Herausforderung für die Wirtschaftsförderung

Mieterkarussell in Offenbachs Innenstadt dreht sich

Der britische Sportartikel-Händler JD Sports zieht in die ehemalige Dielmann-Filiale in der Frankfurter Straße.
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Der britische Sportartikel-Händler JD Sports zieht in die ehemalige Dielmann-Filiale in der Frankfurter Straße.

Sorgenkinder gibt es in Offenbach viele, der Zustand der Innenstadt, insbesondere der Fußgängerzone, zählt zu den größten unter ihnen. Zwischen der Dominanz der Billigläden gibt es noch inhabergeführte Fachgeschäfte, doch der Wandel in der Einkaufskultur macht den Händlern zu schaffen. Kein Wunder also, dass die Stadt in Anlehnung an den Masterplan mit dem „Zukunftskonzept Innenstadt“ nach Auswegen sucht.

Offenbach - Doch während das Konzept noch Zukunftsmusik ist, da keine der für die einzelnen Projekte benötigten Flächen in städtischer Hand ist, gilt es für die Wirtschaftsförderung, mit dem Hier und Heute umzugehen: Und das bedeutet oft, für leer stehende Läden mögliche Nachfolger zu finden. 9 000 Quadratmeter Ladenfläche standen etwa im vergangenen Jahr leer. Für die kommenden Monate hat sich das Mieterkarussell bereits gedreht, es stehen einige Änderungen in der Fußgängerzone an.

Augenfällig sind zwei Wechsel: In der Frankfurter Straße 8 schließt Juwelier Gelber, „Räumungsverkauf“ ist groß am Geschäft plakatiert. Seit Anfang der 90er Jahre ist die Filiale des Frankfurter Schmuckhändlers in der Fußgängerzone ansässig, zum Jahresende wird das Geschäft geschlossen.

Erfreulicher dagegen die Plakatierung an der ehemaligen Dielmann-Filiale auf der anderen Seite der Straße: Dort zieht, so steht es auf großen Plakaten im Schaufenster zu lesen, der britische Sportartikel-Händler JD Sports mit einer Filiale ein. Eine Anfrage unserer Zeitung, ab wann das Geschäft seine Pforten öffnet und wie viele Arbeitsplätze somit entstehen, blieb bislang jedoch unbeantwortet. Bei der Wirtschaftsförderung ist die Freude über diese Neuansiedlung groß: „Mit JD Sports bekommen wir eine hochwertige Nutzung in der Frankfurter Straße“, sagt Amtsleiterin Bozica Niermann. Mit dem Sportartikel-Händler werde die Fußgängerzone weiter aufgewertet. Zuletzt hatten die benachbarten Kaufhäuser M.Schneider und Woolworth Geld in die Aufwertung ihrer Geschäfte investiert.

Für das zweite Quartal kommenden Jahres steht überdies eine Rochade an: Optiker Fielmann wird von der Ecke Aliceplatz / Frankfurter Straße einige Meter nach Osten ziehen, in das Eckhaus Frankfurter Straße/ Marktplatz, das einst die Kleidergeschäfte Peek & Cloppenburg oder Ansons beherbergt hat und seit geraumer Zeit leer steht.

Mit dem Umzug wird ein Leerstand in exponierter Lage, am Eingang zur Fußgängerzone, beseitigt – allerdings wird nicht das komplette Gebäude von Fielmann belegt und freilich muss für die bisherige Filiale eine Nachnutzung gefunden werden. Der Optiker vergrößert sich damit erheblich: Wenn die neue Filiale im zweiten Quartal öffnet, wird das geschäft um eine Abteilung für Hörakustik mit drei Kaninen erweitert. Fielmann vergrößert sich damit von 270 auf 460 Quadratmeter Fläche. Außerdem, so teilt das Unternehmen auf Nachfrage unserer Zeitung mit, wird die Zahl der Mitarbeiter von 13 auf 19 erhöht. Am bisherigen Standort wäre die Erweiterung nicht möglich, begründet Fielmann den Umzug.

Die Wirtschaftsförderung sei bereits dabei, für die beiden in absehbarer Zukunft leer stehenden Flächen nach neuen Mietern zu suchen, sagt Niermann: „Leerstandvermeidung und Flächenmanagement zählen zu unseren Hauptaufgaben.“ Allerdings teilt Offenbach dieses Schicksal mit sämtlichen anderen Städten: Der Niedergang der Innenstädte und erheblicher Leerstand sind, entgegen gegensätzlicher Meinung in sozialen Medien, kein Offenbach-spezifisches Phänomen.

Auch die gern von verschiedenen Gruppierungen lautstark propagierten Gegenmaßnahmen wie der Ruf nach sogenannten Pop-up-Läden oder einer kulturellen Nachnutzung, erfolgen bundesweit.

„Die Forderung nach einem Pop-up-Laden ist rasch gestellt“, sagt Niermann, „die Probleme werden dabei aber gern ausgeblendet.“ Denn längst nicht jeder Vermieter ist bereit, für einen kurzen Zeitraum einen Teil seiner Fläche zu einem geringeren Preis zu vermieten. „Wenn dann doch die ‘große Anfrage’ nach der Gesamtfläche erfolgt, wäre das Objekt wegen des kleinen Ladens blockiert – also lassen sich einige Vermieter gar nicht erst darauf ein“, sagt sie. Zumal auch die potenziellen Interims-Mieter zahlungskräftig sein müssen und ein handfestes Konzept für ihr Geschäft vorweisen müssen – was ebenfalls nicht immer gegeben ist.

Im zweiten Quartal zieht Optiker Fielmann vom Aliceplatz in die Frankfurter Straße 1.

Auch die Stadtverordneten werden sich in ihrer Sitzung am Donnerstag mit den Offenbacher Leerständen beschäftigen: CDU, Linke, Ofa (Offenbach für alle, Piraten, Junges Offenbach und Partei) und Freie Wähler haben einen Antrag eingebracht, in Offenbach eine Nutzungsagentur nach Wuppertaler Vorbild zu prüfen. Eine solche Instanz soll sich um die Nutzung von Leerständen kümmern.

Das Ansinnen verwundert etwas, da die Suche nach Zwischen- und Nachnutzungen bereits zu den Aufgaben der Wirtschaftsförderung zählt und somit Doppelstrukturen geschaffen würden.

Außerdem wünschen die vier Fraktionen, dass „sich die Nutzungsagentur auch am Bereichsmanagement der Neuen Frankfurter Altstadt orientieren“. Allerdings sind in Offenbach im Gegensatz zu Frankfurt die Flächen nicht städtisch, was bedeutet, dass die Stadt nicht frei über die Leerstände entscheiden kann. Verwunderlich auch, dass ein knapp zehn Jahre altes Projekt als Vorbild dient: Die Wuppertaler Agentur wurde durch die Städtebauförderung in den Jahren 2007 bis 2012 finanziert, das Projekt ist inzwischen beendet, ein damals erarbeitetes Handbuch ist noch auf der Seite der Stadt Wuppertal zu finden – freilich mit dem Stand 2012.

Vor allem mit künstlerischer Zwischennutzung wollte Wuppertal dem Leerstand begegnen – ein Konzept, das es durchaus auch in Offenbach gibt: Das Einkaufscenter Komm setzt auf Künstler für nicht vermietete Fläche, im Rathaus-Plaza wurde die Wetter- und Klimawerkstatt installiert und am Stadthof in den Räumen der ehemaligen BB-Bank ist der „Makerspace“ der Stadtbibliothek untergebracht. Für andere Teile der Stadt gibt es zudem das ähnlich geartete „Groundfloor“-Projekt Offenbach.

Von Frank Sommer

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