Mietvertrag für Vereinsheim gekündigt

Ort für Geselligkeit gesucht

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Ilse Hammann, Vorsitzende der Offenbacher 03, im teils schon leergeräumten Vereinsheim.

Bieber - Die Nachricht muss wie ein Schlag in die Magengrube gewesen sein. Als Ilse Hammann, Vorsitzende der Offenbacher 03, im Briefkasten den Brief mit Einschreiben und Rückschein findet, ahnt sie schon Böses. Von Veronika Schade 

Tatsächlich – es ist die Kündigung des Mietvertrags fürs Vereinsheim. Das Areal der ehemaligen Lederwarenfabrik Bauer an der Schlossmühlstraße, zu dem auch das Bowlingcenter und die frühere Sauna „Rimini“ gehören, wurde verkauft. Die Deutsche Reihenhaus AG baut dort 27 Eigenheime. Damit ist der Verein nach 36 Jahren gezwungen, sich eine neue Bleibe zu suchen. „Im Februar 2009 bekamen wir von den Vermietern ein Schreiben, dass ein Verkauf des Objekts nicht geplant ist“, erzählt Hammann. „Im Juni kam dann aber ein Nachtrag, dass die Kündigungsfrist nur sechs Monate beträgt, dafür aber die Miete nicht erhöht wird. Schon damals hätten wir stutzig werden müssen.“ Bis Ende Dezember müssen die „03er“ draußen sein.

Prächtig geschmückt wird das Vereinsheim zur Fastnacht.  

Seit 1978 hat der Verein, der 1903 auf dem Offenbacher Wilhelmsplatz gegründet wurde, nach „Wanderjahren“ die Räume in Bieber gemietet. Seitdem ist er im Stadtteil fest verwurzelt. Seit 1984 pflegt er gemeinsam mit dem Musikverein Eintracht den Aussichtsturm, beteiligt sich an den Bieberer Festen, bereichert die lokale Fastnacht. Einige Sparten des „Vereins für gesellige, kulturelle und sportliche Freizeitgestaltung“, darunter Tischtennis und Fußball, wurden erst in Bieber gegründet. Eine der rührigsten Abteilungen sind die Schützen.

Verschieden Sparten werden zum Problem

Wer so viele verschiedene Sparten und damit vielerlei Bedürfnisse hat, dessen Bestehen hängt stark von räumlichen Begebenheiten ab. Das weiß auch Hammann, die sich direkt nach der Kündigung auf die Suche gemacht hat. Doch geeignete und bezahlbare neue Räume zu finden, erweist sich als Mammutaufgabe. Viele Stellen hat sie bereits abgeklopft, schaute sich mehrere Optionen an und traf dabei auf entgegenkommende, hilfsbereite Menschen. Trotzdem war das Richtige noch nicht dabei – zu klein, zu teuer oder von der Lage her ungeeignet. Zudem müsse dort ein Schießstand möglich sowie genug Lagerfläche vorhanden sein. „Räume in dieser Größe werden wir uns definitiv nicht mehr leisten können“, ist sich die Vorsitzende sicher. Selbst eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge, um die der Verein nicht umhin komme, könne dies nicht ausgleichen.

Das Areal an der Schlossmühlstraße wurde verkauft.

„Wir sind in einer Situation, in der wir uns wenig aussuchen können“, bedauert Hammann, die erst im März den Vereinsvorsitz übernommen hat. Die Möglichkeit, bei anderen Vereinen unterzukommen oder gar mit ihnen zu fusionieren, schließt sie nicht mehr aus – auch wenn dies für die eigene Identität eine schwere Probe bedeutete. „Das Leben eines Vereins hängt vom Vereinsheim ab“, bringt sie es auf den Punkt. An der Schlossmühlstraße schlägt das Herz der „03er“, die Räume sind voller Erinnerungen. Mit ersten Aufräumarbeiten hat der Vorstand vorige Woche begonnen. Doch Resignation ist nicht angebracht. „Gerade jetzt müssen wir zusammenstehen und gemeinsam nach einer Lösung suchen“, ermuntert die 62-Jährige die 140 Mitglieder. „Wir sind bereit, viel selbst zu machen. Hier haben wir es auch getan“, appelliert sie an potentielle Vermieter. Um die Kasse zu füllen, könnten die Räume zudem auch anderen Nutzern zur Verfügung stehen, etwa für Sportkurse oder Veranstaltungen.

Sitzung der 03er in Bieber

Sitzung der 03er in Bieber

Wenn bis Dezember keine neuen Räume gefunden sind, müsse der Verein günstige Lagerflächen suchen und sich, wie in den Anfangsjahren, wieder in Gaststätten treffen. „Wenn wir bis dahin nicht umgezogen sind, habe ich ernsthafte Bedenken um das Fortbestehen des Vereins“, sagt die Vorsitzende traurig. Es bliebe wohl nur „der harte Kern“. Dass die ganze Stadt von den „03ern“ profitiere, zeige sich etwa an ihrem traditionellen Waldfest, das sich alle Jahre wieder als Besuchermagnet erweist. Sehr gern würde der Verein in Bieber bleiben, beteuert Hammann. Ob dies so kommt oder nicht – ihre Aktivitäten im Stadtteil wollen die „03er“ auf jeden Fall fortsetzen. Wie das Turmfest, dessen nächste Auflage am 23. und 24. August steigt.

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