Offenbach

23 Millionen in den Guten

Der Stadtkämmerer will es morgen auf einer Pressekonferenz verkünden und schweigt zu Details, aber die Spatzen pfeifen es schon vom Rathausdach: Nach vielen Jahren des überzogenen Kontos hat Offenbach 2008 schwarze Zahlen geschrieben.

Offenbach (tk) - Mehr als 23 Millionen Euro sollen übrig geblieben sein. Bei Aufstellung des Etats ging Kassenwart Michael Beseler von einem Minus von 28 Millionen aus.

Das sich jetzt abzeichnende Plus heißt aber auch nicht mehr, als dass Offenbachs Schuldenberg aus langfristigen Krediten und Jahresdefiziten nicht auf über 600 Millionen wachsen wird.

Mit dafür verantwortlich, dass Offenbach seit 2001 wieder einmal seine laufenden Ausgaben decken kann, ohne dafür teures Geld von den Banken leihen zu müssen, ist auch eine Gabe des Landes. Verbucht werden jene 20 Millionen aus dem Landesausgleichsstock, die als „Stadion-Millionen“ Furore und Ärger gemacht hatten.

Aber sie sind es bei weitem nicht allein gewesen. Es war halt allgemein ein gutes Jahr, über das sich Kämmerer Beseler und Oberbürgermeister Horst Schneider freuen dürfen. Offenbachs Anteil an der Einkommenssteuer stieg über das Erwartete hinaus; der kommunale Finanzausgleich fiel besser aus; die Gewerbesteuer sprudelte kräftiger.

Für OB Schneider ist das alles ein Beleg für das Argument, das er jedem entgegenhält, der Verschwendung kritisiert: Offenbach habe kein Ausgabenproblem, es habe ein Einnahmenproblem. Beispiel Personalkosten: Schneider ist „stolz darauf, die 1,4 Millionen Tariferhöhung nicht nur herausgewirtschaftet, sondern noch 200 000 Euro gut gemacht“ zu haben. „Wir haben die Ausgaben im Griff“, sagt auch Kämmerer Beseler, „und wir werden auch nicht mehr ausgegeben, wenn wir mal Geld haben.“

Denn der 2008er Lichtblick ist wohl nur einem Strohfeuer zu verdanken. 2009 wird’s finsterer aussehen, wissen die Magistratsmitglieder. Michael Beseler kennt sich mit bösen Überraschungen aus. Vor zwei Jahren hatte er plötzlich eine Gewerbessteuerrückzahlung über 15 Millionen unterschreiben müssen.

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