Zehn Millionen hinterzogen

Offenbach - Der Staatsanwaltschaft sind im Kampf gegen gewerbsmäßige Steuerhinterziehung dicke Fische ins Netz gegangen. An geplanten zwölf Verhandlungstagen müssen sich vier Angeklagte aus dem ehemaligen Jugoslawien vor der 18. Strafkammer des Landgerichts Darmstadt verantworten. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Die Schadenshöhe beläuft sich auf zehn Millionen Euro. Neben vorenthaltenen Abgaben an den Fiskus enthält diese Summe entzogene Sozialversicherungsbeiträge und solche zur Zusatzversorgungskasse des Baugewerbes (SOKA Bau). Über fünf Jahre – von April 2006 bis Juli 2011 – betrieben die Bauunternehmer ihre kriminelle Form der Gewinnmaximierung. 4,2 Millionen Euro sollen allein auf das Konto eines 57-jährigen Serben gehen, der bisher behauptet, nur Beihelfer gewesen zu sein. Er befindet sich als einziger der Angeklagten in Untersuchungshaft. Der gebürtige Mazedonier leitete eine Offenbacher Baufirma. Er ist ein von der Pike auf gelernter Baufachmann.

Nicht weniger erfolgreich beim Hinterziehen waren seine Neffen, ebenfalls serbische Staatsangehörige. Als Geschäftsführer einer Baufirma sind sie laut Staatanwältin Susanne Sever für die restlichen 5,8 Millionen Euro verantwortlich. Beide haben im Vorfeld der Verhandlung ein pauschales Geständnis abgelegt. Ein weiterer beteiligter Neffe und andere Mittäter werden gesondert verfolgt. Nicht verwandt ist ein geständiger albanischer Gerüstbauer.

Durch die beim Finanzamt und der Krankenkasse viel zu niedrig angegebenen Löhne ergaben sich entsprechend fehlende Sozialabgaben. Allein für die Verlesung der Anklage für 313 Taten braucht die Staatsanwältin eine gute Stunde; damit ihr nicht die Stimme versagt, holt Verteidiger Ulrich Endres spontan ein Glas Wasser. Aufgeflogen ist das florierende Geschäft durch Baurazzien von Polizei und Zoll und nicht zuletzt durch die Aufmerksamkeit der Banken. Den mittlerweile sensibilisierten Geldinstituten war aufgefallen, dass wiederholt hohe Summen direkt nach Zahlungseingang bar wieder abgehoben wurden.

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