Steigende Nachfrage nach Mikrokrediten

Wenn Gründern das Geld fehlt...

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Die Frankfurter Gründerin Rieke Rauert bietet „Home Staging“ an, hübscht also zum Verkauf stehende Wohnungen und Häuser auf. Dafür bekam sie einen Kleinkredit der hessischen Förderbank WIBank.

Frankfurt/Offenbach - Jungunternehmer brauchen nicht nur eine gute Idee, sondern Startkapital. Daran mangelt es oft - und manche Bank tut sich schwer mit Kleinkrediten. Förderinstitute springen in die Bresche. In Offenbach hilft das KIZ. Von Achim Lederle

„Home Staging“ lautet die Geschäftsidee der Wahl-Frankfurterin Rieke Rauert: Sie peppt zum Verkauf stehende Wohnungen und Häuser auf. Die Sachbearbeiter des hessischen Förderinstituts WIBank ließen sich überzeugen und gewährten der Jungunternehmerin einen Kleinkredit über 7000 Euro, wie die Nachrichtenagentur dpa schreibt.

7000 Euro sind viel Geld für eine Existenzgründerin wie Rauert, aber Kleinbeträge für eine klassische Bank. Viele Anbieter vergeben so kleine Kredite erst gar nicht, weil es sich für sie nicht rechnet. Zudem müssen Banken schärfere Auflagen erfüllen und achten mehr auf Kreditrisiken - „das spüren Unternehmen mit unsicherem Markterfolg und mithin höherem Kreditrisiko“, wie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) laut dpa in seinem „Gründerreport 2014“ feststellt.

„Finanzierungsfragen sind für die meisten Gründer ein Riesenthema“, sagt Ulrich Spengler, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg, der Agentur zufolge. Der DIHK-Report schließe aus Befragungen, „dass viele gute Ideen aufgrund von Finanzierungsschwierigkeiten nicht umgesetzt werden“.

Die Lücke füllen oft Förderinstitute mit Sonderprogrammen für Kleinstkredite. Seit November 2013 vergibt die hessische WIBank Mikrokredite: Kleinunternehmer können ohne Hausbank bis zu 15 000 Euro erhalten. Bislang wurden nach Angaben einer Sprecherin 77 Anträge mit einem Volumen von rund 975 000 Euro gestellt. Bewilligt wurden davon 33 Anträge mit einem Gesamtvolumen von 375.000 Euro.

Geringe Ausfallrate

In Offenbach lotst das KIZ (Kommunikations- und Innovationszentrum) Jungunternehmer durch den Dschungel der Kreditangebote. Bereits seit 2005 bietet das KIZ in der Hermann-Steinhäuser-Straße Mikrokredite an. Wie die Geschäftsführende KIZ-Gesellschafterin Petra Bünz unserer Zeitung sagte, werden über das KIZ Kredite bereits ab 1000 Euro bis zu 20.000 Euro vergeben. „Ein Unterschied zum Angebot der WIBank ist, dass wir selbst über die Bewilligung entscheiden - und zwar innerhalb von fünf Tagen.“ Grundlage dafür seien Sicherheiten über Bürgschaften für die Hälfte der gewünschten Summe.

„Hier können Freunde und Bekannte ins Boot genommen werden, die für den Kreditnehmer bürgen, weil sie von dessen Geschäftsidee überzeugt sind“, erklärt Bünz. Das KIZ-Mikrokredit-Angebot habe sich bewährt: Bislang seien etwa 750 Kredite vergeben worden, und die Ausfallrate sei verschwindend gering.

„Ich hätte die 7000 Euro auch als Eigenkapital gehabt, aber dann wären meine Sicherheiten aufgebraucht gewesen“, schildert Home-Stagerin Rauert gegenüber dpa. „Der Mikrokredit der WIBank gibt mir mehr Sicherheit und Flexibilität - gerade bei größeren Aufträgen.“ Sofas und Betten, Vasen und Lampen - bis zu fünf Wohnungen gleichzeitig kann die 30-Jährige inzwischen nach eigenen Angaben ausstatten. Förderbanken in anderen Bundesländern haben vergleichbare Angebote für Existenzgründer. Die Bundesregierung legte Ende 2009 einen Mikrokreditfonds mit 100 Millionen Euro Volumen auf. Nach Angaben der Bochumer Öko-Bank GLS, die diesen Fonds verwaltet, wurden seit Programmstart bis Ende des ersten Quartals 2014 insgesamt 17 522 Mikrokredite über durchschnittlich 6000 Euro vergeben - vor allem in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg.

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„Insgesamt sind mehr Mikrokredite in Anspruch genommen worden als zunächst erwartet“, erklärte GLS-Sprecher Christof Lützel. „Ein Weg, ein selbsttragendes System zu entwickeln, das ohne öffentliche Mittel auskommt, konnte allerdings bisher nicht gefunden werden.“ Hinzu kämen schärfere Regeln für Banken. „Aus diesen Gründen wird die GLS Bank ihr Mikrofinanzangebot nach dem Auslaufen der finanziellen Unterstützung des Bundes im Dezember 2014 einstellen.“ IHK-Experte Spengler meint: „Diese Förderprogramme sind von der Idee her sehr positiv, gerade bei kleineren Krediten gab es eine gewisse Lücke.“

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