Mietstation elektrisiert

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Spatenstich für Elektromobilität zum Anfassen.

Offenbach - Die Elektromobilität zum Anfassen und Ausprobieren nimmt in Offenbach langsam Gestalt an. Gestern fiel unterhalb des sogenannten Feldherrnhügels der Startschuss für den Bau einer elektromobilen Ausleihstation. Von Matthias Dahmer

Dort, am zentralen Umsteigeplatz für Busse und S-Bahnen, sollen voraussichtlich ab Ende April oder Anfang Mai in einem bundesweit einzigartigen Projekt Elektro-Fahrräder und Strom-Autos die Offenbacher zum Umstieg auf den Antrieb der Zukunft bewegen. Entstehen werden auf dem Areal eine Elektro-Tankstelle für zwei dort stationierte stadttaugliche Stromer des norwegischen Modells Think City sowie drei abschließbare Fahrradboxen, in die jeweils fünf E-Räder, sogenannte Pedelecs, passen.

Die beiden Kleinstwagen sind mit einem 30 kW Elektromotor ausgestattet, haben eine Reichweite von rund 180 Kilometern im Stadtverkehr und erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern. Bei den 15 Pedelecs gibt es drei verschiedene Bauweisen.

Derzeit erstellt die in Offenbach angesiedelte „Leitstelle der Modellregion Elektromobilität Rhein-Main“ Informationsblätter, die in den nächsten Wochen in der Stadt verteilt werden. Auch auf einer eigens geschaffenen Internetseite (www.emobil-rheinmain.de) können sich Interessierte über die Leihmodalitäten informieren. Die Seite wird aber erst freigeschaltet sein, wenn die unter Regie der Offenbacher Verkehrsbetriebe (OVB) laufende Verleihstation ihren Betrieb aufnimmt.

Große Chance für ÖPNV

Nach der Anschaffung von 15 Elektrofahrrädern für die Stadtverwaltung sei dies das zweite Projekt, das in Offenbach umgesetzt werde, sagt Oberbürgermeister Horst Schneider. Der Verwaltungschef ist mehr denn je überzeugt: „Der Elektromobilität gehört die Zukunft“. Und das alles werde schneller gehen als viele sich das vorstellen könnten, so Horst Schneider. Bürgermeisterin Birgit Simon hofft, dass sich das Ausleihsystem in der Stadt etabliert.

Klaus Peter Güttler, Geschäftsführer des mit ins Boot geholten Rhein-Main-Verkehrsverbunds, sieht in dem Projekt eine große Chance für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Das Mobilitätsverhalten der Menschen ändere sich, das Auto spiele insbesondere bei jungen Leuten nicht mehr die zentrale Rolle. „Die sind ganz flexibel, nutzen Car-Sharing, Fahrräder und den ÖPNV gleichermaßen“, sagt Güttler. Und der RMV wolle an der Spitze dieser Bewegung mitmischen. Die Stadt Offenbach, lobt er, übernehme mit dem Projekt eine Vorreiterrolle.

Fördergelder vom Bund

„Die Spargelköpfe in Sachen Elektromobilität sprießen“, formuliert Leistellen-Chef und OVB-Geschäftsführer Volker Lampmann. Die Ausleihstation sei ein Beispiel dafür, wie Elektromobilität entlang der der Busline 103 funktioniere, die künftig einen Haltepunkt am Feldherrnhügel haben werde. Lampmann verweist damit auf den wohl wichtigsten Baustein des regionalen elektromobilen Konzepts: Den ersten reinen E-Bus Deutschlands in Standardlänge (zwölf Meter). Er soll auf der Linie 103 zwischen Mühlheim und Frankfurt rollen und wird derzeit in Portugal hergestellt. Das Bus-Projekt war ausschlaggebend dafür, dass Offenbach den Zuschlag für den Sitz der vom Bund geförderten Leitstelle erhalten hat.

Die Stadtwerke Offenbach Holding koordiniert als regionale Projektleitstelle 15 Demonstrationsprojekte, die nahezu alle Formen der E-Mobilität auf den Weg bringen. Alle Projekte werden technisch und sozialwissenschaftlich begleitet. Bis Mitte 2011 fördert das Bundesverkehrsministerium mit 130 Millionen Euro überwiegend aus dem Konjunkturpaket II den Ausbau und die Marktvorbereitung von Elektromobilität in acht Modellregionen Deutschlands.

„Ein Idee wird Wahrheit“, sagt Anja Georgi, Geschäftsführerin der Nahverkehr in Offenbach GmbH, beim gestrigen Spatenstich. Sie betont, dass die Mietstation schon in wenigen Wochen fertig sein wird und verspricht ein „Eröffnungs-Event“.

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