Bei der Miete hat sich kaum etwas geändert

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Wohl selten war ein Konsens trotz meist grundsätzlich gegenläufiger Interessen der Beteiligten größer als beim gestern vorgestellten Mietspiegel für 2010.

Offenbach ‐ Wohl selten war ein Konsens trotz meist grundsätzlich gegenläufiger Interessen der Beteiligten größer als beim gestern vorgestellten Mietspiegel für 2010. Von Matthias Dahmer

Als ein unkompliziert zu handhabendes Werk, das sich in der Praxis gut bewährt hat, loben Vertreter von Stadt, Mieterbund und Hauseigentümern die Mietwert-Tabelle.

Sie erstellen zur Anpassung an die Marktentwicklung im zweijährigen Turnus das vierseitige Broschürchen und hatten bei der aktuellen Auflage vermutlich nicht besonders viel zu tun. Denn die Mieten in Offenbach stagnieren.

Den aktuellen Mietspiegel gibt es bei uns zum Lesen und Herunterladen.

Lothar Kirchner vom Wohnungsamt kann deshalb zu Protokoll geben, dass man kaum Veränderungen gegenüber dem 2008er-Mietspiegel vornehmen musste: Lediglich bei Wohnungen bis Baujahr 1960, die verstärkt von ihren Eigentümern modernisiert wurden oder deren Umfeld sich etwa durch Verkehrsberuhigung oder Begrünung positiv verändert hat, ist eine Steigerung zwischen fünf und 30 Cent pro Quadratmeter zu verzeichnen.

Energetische Sanierung kann zu Erhöhung führen

Getrennt davon ist die energetische Sanierung von Häusern zu betrachten. Sie gewinnt zunehmend an Bedeutung, ist im Mietspiegel separat aufgeführt und kann vom Vermieter gesondert als Grund zur Mieterhöhung geltend gemacht werden.

Hintergrund Mietspiegel: Der Mietspiegel dient der einfacheren Feststellung der ortsüblichen Vergleichsmiete. Als Grundlage dienen bei der aktuellen Tabelle Daten aus rund 3.000 Mietverträgen von Wohnungen in der Größe zwischen 35 und 100 Quadratmetern aus dem gesamten Stadtgebiet, deren Mieten sich in den vergangenen vier Jahren verändert haben. Der Mietspiegel soll sowohl Mieter als auch Vermieter über die Preise informieren und Streitfragen klären.

Weiterhin wurden aus der Mietwert-Tabelle Wohnungen mit dem Merkmal „WC im Treppenhaus“ gestrichen. Grund: Es bezog sich in der Regel auf Immobilien bis Baujahr 1948, die es in dieser Form fast nicht mehr gibt. „Die finden sich jetzt mit Abschlägen in den normalen Tabellenwerten“, sagt Lothar Kirchner. Er betont, der Offenbacher Mietspiegel sei ein vereinbarter, könne nicht den Anspruch einer wissenschaftlich fundierten Ausarbeitung erheben. Doch habe sich gezeigt, so Kirchner, dass gerade das sein Vorteil ist. Kommunen, die mit ausgefeilten und genauestens erhobenen Tabellen arbeiten, fahren damit nicht gerade gut. Besonders im Streitfall vor Gericht hätten sich damit Probleme ergeben, weil zu viele Details eher verwirren als klären.

Ein Indiz dafür, wie gut man in Offenbach mit dem selbstgemachten Vergleichswerk fährt, ist für Kirchner die geringe Anzahl von Streitfällen. „Wir haben schon seit Jahren keine Ordnungswidrigkeitsverfahren mehr wegen überhöhter Mieten.“ Das bestätigt Rechtsanwalt Manfred Kind vom Verein der Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer: „Wir können mit diesem Praktiker-Mietspiegel befrieden, weil er den Marktwerten entspricht, mit einem Blick überprüfbar ist und Preisspannen enthält.“

Die Stagnation der Mieten in Offenbach entspricht der Entwicklung in den meisten Großstädten. Nach einer Drei-Jahres-Auswertung des Internetportals Immowelt.de sind sie in der Mehrzahl der Städte gestiegen oder gleich geblieben. Für Offenbach wurde von 2006 bis 2009 ein Anstieg von zwei Prozent ermittelt.

Mieten in Offenbach 15 Prozent günstiger als in Frankfurt

Nicht immer war das Thema Mieten so stimmig wie derzeit. Bürgermeisterin Birgit Simon berichtet von einer Zeit vor etwa fünf Jahren, als das Niveau dem in Frankfurt glich, was dazu führte, dass Offenbach aufgrund geringerer Durchschnittseinkommen zu teuer war. Simon: „In Offenbach sind die Mieten mittlerweile wieder rund 15 Prozent günstiger als in Frankfurt.

Entspannt ist für die Bürgermeisterin auch die Situation beim Wohnraumbedarf in der Stadt. „Die Grundbedürfnisse sind gedeckt“, spricht sie von einer gegenüber 2008 unveränderten Situation. Nach wie vor werden aber für kinderreiche Familien bezahlbare Wohnungen ab einer Größe von 100 oder gar 120 Quadratmetern nachgefragt. Zudem werden Wohngruppen für Demenzkranke an Bedeutung gewinnen, so die Bürgermeisterin. Im Trend liegt das Mehrgenerationen-Wohnen. Der Stadt liegt eine Liste von mehr als 100 Interessenten fürs Leben von Jung und Alt unter einem Dach vor.

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