Das Offenbacher Unternehmen Harbach & Meinhardt ist auf die Verwaltung von Wohneigentum spezialisiert

Milliarden-Vermögen in Betreuung

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Oliver Hillmann (links) und Dirk Bauer führen das Unternehmen Harbach & Meinhardt. Die Verwalter betreuen in Hessen knapp 8 000 Wohnungen von 150 Eigentümergemeinschaften.

Offenbach - Eigentumswohnungen sind in Zeiten der Niedrigzinsen beliebt. Für sie brauchen ihre Besitzer Verwalter. Eines der größten Unternehmen Hessens sitzt in Offenbach. Von Claus Wolfschlag 

„Wir haben schon fast alles gesehen“, sagt Oliver Hillmann. „Von Messie-Haushalten über massive Sachbeschädigungen bis zu illegalen Bordellbetrieben in großen Wohnanlagen.“ Hillmann ist Verwalter. Mit Dirk Bauer leitet er als geschäftsführende Gesellschafter das Unternehmen Harbach & Meinhardt - eine der größten privaten Wohnungsverwaltungsgesellschaften Hessens. Die Firma hat sich mit 16 Angestellten auf die Verwaltung von Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) spezialisiert. Mietverwaltung und Maklerarbeiten, die manche Verwalter anbieten, fallen nicht in ihren Tätigkeitsbereich. Die in Offenbach ansässige GmbH wurde 1974 von den zwei namensgebenden Gründern ins Leben gerufen. Die Wurzeln reichen aber bis ins 19. Jahrhundert zurück, da die alte Offenbacher Familie Harbach einst als Finanzierungsdienstleister bekannt war. Angefangen hatte die Firma mit 600 Wohneinheiten, heute betreut Harbach & Meinhardt knapp 8 000 Wohnungen von 150 Eigentümergemeinschaften im Rhein-Main-Gebiet. Als Schwerpunkte fungieren Stadt und Kreis Offenbach und Frankfurt, zudem gibt es Objekte in Bad Homburg und im Main-Taunus-Kreis.

Stets blieb die Firma ihrem Offenbacher Standort treu. Vom Marktplatz in den 80er Jahren wanderte sie in die Körnerstraße, dann ins Gebäude der Industrie- und Handelskammer neben dem Ledermuseum, danach in die alte Sparkassen-Zentrale an der Bieberer Straße. Im August 2015 zog die Firma in eine Gründerzeit-Villa in der Frankfurter Straße, so dass nun im neuen Firmensitz mit 380 Quadratmetern ausreichend Platz zur Verfügung steht. Die Größe der betreuten Wohnanlagen variiert enorm. Bei der kleinsten, nur neun Einheiten umfassenden Liegenschaft findet die jährliche Eigentümerversammlung einfach in einem Wohnzimmer statt. Bei der größten Liegenschaft mit 360 Wohnungen muss hingegen eine Turnhalle angemietet werden. Dabei gilt im Regelfall eine Teilnahme von 50 Prozent der Eigentümer als Untergrenze verpflichtend für die Gültigkeit von Beschlüssen.

Die große Zeit der Hausverwalter begann in den 80er Jahren. „Ursprünglich gab es keine Mittelgrößen“, sagt Hillmann. „Entweder waren Miethäuser im Besitz eines Eigentümers oder es gab Großeinheiten, also Massen-Wohnsiedlungen, die unter der Verwaltung der Bauträger standen. Erst ab den 80er Jahren kam richtig Bewegung in diese Struktur, denn auf den Rückzug der Bauträger folgte die Wachstumszeit der privaten Hausverwalter.“ Die Vervielfachung des Wohneigentums in jener Zeit hatte mit den größeren finanziellen Möglichkeiten der Bürger und einem Kulturwandel zu tun. Seitdem haben die Verwalter viel zu tun. Täglich bekäme die Gesellschaft, so Bauer, mehrere Hundert E-Mails von Anwohnern, Hausmeistern, Versicherungen oder Handwerksbetrieben, die bearbeitet werden müssen. Zum Rechnungsaufwand gesellen sich zahlreiche Abendtermine der Eigentümerversammlungen und Treffen mit den Verwaltungsbeiräten. Theoretisch könnte die Firma, laut Hillmann, schnell wachsen. „Das Problem ist aber, dass wir kein adäquates Personal finden. Der Beruf ist zudem arbeitsintensiv und nicht gut bezahlt, also eher unattraktiv.“

Die Köpfe der Wirtschaft in Stadt und Kreis Offenbach

Manchmal würden Mitarbeiter über Zeitungsannoncen gesucht. „Da bewirbt sich alles bei uns, bis hin zu gelernten Friseuren und Metzgern, die sich die Verwaltung von Häusern zutrauen, aber keine professionellen Immobilienkaufleute.“ Harbach & Meinhardt verwaltet ein immobiles Milliarden-Vermögen. Das Honorar der Verwalter sei aber angesichts ihrer Verantwortung nicht angemessen, meinen die Verwalter. „Im Rhein-Main-Gebiet ist das extrem“, erläutert Bauer. „Hier verdienen Hausmeister oft mehr Geld als die Verwalter. Die schwache Vergütung liegt hierzulande am niedrigen Ansehen unserer Branche, ganz im Gegensatz zu Frankreich.“

Hausverwalter sei in Deutschland kein Ausbildungsberuf. „Änderungs-Vorstöße vom Bundesfachverband der Immobilienverwalter blieben leider erfolglos. Somit gibt es keine Zulassungsbeschränkungen. Es reicht im Grunde ein Schild an der Tür und schon ist einer Verwalter.“ Folglich tummeln auf dem Markt viele Glücksritter. Fast 1 000 Einträge finden sich im Gewerberegister allein von Stadt und Kreis Offenbach. Chancen haben die „Kleinen“ durchaus, denn oftmals wissen sie Eigentümergemeinschaften mit Dumping-Preisen anzulocken. „Die Gemeinschaft nimmt dann den Verwalter mit dem billigsten Angebot, schaut aber nicht, ob dieser überhaupt qualifiziert für die Arbeit ist. Wir hingegen arbeiten professionell, schicken unser Personal beispielsweise jedes Jahr auf Fortbildungsseminare“, erläutert Dirk Bauer.

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