Wissenschaftliche Tabelle überflüssig

Mietspiegel: Instrument für sozialen Frieden

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Offenbach - In Berlin hat eine Amtsrichterin den Mietspiegel als nicht wissenschaftlich fundiert genug gekippt. In Offenbach ist in punkto Vergleich von Unterkunftspreisen gar nichts wissenschaftlich – und das halten die Beteiligten auch für sehr gut so. Von Thomas Kirstein 

Der Mietspiegel für Offenbach ist ein „verhandelter“, beruht auf Konsens. Der kommt alle zwei Jahre zustande, wenn sich Stadt, Mieterbund, Verein der Haus-, Grund- und Wohnungseigentümer sowie Vertreter der großen Wohnungsbaugesellschaften zu informativen Zwecken treffen. Anders angehen als bisher will es in Offenbach wohl niemand. Ein wissenschaftlich qualifizierter Mietspiegel sei nicht nur immens teuer – sechs- bis siebenstellig –, sondern auch rechtlich angreifbarer, sagt Lothar Kircher, der Chef des Offenbacher Wohnungsamts, das für die 4000 öffentlich geförderten Wohnungen zuständig ist. Die in Berlin zu bewältigenden Probleme ergäben sich für Offenbach nicht. Sollte die Politik – etwa im Zuge der bislang nicht mit Umsetzungsvorgaben versehenen Mietpreisbremse – wissenschaftliche Mietspiegel verlangen, müsste sie auch deren Finanzierung sicherstellen, meint Kircher.

Aber der Status Quo wird ja eh bevorzugt. Der Offenbacher Haus-und-Grund-Justiziar Manfred Kind schwärmt von einem anerkannten, unkomplizierten und unbürokratischen Instrumentarium, das der Befriedung zwischen Vermietern und Mietern diene. Mieterhöhungen ließen sich damit verständlich und nachvollziehbar begründen. Kind sagt, er habe im vergangenen Jahr gerade mal zwei Prozesse wegen Erhöhungen führen müssen. Mit im Boot ist stets der Deutsche Mieterbund. Geschäftsführer Detlev Dieckhöfer, zur Zeit im Urlaub, wird bei der anstehenden Erstellung der Ausgabe 2015 dabei sein.

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Auch wenn es heißt, dass die geforderte Miete in Mehrfamilienhäusern die üblichen Preise in einer Gemeinde nicht übersteigen darf: Verbindlich sind die angegebenen Preisspannen des Mietspiegels nicht, er dient als Hilfsmittel und zur Orientierung bei Erhöhungen. Maßstab ist er der Gemeinnützigen Baugesellschaft Offenbach (GBO), die als größter Vermieter der Stadt rund 25.000 der hiesigen 61.000 Miet- und Eigentumswohnungen betreut. „Wenn wir nach umfassender Sanierung eigentlich elf Prozent erhöhen könnten, nehmen wir den Wert im Mietspiegel als Kappungsgrenze“, sagt GBO-Chef Winfried Männche. Er sieht im Offenbacher Mietspiegel ein erprobtes Instrument, das auch für sozialen Frieden sorgt.

Ergebnis der Verhandlungen im Zweijahresrhythmus ist die im Internet unter www.offenbach.de einsehbare und mit einem Vergleichsrechner ausgestattete Mietwerttabelle. Zu den Vergleichskriterien gehört nicht nur das Baujahr, sondern auch die Einordnung der Wohnlage in einfach, mittel und gut. 2014 reichte die Preisspanne von 3,40 Euro pro Quadratmeter in vor 1960 gebauten Häusern bis zu 11,20 Euro in neuen und voll ausgestatteten Immobilien. Tendenz: Weiter leicht steigend.

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