Vermarktung der Kohlelager-Fläche für Gewerbe

Mietvertrag mit der EVO gekippt

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Das EVO-Heizkraftwerk und sein Kohlelager am Main – zum Zeitpunkt des Überflugs unseres Fotografen Axel Häsler war es ziemlich leer geräumt.

Offenbach - Die Energieversorgung Offenbach soll sich von einem guten Viertel der Fläche ihres Kohlelagers am Main trennen und den Rest verkleiden und überdachen. Die Stadt in Gestalt ihrer Konzerntochter Mainviertel GmbH hat den Mietvertrag mit der EVO gekündigt. Von Thomas Kirstein 

Daniela Matha, Geschäftsführerin der Offenbacher Projektentwicklungs-GmbH (OPG), bestätigt Informationen unserer Zeitung: Ihre Mainviertel-Gesellschaft, die den ehemaligen Hafen als Wohn- und Gewerbegebiet entwickelt, hat einen langjährigen Mietvertrag mit der EVO aufgelöst. Ziel sei, das als Kohlelager genutzte Areal am Main um ein Viertel zu reduzieren. Das gewonnene Gelände soll für Gewerbeansiedlung vermarktet werden. „Die derzeitige Fläche ist größer als im Bebauungsplan vorgesehen, rechtlich ist es aber nicht möglich, nur einen Teil davon zu kündigen“, erläutert Matha. Der Kündigung sei der Entwurf eines Mietvertrags zu geänderten Konditionen beigefügt.

Bei den Verhandlungen geht es aber offensichtlich nicht nur darum, von 8000 etwa 3000 Quadratmeter abzuknapsen. Das dürfte sich ziemlich einvernehmlich regeln lassen. Verhandelt wird aber außerdem über die nicht billige sogenannte Einhausung des Lagers. Die soll, von der Mainviertel bereits vor fünf Jahren ins Gespräch gebracht, die Lage für interessiertes Gewerbe attraktiver machen: Man ist zwar an sprichwörtlicher Kohle interessiert, guckt aber kaum gern buchstäblich darauf.

Im Oktober 2012 wurde der studentische Wettbewerb „Einhausung Kohlelager EVO/Sicherung Radwanderweg Hafenmole“ an der Hochschule für Gestaltung Offenbach, der Technischen Universität Darmstadt und der Bergischen Universität Wuppertal ausgeschrieben, im Juni 2013 ein Entwurf prämiert. Realisierung offen; der Fahrradweg indes ist inzwischen so überdacht, dass keinem Passanten Kohlebrocken auf den Kopf fallen können. „Wir sind in Gesprächen über ein vernünftiges Pachtverhältnis“, sagt EVO-Sprecher Harald Hofmann.

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Eine Lagerfläche in ausreichender Größe an dieser Stelle sei für das Unternehmen unverzichtbar. Auf ihr bunkert die EVO den Brennstoff für ihr Heizkraftwerk auf der anderen Seite des Nordrings, das sind bis zu 20.000 Tonnen Steinkohle. 50 Prozent der von der EVO an 2000 Kunden (es sind weit mehr Haushalte in Offenbach, Heusenstamm und Gravenbruch) gelieferten Fernwärme stammt von dort. Außerdem produziert die 1986 vom damaligen hessischen Umweltminister Joschka Fischer eingeweihte Anlage Strom; ihre Kraft-Wärme-Kopplung gilt als sehr effizient, 85 Prozent der eingespeisten Energie kommt nutzbar heraus.

Die Anlegestelle mit dem Kohlenlager ist sozusagen das letzte Überbleibsel des einstigen Offenbacher Industriehafens. 60 bis 70 Schiffe liefern dort pro Jahr rund 100.000 Tonnen Steinkohle an. Die Energieversorgung Offenbach ist seit ihrer Gründung 1847 (als bis 1879 private Gasgesellschaft in Offenbach) zwischen der heutigen Andréstraße und dem Nordring daheim. Ein Unikum ist die eiserne Ladebrücke, die auf den Main hinausragt: Sie steht wie auch der auf ihren Schienen fahrende Kohlekran (Baujahr 1949, vielleicht sogar das Original von 1902) unter Denkmalschutz.

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