Metallkurs mit Obermeister an Bachschule

„Da schlummern viele Fähigkeiten“

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John Lohrmann mit seinen Bachschülern der Jahrgangsstufe 9. Der Obermeister und Vorsitzende der Metall-Innung Frankfurt-Offenbach eröffnete ihnen den Horizont fürs Handwerk.

Offenbach - Lehrlingsmangel, Ausbildungsmisere. Die Schlagworte sind austauschbar. Gern wird das mit Zahlen unterfüttert: Im vergangenen November sind’s bundesweit 20 000 freie Lehrstellen allein im Handwerk. Während viele noch diskutieren, packt John Lohrmann an. Von Martin Kuhn 

Der Obermeister und Vorsitzende der Metall-Innung Frankfurt-Offenbach geht an die Basis und somit direkt in die Bachschule. Ein Weg, der letztlich alle begeistert hat.

Grundlagen Metalltechnik. Es hört sich etwas sperrig an, was Lohrmann als Wahlpflicht-Unterricht den Jungen und Mädchen der Jahrgangsstufe neun anbietet. Anfangs ist der Obermeister, der eine Schlosserei in Waldhof führt, skeptisch. Nach der blanken Theorie („Arbeitsschutz muss immer sein!“) leben die jungen Leute auf. Sie zeichnen, sägen, bohren, feilen und biegen. Mehr noch: Am Ende halten alle mit einer Uhr ein selbst gefertigtes Unikat in der Hand.

Der Obermeister ist weiter angetan von den Bachschülern, die meist ausländische Wurzeln haben: „Mich persönlich erstaunte der tolerante Umgang untereinander. Respekt!“ Im Werkraum der Haupt- und Realschule, auch für die Holzverarbeitung ausgelegt, sind die jungen Leute hochmotiviert. „Das Praktische bietet Abwechslung und liegt ihnen“, resümiert Lohrmann, der als Handwerker einen anderen Blick hat als Pädagogen: „Ich habe bei einigen sehr gute Voraussetzungen gesehen. Da schlummern viele Fähigkeiten.“

Arbeit an der Basis

Was der Offenbacher nach sechs Monaten an die übergeordneten Handwerks-Vertretungen weitergibt: „Wir müssen mehr an die Basis gehen.“ Das versucht das Metallhandwerk seit geraumer Zeit bereits mit dem „BOB-Ansatz“. Die „Berufs-Orientierungs-Beauftragten“ stellen Kontakt her mit Schulen, Arbeitsagentur sowie Migrantenorganisationen und informieren über Karrieremöglichkeiten im Metallhandwerk. Das bundesweite Netzwerk zählt mittlerweile 51 BOB – darunter John Lohrmann.

Das alles nimmt Kai Maas, Konrektor der Bachschule, gern auf. Er bezeichnet den Holz- und Metallraum als gut ausgestattet, aber „verwaist“. Die Arbeitslehre, in den 1970ern als Schulfach eingeführt, gibt es kaum noch. Was ihn letztlich mit Lohrmann zusammenbrachte, ist die Überzeugung: „Wir suchen händeringend Handwerker für die Berufsorientierung unserer Schüler.“ Am liebsten solche, die täglich im Beruf stehen. „Sie eröffnen Jugendlichen den Horizont.“

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Also stellt das Handwerk eine gute Alternative zu Handel und Dienstleistung dar? Die Frage bleibt unbeantwortet. Hingegen ist Maas überzeugt, in Lohrmann die richtige Wahl getroffen zu haben: „Wir hätten keinen Besseren finden können.“

Da der Wahlpflichtunterricht nicht länger mit dem Terminkalender eines selbstständigen Unternehmers in Einklang zu bringen ist, endet ein Stück „Wirklichkeit“ in der Bachschule. Nachfolger sind aber willkommen: Kontakt über das Sekretariat, 069/8065-2425.

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