauer und Gehaltsgruppe zwischen 170 und rund 1 380 Euro liegen. Die Gewerkschaft befürchtet indes, dass auch manch ein Unternehmen, dass seine Mitarbeiter an Firmen in Stadt und Kreis Offenbach ausleiht, mit Tricks seine Kosten drücken will. Diese Erfahrung hat zumindest Marita Weber, die erste Bevollmächtigte der IG Metall Offenbach, gemacht.

Stichtag ist der 1. November. Leiharbeiter, die zu diesem Zeitpunkt sechs Wochen oder länger im Einsatz waren, erhalten 15 Prozent Branchenzuschlag auf den Stundenlohn. In Stufen steigt dieser auf bis zu 50 Prozent. Die Zuschläge seien tarifliche Leistungen, erklärte Weber unserer Zeitung. Sie dürften in der Regel nicht mit übertariflichen Leistungen verrechnet werden. Und: Die Branchenzuschläge gelten auch, wenn das Metallunternehmen nicht tarifgebunden ist. Von Tricksereien hat der Arbeitgeberverband Hessenmetall nach den Worten seines Hauptgeschäftsführers Volker Fasbender keine Kenntnis. Er sagte indes: „Zeitarbeit wird wegen der Flexibilität eingesetzt, aber nicht um jeden Preis.“ Bei Zuschlägen von 50 Prozent sei sie zu teuer.

Sparen auf anderen Wegen

Wegen des Fachkräftemangels, den auch die Zeitarbeitsfirmen spüren, würden sie die Zuschläge zahlen, meinte Weber. Sie befürchtet aber, dass die Firmen auf anderen Wegen Geld sparen wollten. Sie versuchten Druck zu machen. Den Leiharbeitern würden neue Verträge angeboten, die übertarifliche Leistungen nicht mehr enthalten. Diese müsse der Mitarbeiter nicht unterschreiben. Zudem versuchten die Verleih-Unternehmen, die Eingruppierungen in den Gehaltstabellen zu verschlechtern. Sie „geben die höheren Preise weiter und versuchen, bei den Arbeitnehmern zu sparen“, sagte Weber.

Die Betriebsräte von GKN Driveline in Offenbach, Markus Philippi, von Decoma in Obertshausen, Joachim Schecher, und von Dematic in Offenbach, Ralf Kümmerer, teilen diese Einschätzung. Weber erklärte, Leiharbeiter sollten sich über die Branchenzuschläge informieren und bei Arbeitnehmervertretern oder der IG Metall Rat suchen. Nach wie vor setzen Unternehmen in Offenbach auf das Instrument Zeitarbeit. Dematic habe in Deutschland 570 Mitarbeiter und in Offenbach 410, berichtete Kümmerer. 40 von ihnen seien Leiharbeiter. Decoma habe 1 140 Angestellte, fast 200 seien Zeitarbeiter, wie Schecher erläuterte. GKN habe 1 950 Mitarbeiter, 190 seien ausgeliehen worden, sagte Philippi. Ihre Zahl sei stabil, weil die Auslastung des Betriebs gleich geblieben sei, berichtete er. Die Jobs würden direkt von der Konjunktur abhängen.

Instrument der Flexibilisierung

Derweil wollen Betriebsräte und IG Metall die Zeitarbeit als Instrument der Flexibilisierung in den Betrieben nicht akzeptieren. Dies sei irreführend, sagte Kümmerer. Arbeitszeitkonten, Kurzarbeit und die Möglichkeit zur Absenkung der Arbeitszeit würden für flexible Lösungen bei der Stammbelegschaft sorgen. In allen drei Firmen in Offenbach gebe es sehr flexible Regelungen, sagte Weber.

Die Arbeitgeber verteidigen dagegen den Einsatz von Leiharbeitern. „In einem wirtschaftlichen Umfeld, in dem wir uns als Anlagebauer bewegen, ist die Flexibilität des Unternehmens einer der wichtigsten Faktoren langfristig erfolgreich zu sein“, erklärte der Geschäftsführer von Dematic, Adrian Siegler. „Unsere gesetzlichen Voraussetzungen, die wir in Deutschland im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern haben, lassen es nicht zu, kurzfristige Ressourcenanpassungen vorzunehmen. Daher sind wir gezwungen, diesen Weg zu beschreiten“, sagte Siegler Eine Sprecherin von Magna, dem Mutterkonzern von Decoma, betonte ebenfalls, dass die Flexibilität wichtig sei. Die Mitarbeiterzahl müsse der Auftragslage angepasst werden.

Rubriklistenbild: © dpa

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